Bildung

„Es fehlt Vertrauen in die Stärke des eigenen Landes“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 2. 07, ws – Deutschland braucht sich vor der internationalen Konkurrenz nicht zu verstecken. In einigen Schlüsseltechnologien nehme das Land eine Spitzenstellung ein, nicht zuletzt aufgrund der engen Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft, meint Josef A. Nossek. Der neue Präsident des VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) erläutert im Gespräch mit den VDI nachrichten aber auch, wo der Schuh drückt. Der Wegzug junger Wissenschaftler sei eines der markantesten Probleme.

Nossek: Der Führungswechsel bedeutet sicher keine neue Ausrichtung des Verbandes. Er ist eher ein Hinweis auf die breite Aufstellung des VDE. Natürlich werde ich mich als Hochschullehrer bei dieser Aufgabe besonders für die Wissenschaft, die Nachwuchsförderung und für die Entwicklung der Bildungsplattform VDE mit ihrem hohen Renommee engagieren. Ich habe es mir jedoch zur Aufgabe gemacht, den engen Bezug zur Anwendung und damit zur Wirtschaft nicht zu vernachlässigen. Denn praktische Anwendung und wissenschaftliche Theorie sind ja keine Gegensätze, sondern sind eng miteinander verbunden und befruchten sich gegenseitig.

VDI nachrichten: Wie sieht das Konzept des VDE für ein gutes Ingenieurstudium aus?

Nossek: Alle großen Unternehmen sind heute global aufgestellt. Entsprechend international gestaltet sich der Wettbewerb sowohl der Ingenieure um die besten Arbeitsplätze als auch der Unternehmen um die besten Ingenieure. Vor diesem Hintergrund und wegen des Gewinns an Internationalität und Flexibilität unterstützt der VDE die Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge. Zugleich plädieren wir aber für die Beibehaltung eines einstufigen Studiengangs bis zum Master, so wie dies seit vielen Jahren auch an US-Spitzenuniversitäten praktiziert wird.

VDI nachrichten: Und wie stehen Sie zum Titel des Diplom-Ingenieurs?

Nossek: In der Umsetzung des Bologna-Prozesses wird an den Hochschulen die zweistufige Ausbildung eingeführt, die nach sechs bis acht Semestern zum Bachelor, nach weiteren zwei bis vier Semestern zum Master führt. In diesem Zusammenhang soll der „Dipl.-Ing.“ als Abschlusstitel des akademischen Vollstudiums entfallen. Das ist bedauerlich, denn auch international hat sich der Dipl.-Ing. als deutsches Markenzeichen etabliert. Viel wichtiger ist aber, dass sich die Hochschulen im Rahmen des Bologna-Prozesses ihr hohes Ausbildungsniveau und die differenzierte Profilierung auch für die neuen Studiengänge erhalten und weiterentwickeln. Laut VDE-Hochschulstudie sieht das eine große Mehrheit der Mitglieder ebenso. Zumindest sollte es die Möglichkeit geben, den Titel Dipl.-Ing. beizubehalten.

VDI nachrichten: Vereine sind für viele Jüngere oft „uncool“. Wie sieht das beim VDE aus, gibt es Nachwuchssorgen?

Nossek: Im VDE haben wir seit einigen Jahren einen Zuwachs und inzwischen deutlich über 7000 Studenten. Mit dem „VDE YoungNet“ haben wir ein aktives Netzwerk für Studierende und Young Professionals. Natürlich haben wir in Deutschland Sorgen, ausreichend Nachwuchs für die Wirtschaft und zunehmend auch für die Wissenschaft in der Elektro- und Informationstechnik zu bekommen. Die Schere zwischen Ingenieur-Nachfrage und Angebot wird immer größer: Das jüngste VDE-Jobbarometer verzeichnet im Jahresvergleich eine Zunahme der Online-Stellenangebote um rund 25 %. 80 % der Unternehmen halten die beruflichen Perspektiven von Elektroingenieuren für besser als die von Betriebswirten und Jura-Absolventen. Allerdings fürchtet ein Drittel der Firmen, künftig den Bedarf nicht mehr decken zu können. Das nächste Problem – „Tschüss Deutschland“ – zeichnet sich bereits ab. Eine Abwanderung von Experten ins Ausland spüren nach VDE-Umfrage 7 % der Unternehmen, 41 % erwarten aber eine Zunahme bis 2010.

VDI nachrichten: Was sind die entscheidenden Schlüsseltechnologien in den nächsten Jahren und welche Rolle spielt dabei die Elektrotechnik?

Nossek: Laut unseren eigenen Befragungen unter den Ingenieuren bieten die Mikro- und Nanotechnologien das höchste Innovationspotenzial, gefolgt von der Energie- und Informationstechnologie sowie den Life Sciences. Insbesondere die Energietechnik steht angesichts der weltweiten CO2-Problematik vor großen Herausforderungen. Andere Experten halten aufgrund der Bevölkerungsentwicklung die Gesundheitstechnologien für die wichtigste langfristige Zukunftsbranche. Alle diese Technologiebereiche sind wiederum gekennzeichnet vom steigenden Einsatz der auf Elektrotechnik basierenden Informations- und Telekommunikationstechniken. So ist der eine vom anderen Bereich gar nicht zu trennen.

VDI nachrichten: Für wie innovativ halten Sie Deutschland?

Nossek: Für sehr innovativ. Wir nehmen im internationalen Vergleich eine führende Position in der Elektro-, Energie- und Medizintechnik, der Automation, sowie Mikro- und Nanotechnik ein. Ein Standortvorteil ist die enge Vernetzung zwischen Industrie und Hochschulen. Dies bestätigen unsere Mitgliedsunternehmen. Das Innovationspotenzial und auch das qualifizierte Personal sind vorhanden.

Woran es uns allerdings fehlt, ist Vertrauen in die Stärke des eigenen Landes und die Aufbruchstimmung, die Deutschland zum Beispiel in den 50er Jahren nach oben gebracht hat. Wir haben letztes Jahr in einer repräsentativen VDE-Studie zur Technikakzeptanz in Deutschland zur Kenntnis nehmen müssen, dass lediglich 5 % aller Befragten Deutschland die höchste Innovationskraft in den Zukunftstechnologien zusprechen. Andere Länder wie Japan, China und Südostasien oder auch die USA liegen in der Einschätzung der Befragten dagegen ganz vorne.

VDI nachrichten: Welche Stellung nimmt der VDE gegenüber Wirtschaft und Politik ein?

Nossek: Für Unternehmen ist es heute wichtiger denn je, im internationalen Wettbewerb schneller und besser zu sein. Hält man sich vor Augen, dass unser einziger Exportschlager letztlich das Ingenieurwissen ist, dann wird die Rolle des VDE gegenüber Politik und Wirtschaft schnell klar: Die Pflege und Entwicklung unseres Know-how ist von entscheidender Bedeutung für die Zukunft unserer Gesellschaft und damit ein ungeheuer wichtiger Auftrag, an uns wie auch an Politik und Wirtschaft. Das gilt gleichermaßen für den Technologietransfer, also die Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte. Die Herausforderung besteht darin, anwendungsnahe F&E-Projekte zu fördern, ohne die Grundlagenforschung zu vernachlässigen. Als geeignete Instrumente sehen wir hierfür Netzwerke, Zukunftsinitiativen und Förderprogramme an.

GEORG STANOSSEK

Von Georg Stanossek

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