Bildung

Exportweltmeister zum Standort Nr. 1 für High-Tech machen

Das Label „Made in Germany“ hat ausgedient, künftig müsse es heißen „Researched and developed in Germany“. Das forderte Infineon-Chef Ulrich Schumacher kürzlich vor dem ZVEI-Zukunftsforum in Berlin. Im Folgenden Auszüge aus seiner Rede.

Wenn wir die Wirtschaftsnachrichten der Tageszeitungen aufschlagen, springen uns vor allem Negativ-Schlagzeilen in die Augen: Insolvenzen, Streiks, Arbeitslose, Fachkräftemangel, zusammenbrechendes Sozial- und Gesundheitssystem, dringend reformbedürftiges Rentensystem und so weiter.
Wenn wir einen Blick hinter die Schlagzeilen werfen, ist die Lage besser: Deutschland ist Weltmarktführer beim Export hochwertiger Technik, Deutschland hat nach Schweden, den Niederlanden und Finnland die qualifiziertesten akademischen Arbeitskräfte und 9 % des deutschen Umsatzes werden mit Marktneuheiten erwirtschaftet. Deutschland gehört in diesem Bereich zur europäischen Spitzengruppe.
Wenn Sie diese beiden Aspekte hören, würden Sie dann in Deutschland ein Unternehmen gründen und aufbauen? Würden Sie in Deutschland Arbeitsplätze schaffen? Würden Sie in Deutschland investieren?
Ich sage Ihnen: ja – und wir als Infineon tun es, indem wir die modernste Chip-Fabrik der Welt in Dresden gebaut haben. Und wir tun es, indem wir eine der gegenwärtig größten Unternehmenszentralen weltweit in München planen und bauen lassen, mit Platz für 7000 Mitarbeiter, mit einem ganz neuen architektonischen Konzept für eine Unternehmenszentrale für die Wissensgesellschaft.
Eine Vision für Deutschland heißt für mich: Den mehrmaligen Exportweltmeister Deutschland für Industrieprodukte zum Wirtschaftsstandort Nummer eins für Zukunftstechnologien zu machen. „Researched and developed in Germany“ – also „erforscht und erfunden in Deutschland“ – muss an Stelle des Zusatzes „Made in Germany“ treten. Nicht die beste weltweite Werbekampagne, sondern dieser kleine Zusatz muss kaufentscheidend für deutsche High-Tech-Produkte werden.
Ich spreche von Produkten, in denen ein hoher Forschungs- und Entwicklungsanteil steckt: Von Halbleiterprodukten, die Wachstumstreiber für nahezu alle anderen Branchen sind. Die Produkte der Branchen, in denen wir Spitze waren, Autoindustrie, Maschinenbau als Beispiele, die klassischen deutschen Produkte, sind von Computing-Funktionen durchzogen. Deren Weiterentwicklung basiert auf den Produkten der High-Tech-Industrie. Diese Branchen hängen damit inzwischen in ganz hohem Maße von der High-Tech-Industrie ab.
Die in Zukunft immer mehr diskutierte Arbeitsteilung der Staaten zwischen – wie der amerikanische Wissenschaftler Richard Rosecrance es formuliert – Kopf- und Körperstaaten, zwischen forschenden und produzierenden Staaten, wird auch für Deutschland relevant werden. Wir müssen – und da sind wir uns hoffentlich alle einig – ein Kopfstaat werden. Wir können nicht ein Standort für die Produktion von in anderen Ländern entwickelten Gütern werden. Deswegen muss aus „Made in Germany“ „Researched and developed in Germany“ werden.
Was brauchen wir dafür? Eine zukunftsgerichtete Standortpolitik, ein wettbewerbsfähiges Bildungs- und Ausbildungssystem, ein wettbewerbsfähiges Sozialsystem und ein weltoffenes, zukunftsgerichtetes Denken
