Bildung

Die wachsende Lust auf andere Lernkulturen  

Internationale Weiterbildungs-Kooperationen zwischen Hochschulen werden einfacher und die ersten positiven Muster, wie sich die Bologna-Generation weiterbildet, zeichnen sich ab.

Sie kommen aus einer der quirligsten und außergewöhnlichsten Metropolen der Welt und gehören zur akademischen Nachwuchselite Chinas: Studierende der East China University of Science and Technology (Ecust) in Schanghai machen an der Fachhochschule Lübeck (FHL) einen Doppelabschluss Dipl.-FHL/BA-Ecust in „Environmental Engineering“.

Die Kooperation begann vor dem Bologna-Prozess. „Vor etwa sieben Jahren kam die Ecust mit dem Wunsch zu uns, ein Lehrangebot für chinesische Studierende zu entwickeln“, berichtet Prof. Joachim Litz, Prorektor der FH Lübeck und Projektleiter des vom DAAD geförderten deutsch-chinesischen Studienmodells. 2004 wurde das Sino-German College in Schanghai eingeweiht. Bald steht auch das Weiterbildungs-Angebot: ein zweijähriges Master-Studienprogramm und bald werden auch deutsche Studierende im Rahmen dieser Programme nach China reisen.

Der Bologna-Prozess allein generiert nicht unbedingt Hochschul-Kooperationen. Aktive Hochschulen aber profitieren davon, wie auch die FH Ludwigshafen beweist: Seit 1995 bietet sie den MBA „International Management Consulting“. Bevor sie im Zuge von Bologna selbst die Akkreditierung des Studiengangs beantragen konnte, benötigte sie dazu die englische University of Lincoln.

Heute unterhält sie weltweit eigenständige MBA-Partnerschaften, etwa mit dem ehrwürdigen indischen Management-Institut IISWBM in Kalkutta. Und mit der Uni Lincoln entwirft sie für die besten MBA-Absolventen ein gemeinsames Doktoranden-Programm.

Mehrheitlich wachsen diese Kooperationen aus langjährigen Kontakten, oft intensiviert durch gemeinsame Forschungsprojekte. Insofern bringen Initiativen wie das Forschungsrahmenprogramm der EU, das auf Forschungs-Allianzen pocht, mehr Mobilität und Durchlässigkeit in die Hochschulen als der Bologna-Prozess.

Auf die Mobilität der Studierenden allerdings wirkt Bologna bereits als Katalysator. 10 % der Universitäts- und 7 % der FH-Absolventen mit einem Bachelor studieren im Ausland weiter, wie das Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover entdeckte: „Vor allem Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure nutzen den Bachelorabschluss, um sich damit ein weiteres Studium im Ausland zu ermöglichen.“ Die Lust auf andere Lernkulturen werde durch positive Auslandserfahrungen geschürt, die im Rahmen eines Bachelor-Studiums, etwa durch ein Auslandspraktikum, gemacht werden.

Eine neue „Inlandsmobilität“ nutzen vor allem FH-Absolventen: Jeder fünfte beginnt nach dem Bachelor an einer Universität ein Master-Studium. Der Weg zwischen FH und Universität ist offensichtlich durchlässiger als jener zwischen den Universitäten: Wenn Universitätsabsolventen weiterstudieren, bleiben sie ihrer Hochschule meist treu. Möglicherweise verstehen sie den Bachelor (noch) nicht als vollwertigen und endgültigen Abschluss.

An Technischen Hochschulen gilt ein Bachelor-Studium ohnehin als eine Art Grundstudium, das erst mit dem Master beendet ist. Die Motive für ein Master-Studium jedenfalls sind geprägt durch persönliche Weiterbildungsinteressen, ausgeprägte fachliche Neigungen und den Wunsch, mit der Zusatz-Qualifikation die beruflichen Chancen zu verbessern. HIS interpretiert diese Motivationsstruktur als relativ „stabil und überdauernd“.

Scheinbar besitzt der Bachelor aber nicht nur bei Universitätsabsolventen, sondern auch bei ihren potenziellen Arbeitgebern wenig Selbstverständnis und Geltung. Universitätsabsolventen, die „nur“ mit einem Bachelor-Abschluss ins Erwerbsleben gehen, steigen – wohl der Not gehorchend – häufig mit mehreren Praktika ein. FH-Absolventen dagegen finden mit dem Bachelor eher ihr Kompetenzprofil auf dem Arbeitsmarkt jedenfalls gehören sie seltener zur „Generation Praktika“.

Entsprechend steigen 77 % der Universitäts-, aber nur 55 % der FH-Absolventen direkt nach dem Bachelor in ein weiteres Studium ein Universitätsabsolventen satteln oft auch auf ein „traditionelles“ Studium um. „Vor allem Informatiker und Ingenieure universitärer Bachelor-Studiengänge wechseln vergleichsweise häufig nicht in ein Master-Studium, sondern streben andere Abschlüsse an“, so das HIS.

Noch sucht die erste Bachelor-Generation ihre Zukunft. Und noch kämpft sie mit den Unwegsamkeiten der Pioniere. HIS sieht dennoch einen positiven Trend zu mehr Mobilität und Durchlässigkeit, die der Bologna-Prozess bewirkte.

Vielleicht werden künftig Bachelorabsolventen, wie in den USA üblich, vermehrt erst nach einigen Berufsjahren den Master – berufsbegleitend – angehen. Denn mit dem Bachelor als Regelabschluss wird der Zugang zum Master-Studium erschwert, die Studiengebühren für den Master wohl erhöht und Bafög-Zahlungen entfallen.

Ein positives Ergebnis hält HIS auch für die vielen Fans anglo-amerikanischer Hochschulen bereit: Anders als viele Bologna-Gegner prophezeiten, treffen deutsche Bachelor-Absolventen an englischen und US-Universitäten auf „keine pauschale Zugangssperre“. RUTH KUNTZ-BRUNNER

 

 

Von Ruth Kuntz-Brunner
Von Ruth Kuntz-Brunner

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