Bildung

Deutsch lernen mit elektronischer Lehrerin  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 2. 08, sta – Die sich in Gründung befindende Gesellschaft für Linguistik, Phonetik und Kommunikation (LPK) entwickelt Puppen mit einer neuen Sprachtechnologie. Mit ihr sollen Kinder ihren Wortschatz erweitern. Denkbar ist auch, das interne System zur Erwachsenenbildung einzusetzen, etwa zum Erlernen einer Fremdsprache.

Bei der Einschulung hat jedes sechste deutsche Kind einen mangelhaften Wortschatz“, klagt William Borkenstein. „Bei Kindern von Migranten ist die Lage noch viel ernster.“ Das schmerzt den Herzogenauracher. Er liebt die Sprache. Kommunikation ist seine Welt. Lange Jahre war er in Marketing und Vertrieb tätig, u.a. bei Adidas und BMW. Er weiß: Kommunikation ist sowohl die Basis für ein berufliches Fortkommen als auch für ein friedliches Miteinander.

Es ist einer Mischung aus Zufall und Beharrlichkeit zu verdanken, dass sich Borkenstein künftig im eigenen Unternehmen um Spracherziehung kümmert. Den Stein ins Rollen brachte eine im Spielwarenhandel entdeckte Puppe mit etlichen Funktionen. Die Plastik-Figur macht beispielsweise Trink-Geräusche bei der Nutzung eines Fläschchens oder ein Bäuerchen, wenn man ihr auf den Rücken klopft. „In einer fortentwickelten Variante müsste sich so etwas doch auch für das Lernen einer Fremdsprache einsetzen lassen“, dachte sich der Visionär. Er berichtete einem befreundeten Inhaber eines Lernmittelvertriebs von seiner Idee und stieß dort auf Zustimmung. Doch je mehr er sich mit der konkreten Umsetzung befasste, desto mehr technische Fragen tauchten auf.

Eine Lösung brachte erst der Kontakt zu einem ostdeutschen Wissenschaftler, der sich seit Jahren schwerpunktmäßig mit Spracherkennung und sprechenden Maschinen beschäftigt. Unter anderem entwickelte der Experte ein System, das Schriftstücke verschiedener Sprachen „vorlesen“ und umgekehrt als Zuhörer die Aussprache von Menschen überprüfen kann.

Das Hightech-System soll künftig die Nutzer durch ein altersgerechtes Lernprogramm führen, um ihre sprachlichen Fertigkeiten spielerisch zu trainieren. Anhand von Sprachalgorithmen überprüft und korrigiert es die Aussprache, wo es nötig ist. Nach einigen Sitzungen mit einer Lehrkraft sollen Kind und System alleine lernen. „Unsere Puppe soll Erzieher ergänzen, wo 1:1-Betreuung kaum gewährleistet werden kann“, so Borkenstein. Etwa in Kindergärten oder Grundschulen, wo Kinder mit Sprachmängeln häufig aus Zeitgründen nicht die nötige Förderung bekämen. Auch spätere Einsätze in der Erwachsenenbildung seien denkbar – dann vielleicht als Vokabeln abfragender Haushaltsroboter.

Aktuell steht aber die Entwicklung der ersten Prototypen an. Die eigentliche Puppe kaufen die Gründer zu. Sie passen Hard- und Software an und kümmern sich zusammen mit einem Expertengremium um die Didaktik. Hier liegt laut Borkenstein die zentrale Herausforderung: „Die Didaktik entscheidet, ob unsere Puppe die Kinder tatsächlich erreicht und sie zum Lernen animiert.“

Die Entwicklung verschlingt viel Geld. Borkenstein geht insgesamt von einem mittleren sechsstelligen Betrag aus. Es wäre sicher noch weit mehr, wenn der Sprachtechnologie-Experte nicht seine Schutzrechte eingebracht hätte. Positiv auf die Finanzlage des Unternehmens wirkt sich außerdem aus, dass das Netzwerk-Nordbayern den Kontakt zu einem führenden Ausstatter von Kindergärten und Schulen vermittelt hat. Dieser wird den Vertrieb übernehmen und sich auch an der Entwicklung beteiligen.

Ein Großteil der Finanzierungslücke ist schon gestopft. Laut Borkenstein sind die Verhandlungen mit dem Hightech-Gründerfonds und der Beteiligungsgesellschaft Bayern Kapital weit gediehen. „Was uns noch fehlt ist ein Business Angel, der sich mit rund 75 000 € an unserem Unternehmen beteiligt und uns in der Start- und Markteinführungsphase mit seiner Erfahrung zur Seite steht.“

Was die Gründer dafür bieten? Einen potenziellen Markt von 45 000 Kindergärten und 51 000 Schulen, in denen sich die Problematik mangelnden Spracherwerbs von Kindern zuspitzt. „Wenn alles klappt, wie wir es uns vorstellen, ist schon 2009 mit nennenswertem Umsatz zu rechnen.“ Ab 2010 soll die LPK laut Geschäftsplan die Gewinnzone erreichen. P. TRECHOW/sta

Kontakt zu LPK: 09132/630219 (Hr. Borkenstein)

  • Peter Trechow

  • Stefan Asche

    Stefan Asche

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: 3-D-Druck/Additive Fertigung, Konstruktion/Engineering, Logistik, Werkzeugmaschinen, Laser

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