Bildung

„Die haben einen Betrieb schon mal von innen gesehen“

Mit 66 Jahren fängt das Arbeitsleben nicht an. Für viele hört es schon mit 40 oder 50 auf – weil die Unternehmen sie nicht wollen. Fünf Monate lang büffelten Arbeitslose dieser Altersgruppe unter anderem Regelungs-, Mess- und Einspritztechnik, Mechatronik und Simulationstechnik. Sie haben es nicht bereut.

Über 20 Jahre arbeitete Wolfgang Fiebig bei der SKL Motoren- und Systemtechnik AG Magdeburg. Aber nach der Wende verlor in der Industriestadt der Maschinenbau immer mehr an Bedeutung. Von dem sukzessiven Mitarbeiter-Abbau war auch der Dieselmotorenbauer betroffen. Über 30 Bewerbungen hat der 50-Jährige geschrieben – genützt hatte es ihm nichts. Zwei Jahre war Fiebig arbeitslos, die Zukunftsaussichten ungewiss.Die Chancen, in seiner Heimat einen Arbeitsplatz zu finden, standen für ihn schlecht. Zu viele Ingenieure im Raum Magdeburg sind arbeitslos, zu wenig Unternehmen stellen noch ein. „Viele Firmen legen zudem eher Wert auf jüngere Mitarbeiter“, beschreibt Fiebig sein Dilemma. Aber er hatte Glück: Sein Anforderungsprofil passte in eine bundesweit einmalige Qualifizierungsmaßnahme, bei der das Arbeitsamt Magdeburg, die Otto-von-Guericke-Universität, der Weiterbildungsträger elop und die Robert Bosch GmbH eng zusammenarbeiten. Den Ausschlag gab das Stuttgarter Unternehmen, das dringend qualifizierte Ingenieure suchte. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren jährlich etwa 400 Ingenieure und Naturwissenschaftler eingestellt“, erläutert Bosch-Personalleiter Dieter Schernstein. „Auch in diesem und im kommenden Jahr haben wir einen Bedarf in der gleichen Größenordnung“, so Schernstein weiter, der einen engen Kontakt zu Professor Dr. Helmut Tschöke hat. Der Dekan der Fakultät für Maschinenbau der Otto-von-Guericke-Universität brachte das Projekt ins Rollen, stellte ein zielgerichtetes für die Wirtschaft passendes Ausbildungsprogramm auf die Beine und überzeugte damit auch das Arbeitsamt, das die Sachkosten in Höhe von 100 000 DM finanzierte. Wichtig für Tschöke war: „Die Arbeitslosen sollten auf jeden Fall in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden.“
1999 startete der Dekan zum ersten Mal mit zwölf arbeitslosen Ingenieuren, im vergangenen Jahr ist das Projekt mit zehn Teilnehmern fortgesetzt worden. „Bei den Teilnehmern habe ich anfangs nicht gedacht, dass das Projekt auch klappt“, erinnert sich Tschöke. Die Maschinenbauer, Physiker und auch Chemiker seien zum Teil aufgrund ihrer vorherigen Erfahrungen sehr frustriert gewesen.
Fünf Monate wurden die Teilnehmer im Alter von 40 bis über 50 Jahren theoretisch geschult – dazu zählte unter anderem Regelungs-, Mess- und Einspritztechnik, Mechatronik und Simulationstechnik. Ein kommunikativer Teil wie Methoden der Teamarbeit, Präsentation und Konfliktlösungen, zählten ebenfalls dazu. Vor der Festanstellung absolvierten die Kursteilnehmer zudem ein dreimonatiges Praktikum bei dem Stuttgarter Automobilzulieferer. „Die Männer sind nach der Qualifikation auf dem heutigen Stand der Technik und können schnell eingearbeitet werden“, stellt Tschöke die Vorteile heraus.
Der Dekan der Magdeburger Universität macht keinen Hehl daraus, dass die arbeitslosen Ingenieure ohne eine entsprechende Qualifizierungsmaßnahme keine Chance auf dem Arbeitsmarkt gehabt hätten. Nicht nur ihr Alter, auch die Unerfahrenheit bei Bewerbungen würde es ihnen schwer machen. „Die haben früher oft 30 oder 40 Jahre in einem Betrieb gearbeitet.“ In den Personalabteilungen würden sie durchfallen. „Ich bin skeptisch, ob wir bei Bosch diese Ingenieure ohne die vorherige Schulung eingestellt hätten“, untermauert Schernstein die Aussage von Tschöke. Dennoch findet das Projekt in diesem Jahr in Magdeburg aufgrund fehlender Kandidaten nicht statt. Das Projekt hat mittlerweile Schule gemacht. 17 Ingenieure werden in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit Bosch und Tschöke in Leipzig und fünf in Dresden qualifiziert. Ob diese Maßnahme weiterläuft, will das Stuttgarter Unternehmen Ende des Jahres entscheiden. 20 arbeitslose Ingenieure hat die Robert Bosch GmbH eingestellt – 15 davon aus dem Magdeburger Projekt. „Die haben wenigstens schon mal einen Betrieb von innen gesehen.“ Ihre Betriebserfahrung sei ihnen beim Einleben in der Firma zu Gute gekommen. Wolfgang Fiebig fühlt sich bei Bosch richtig wohl. Er arbeitet in der Fertigung. Sein Alter sei bei seinen Kollegen kein Thema gewesen. ANGELA SCHMID

Von Angela Schmid
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