In unserem Land ist die Angst zu groß, Veränderungen zuzulassen, zu erlauben, dass Bestehendes in Frage gestellt wird. Die Bundesregierung wollte mit den Greencardlern Wettbewerb in unser Land holen. Wettbewerb in Deutschland ist ein Wort, das man gerne in den Mund nimmt. Doch gibt es in Deutschland wirklich Wettbewerb?
Wir versuchen, Wettbewerb zu initiieren. Wir wollen ihn gerade auch in den geistigen Bereich, also in die Hochschulen und Schulen, hineinholen. Doch wenn dort tatsächlich Wettbewerb stattfindet, wird er als unmenschlich abqualifiziert. Warum? Selbst im Fußball gibt es Sieger und Verlierer. Ist das unmenschlich?
Nein. Aber die Form von Wettbewerb, die wir im Sport als natürlich und gerade spannend ansehen, verneinen und vermeiden wir im Berufsleben – und erst recht in den Bereichen, die von der Arbeit mit dem Kopf bestimmt werden. Wir übersehen dabei nur eines gerne: Der weltweite Wettbewerb fragt nicht danach, ob wir Deutschen ihn vielleicht unmenschlich finden.
Wir hatten einmal das Alleinstellungsmerkmal für Deutschland „Land der Dichter und Denker“. Das war ein Hinweis, dass in Deutschland Arbeiten mit dem Kopf weltweit konkurrenzfähig war. Wir sind dort nicht mehr konkurrenzfähig. Zum einen, weil Wissen auf einmal weltweit zugänglich ist und weil Wissen von allen Ländern übernommen und weiterentwickelt wurde. Und zum anderen, und das wiegt heute viel schwerer, weil wir verpasst haben, dass „Dichten und Denken“ seine Priorität abgeben musste an „Erforschen, Erfinden und Entwickeln“. Weil wir verdrängt haben, dass mit der immer weiteren Technologisierung der Schwerpunkt der geistigen Arbeit in den meisten Ländern auf Naturwissenschaft und Technik verschoben wurde und in Deutschland schon längst hätte verschoben werden müssen.
Wir brauchen außerdem ein wettbewerbsfähiges Sozialsystem. Wir können stolz sein, dass wir einmal eine weltweit beispielhafte soziale Marktwirtschaft etabliert haben. Aber wir brauchen ein gesundes Gleichgewicht zwischen sozial und Marktwirtschaft.
Viele meiner Kollegen im Ausland sprechen mich manchmal mit einer gewissen Verwunderung darauf an, dass es doch nur in Deutschland die Einstellung gäbe, dass das Zwingen zur Arbeit unsozial sei. Was sollen Sie einem solchen Kollegen antworten?
Wir rufen überall nach mehr Selbstverantwortung und mehr Transparenz. In unserem Unternehmen sprechen wir davon, dass jeder Mitarbeiter sich als Unternehmer verstehen soll. Ich selber verstehe Investition in unsere Mitarbeiter als Finanzierung von ungewollt gemachten Fehlern, damit diese Fehler später nicht mehr gemacht werden. Das ist ebenso existenziell für ein intelligentes, lernendes Unternehmen wie das „life-long learning“.
In unserem Sozialsystem suchen wir dagegen die höchstmögliche Absicherung mit geringster Eigenverantwortung des Einzelnen – es sei denn, Sie sind selbständiger Unternehmer. Dann fallen Sie aus der sozialen Sicherung.
Die Ergebnisse der Initiative D21 haben gezeigt, dass Deutschland die Fähigkeit hat, durch Zusammenarbeit aller schnell Änderungen anzustoßen. Ich hoffe, wir können mit einer ebensolchen Zusammenarbeit und mit gleicher Intensität die Vision Deutschlands vom Wirtschaftsstandort Nr. 1 verwirklichen. Für High-Tech-Produkte muss weltweit ausschlaggebend sein: „Researched and developed in Germany“, „Erforscht und Erfunden in Deutschland“. ULRICH SCHUMACHER
Rede komplett unter:

http://www.infineon.com/ceo-zvei

Von Ulrich Schumacher

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