Interview

Elitenförderung ein Schwerpunkt in der Bildungspolitik 

„Die Frage ist doch letztlich immer folgende: Wo entsteht Wachstum?“

Schavan: Die Vorstellung, dass alles besser wird, wenn der Bund in die Bildungspolitik eingreift, ist falsch. Die Pisa-Studien zeigen, dass Bewegung in die Schulen gekommen ist. Das trifft auch für die Hochschulen zu. Der Schwerpunkt der Bundespolitik liegt deshalb auf Forschung und Technologie. Bei der Bildung kann der Bund subsidiär tätig werden. Bei der beruflichen Bildung liegt die Initiative beim Bund.

VDI nachrichten: Wo könnte sich der Bund in Bildungsfragen einmischen?

Schavan: Wir müssen jetzt erst einmal das Klima zwischen Bund und Ländern verbessern. Und in der beruflichen Bildung steckt enormer Modernisierungsbedarf.

VDI nachrichten: Was sollten Bund und Länder gemeinsam angehen?

Schavan: Was wir vor allem brauchen, ist eine Verständigung über strategische Ziele: Wo wollen wir in Deutschland in den nächsten zehn Jahren hin? Auch in Sachen Bildungsforschung hat der Bund eine Aufgabe, etwa in der Frage, wie wir die Qualität der Bildungsangebote steigern können.

VDI nachrichten: Anderseits sieht man in den Ländern deutlich den Trend zur Selbstständigkeit der Bildungssysteme.

Schavan: In meinen Augen sind Selbstständigkeit und das Wissen über die sich ändernden Standards der Bildungssysteme der Schlüssel zum Erfolg.

VDI nachrichten: Wäre auch Elitenförderung eine Aufgabe des Bundes ?

Schavan: Elitenförderung wird ganz klar ein Schwerpunkt zukünftiger Forschungs- und Bildungspolitik sein. Da sind alle gefragt. Wir werden die Arbeit der Begabtenförderungseinrichtungen verstärken. Auch Bund und Länder können zusammenarbeiten wie in der Exzellenzinitiative. Schließlich müssen wir uns fragen, welche Impulse der Bund noch geben kann.

VDI nachrichten: Andererseits geht es ja nicht nur um Klasse sondern auch um Masse: In den Ingenieurfächern gehen die Studentenzahlen zurück.

Schavan: Wir haben in Deutschland die technische Bildung in den frühen Jahren vernachlässigt, das ist sicher einer der Gründe. Wenn wir in der Schule die technische Bildung besser anlegen, steigt auch die Zahl der Ingenieurstudenten wieder.

VDI nachrichten: Wäre die Einführung eines Fachs “Naturwissenschaften“ anstelle der Einzelfächer Biologie, Physik und Chemie ein Ansatz?

Schavan: Das setzt eine solide naturwissenschaftliche Bildung voraus. Es scheint mir richtiger, ein Fach Naturwissenschaften nicht in den ersten Schuljahren sondern erst später einzuführen. Die Grundlagen müssen erst einmal gelegt sein. Aber das ist Aufgabe der Länderpolitik.

VDI nachrichten: Was halten Sie von der Idee, Ingenieure an Schulen unterrichten zu lassen?

Schavan: Warum nicht? Wir brauchen gute Leute. Auf allen Ebenen.

VDI nachrichten: Ist es da nicht bedauerlich, dass wir im Rahmen des Bologna-Prozesses gerade international so anerkannte Titel wie den Dipl.-Ing über Bord werfen?

Schavan: Der Bologna-Prozess will ja nur die Vergleichbarkeit europäischer Hochschulabschlüsse. Aber wir können ja trotzdem unsere nationalen Stärken einbringen. Die Qualitätsmarke Dipl.-Ing. kann auch innerhalb des Bologna-Prozesses erhalten bleiben.

VDI nachrichten: Wenn vor allem die Förderung von Forschung und Technologie Sache des Bundes ist, worauf sollte er sich vor allem konzentrieren?

Schavan: Auf den Abbau von Bürokratie. Es kann nicht angehen, dass Wissenschaftler, die erfolgreich Drittmittel einwerben, in Bürokratie ersticken. Wir müssen die Strukturen so ändern, dass wir Anschluss an die internationale Forschungspolitik finden.

VDI nachrichten: Gut 1 Mrd. € jährlich will eine CDU-geführte Regierung zusätzlich in die Forschung pumpen. Kann die dabei helfen?

Schavan: Mit dieser Milliarde soll in Deutschland die Vollkostenförderung allmählich eingeführt werden. Wenn also ein Universitätsprofessor einen Drittmittelantrag bewilligt bekommt, dann sollen durch diese zusätzlichen Fördermittel die Belastungen abgefedert werden, die der Uni durch die Drittmittelförderung und den vermehrten bürokratischen Aufwand entstehen. Das gibt es bereits in vielen europäischen Ländern. Deutsche Forscher wären damit in einer international vergleichbaren Position.

VDI nachrichten: Damit ist noch nicht gesagt, welche Forschungsbereiche Sie stärker fördern wollen.

Schavan: Das kann auch die Politik nicht allein entscheiden. So etwas muss im Dialog mit der Wissenschaft beschlossen werden. Die Politik darf nicht die Schwerpunkte setzen.

VDI nachrichten: Sie wollen aber die Kerntechnik wieder nach vorn bringen. Werden Sie auch die kerntechnische Forschung wieder hochfahren?

Schavan: Das ist die Konsequenz. Mit der Entscheidung für den Ausstieg aus der Kerntechnik ist auch die Forschung heruntergefahren worden, und das an einem Standort, der so hohe Strompreise hat wie unserer.

VDI-nachrichten: Und wie sieht es mit der grünen Gentechnik aus?

Schavan: Auch hier werden wir überprüfen, ob das gegenwärtige Regelwerk sinnvoll ist oder ob nicht mehr Freiraum möglich ist.

VDI nachrichten: Ist nicht auch mehr Freiraum bei der Stammzellenforschung notwendig?

Schavan: Das glaube ich nicht. Der Bundestag hat in einer eindrucksvollen Debatte seine Position klar gemacht. Der deutsche Weg war sehr bewusst gewählt. Daran sollte keine Regierung rütteln.

VDI nachrichten: Die Politik macht auch finanzielle Vorgaben. So wird den großen Forschungseinrichtungen wie Max-Planck-Gesellschaft oder Helmholtz-Gemeinschaft ein jährlicher Haushaltszuwachs von 3 % vom Bundeskanzler garantiert. Werden Sie diese Garantie überprüfen?

Schavan: Solche exklusiven Zusagen sind immer ein Problem. Wir müssen alles dransetzen, dass die universitäre Forschung gegenüber den außeruniversitären Forschungseinrichtungen nicht ins Hintertreffen gerät. Generell gilt: Wir müssen die 3 % Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Bruttoinlandprodukt schaffen.

VDI nachrichten: Ins Hintertreffen geraten ist ja auch, so die Betroffenen, die Forschungs- und Innovationsförderung mittelständischer Unternehmen.

Schavan: Die Förderung des innovativen Mittelstands gehört wieder zurück ins Forschungsministerium. Die Forschungsförderung sollte in einer Hand liegen, von der universitären Forschung bis in die Industrie. Die Frage ist doch letztlich immer folgende: Wo entstehen Wachstum und neue Arbeitsplätze? Forschungs- und Technologiepolitik dient auch diesem Ziel. Und nur wenn sie aus einer Hand kommt, kann ich sie auch optimal einsetzen.

Von W. Mock/W. Schmitz

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