Bildung 01.02.2002, 17:32 Uhr

Europas Marktplatz für Bildungstechnologie

Als die Messe „Learntec“ 1992 an den Start ging, war E-Learning nur Insidern ein Begriff. Inzwischen haben sich Messe und Fachkongress zur „europäischen Leitveranstaltung für Bildungs- und Informationstechnologie“ gemausert, wie Mitgründer Prof. Dr. Winfried Sommer mit Stolz erklärt.

VDI nachrichten: Die E-Learning-Euphorie ist, folgt man aktuellen Studien, einer differenzierteren Betrachtung gewichen. Teilen Sie diese Ansicht?

Sommer: Ohne Wenn und Aber. Wir hatten in Deutschland eine Phase, in der das technologiebasierte Lernen unterschätzt wurde, anschließend einen Zeitraum, in dem alle Beteiligten große Hoffnungen und Erwartungen hatten, also die Phase der Euphorie. Inzwischen ist bezüglich der Nutzbarmachung als auch der Markterwartungen eine Abkühlung eingetreten.

VDI nachrichten: Hat sich in der jungen Branche die Spreu vom Weizen getrennt?

Sommer: Es sind leider auch eine ganze Reihe guter Firmen mit guten Produkten vom Markt verschwunden, sei es, weil sie nicht die nötige Ausdauer oder die finanzielle Ausstattung hatten. Die Marktbereinigung ist aber nicht allein auf Firmenzusammenbrüche zurückzuführen, sondern auch auf Fusionen oder den Rückzug großer Unternehmen, die nicht die erhofften Rendite erzielten. Obwohl die Fülle an Produkten und Firmen geschrumpft ist, gibt es immer wieder neue Unternehmen, deren Innovationen so belebend sind.

VDI nachrichten: Gab es zu wenige gute Produkte?

Sommer: Das glaube ich nicht. Man hat die Dauer unterschätzt, um eine solche Technologie in die Bildung, die traditionell sehr technikdistanziert ist, einbinden zu können. Diese Koppelung von Technologie und Bildung ist in den USA schneller und problemloser vonstatten gegangen als in Europa, wo wir eine vollkommen andere Lern- und Unternehmenskultur haben. Dieser Veränderungsprozess ist ein Generationenprozess. Dabei muss ich gestehen, dass wir das Lernen mit modernen Medien zu lange vernachlässigt haben.

VDI nachrichten: Sowohl Anbieter als auch anwendende Firmen erhalten in den Studien keine guten Noten; Stichworte seien mangelnde Qualität, geringe Einbindung in konventionelle Lernmethoden sowie geringe Investitionsbereitschaft der weiter bildenden Firmen.

Sommer: Zum Punkt „Einbindung in konventionelle Lehrmethoden“: Es macht keinen Sinn, wenn E-Learning als isolierte Lerneinheit steht es ist am wirkungsvollsten, wenn es in einen Mix von Verfahren eingebettet ist. Die mangelnde Qualität und die geringe Investitionsbereitschaft basieren auf dem Glauben vieler Anbieter und Anwender, mit E-Learning erhebliche Kosten in der Weiterbildung sparen zu können. Man sollte nicht unterschätzen, dass Entwicklung und Einrichtung dieser Programme enorme Summen verschlingen, und es dauert, bis sich die Investitionen rentieren.

VDI nachrichten: Stehen kleine und mittlere Unternehmen dem E-Learning immer noch vergleichsweise zurückhaltend gegenüber?

Sommer: Das Problem liegt für KMU nicht in der Finanzierung, sondern in den entsprechenden, auf diese Firmen zugeschnittenen Angeboten sowie in der optimalen Integration solcher Verfahren in laufende Arbeitsprozesse. In diesem Jahr wollen wir auf der Messe daher verstärkt das Handwerk für E-Learning sensibilisieren.

VDI nachrichten: Wie sehr haben sich im Laufe von zehn Jahren die Bildungsinhalte gewandelt?

Sommer: Stand zunächst die Vermittlung von Faktenwissen im Vordergrund, wuchs in den vergangenen Jahren der Wunsch nach zusätzlichen Inhalten, wie etwa nach Soft skills, wobei ich hier insbesondere an interkulturelle Kompetenz und Sprachen denke.

VDI nachrichten: Ist es gelungen, die Hochschulen als Wissenslieferant auf breiter Ebene zu begeistern?

Sommer: Die Hochschulen haben sich aus ihrem Elfenbeiturm herausbegeben. Es gibt kein Bundesland, keine Universität, die sich nicht dem Bereich des virtuellen Lernens geöffnet hat. Wir haben diese Entwicklung durch das „Forum Hochschule-Wirtschaft“ voran getrieben, um für gegenseitige Befruchtung zu sorgen. Um im internationalen Bildungswettbewerb mitzuhalten, ist diese Kooperation für deutsche Hochschulen unumgänglich.

VDI nachrichten: Welche Branchen zeigen sich E-Learn-Angeboten besonders aufgeschlossen?

Sommer: Banken und Versicherungen sind hier vor allen anderen zu nennen. Einige haben bereits ihre eigenen virtuellen Akademien eingerichtet. Klassische Branchen wie die Automobilindustrie stehen dieser Entwicklung aber nicht wesentlich nach. Die kurzen Zyklen der Produktwechsel und die immense Vielfalt der Produkte lassen sich in ihrer Komplexität mit klassischer Schulung allein nicht mehr erfassen. Aber gleich, welche Branche: Es sind vor allem die jüngeren Mitarbeiter, die E-Learning nutzen.

VDI nachrichten: Gibt es ein Gütesiegel für E-Learn-Angebote?

Sommer: Zurzeit noch nicht. Es stehen jedoch von verschiedenen Seiten Qualitätskriterien zur Diskussion, so etwa von der Stiftung Warentest. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn hat mit einigen großen Projekten wie „Neue Medien in der Bildung“ die staatliche Möglichkeit geschaffen, auf solche Qualitätskriterien Einfluss zu nehmen. WOLFGANG SCHMITZ

Prof. Dr. Winfried Sommer lehrt an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe Soziologie/Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Bildungsforschung. Gemeinsam mit Prof. Dr. Uwe Beck ist er wissenschaftlicher Leiter der Learntec-Kongresse.

Die Learntec

Karlsruher Jubiläumstage

Zur zehnten Auflage der E-Learning-Messe Learntec, der ein Fachkongress angeschlossen ist, finden sich vom 5. bis 8. Februar rund 250 nationale und internationale Aussteller auf dem Karlsruher Kongress- und Ausstellungszentrums ein. Die Learntec startet am Dienstag mit dem Bildungskongress der Initiative D21. Das zweitägige „Global Forum on learning Technology“ und die damit einhergehende Kooperation mit der Unesco verdeutlichen die internationale Ausrichtung. Weitere Programm-Schwerpunkte sind das „Forum Hochschule-Wirtschaft“, „E-Learning im Handwerk“ sowie der „Wettbewerb Multimedia-Transfer“. ws

www.learntec.de

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