Bildung

Der Reformwille einigt alle Lager

In Berlin feierten Gäste aus allen Teilen der Gesellschaft die Empfehlungen des „Forum Bildung“ als gelungenen Ansatz für Reformen. Erst die Umsetzung wird dem Projekt aber den praktischen Tiefgang verleihen.

Ein Anfang ist gemacht. Glaubt man all jenen, die an den zwölf Empfehlungen des „Forum Bildung“ mitgearbeitet haben, steht Deutschland eine bildungspolitische Radikalkur bevor. Getragen werden muss ein solcher Reformwille von der Solidarität aller Gesellschaftsgruppen. Viel versprechend ist, dass auf dem Abschlusskongress stets von „einer neuen Kultur der Zusammenarbeit“ die Rede war. Ein Signal, dass offenbar mehr ist als ein Slogan. Die Theorie bleibt jedoch grau, wenn sie sich nicht alsbald mit Leben füllen lässt. Dr. Eva-Maria Stange von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fasste zusammen, was viele spätestens nach Bekanntwerden der Pisa-Studie gedacht haben mögen: „Wenn es jetzt nicht gelingt, an einen Tisch zu kommen, ist für viele Jahre eine große Chance verspielt.&ldquo

Trotz der deutlich spürbaren Aufbruchstimmung liegt mehr als nur ein Hauch Skepsis über den Ergebnissen des Forums, das sich vor zwei Jahren unter Mitwirkung von Bund, Ländern, Sozialpartnern, Wissenschaft und Kirchen zusammengefunden hatte, um die „Qualität und Zukunftsfähigkeit unseres Bildungssystems“ zu sichern. Zum einen haben die Empfehlungen zwar den Vorteil, durch ihre weit auslegbaren Inhalte viel Spielraum bei der Umsetzung zu lassen, zum anderen ist dies neben der Unverbindlichkeit, die Empfehlungen nun einmal kennzeichnen, auch ihr großer Nachteil. Der verfassungsrechtliche Leitgedanke, in einem föderalen System regionalen Eigenheiten große Entfaltungsmöglichkeiten einzuräumen und den Bund mit geringer Machtfülle auszustatten, darf jetzt nicht als Ausrede für ständige bildungspolitische Alleingänge der Länder herhalten. Was für Hochschulen gilt, sollte auch für Schulen bindend sein: Eigene Profile und Wettbewerb tun not, sollten aber mit Kooperation einhergehen. „Für ideologische Grabenkämpfe“ sei weder Zeit noch Raum, mahnt Bayerns christsozialer Wissenschaftsminister Hans Zehetmair, der gemeinsam mit der sozialdemokratischen Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn Vorsitzender des Forums ist. Die Ausgangslage für die Umsetzung eines nationalen Bildungsplans ist günstig, denn selten war die Harmonie unter den zuständigen Landespolitikern so groß wie zurzeit. Der große gedankliche Sprung transnationaler Bildungskooperationen, den manche im Globalisierungsrausch hegen, scheint hingegen verfrüht.

Bildungsexperten wie Jürgen Zöllner, Wissenschaftsminister in Rheinland-Pfalz, warnen zu Recht davor, nach Pisa in Hysterie zu verfallen. Besonnenheit darf aber nicht den Blick auf die Messlatte trüben. Denn die liegt hoch. „Ein Land mit der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Deutschlands gehört in die internationale Spitzengruppe der Bildungsnationen“, meint daher Edelgard Bulmahn.

Neben einer intensiveren Förderung in Kindergärten und Grundschulen weisen die Empfehlungen vor allem auf eine flächendeckende Ausweitung der Ganztagsschulen hin. Diese Schulform ermögliche nicht nur eine stärkere Betonung der Elite- und Breitenförderung, sie sei auch ein hervorragendes Instrument zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ein Argument, das auch Eva-Maria Stange aufgreift: „Die Wirtschaft verlangt, dass ihre Mitarbeiter in jeglicher Hinsicht flexibel und mobil sind. Es ist allgemein viel zu spät erkannt worden, dass Arbeits- und Erziehungswelt sich rapide verändert haben.“ Konzepte wie die Ganztagsschulen nähmen sich dieser Problematik an. Die mangelnde Präsenz von Frauen in Führungspositionen von Wissenschaften und Wirtschaft ist eine Folge dieser verschlafenen Entwicklung.

In puncto Ganztagsschulen herrscht im Forum Einigkeit. Diskussionsbedarf besteht offenbar noch bei den Lehrinhalten, -schwerpunkten sowie bei der Zielrichtung von Bildung. „Um den steigenden Bedarf an Fachkräften in den Naturwissenschaften, in Mathematik, in den Ingenieurwissenschaften und in den gewerblich-technischen Berufen zu begegnen, müssen die entsprechenden Fächer und Disziplinen in Schulen und Hochschulen stärker gefördert werden“, meint Dr. Franz Schoser, ehemals Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). „Wichtig ist auch der Schlusssatz der Empfehlungen, der die Bereitschaft zu lokaler und regionaler Kooperation zwischen Betrieben und Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen einfordert.“ Bundespräsident Johannes Rau erwiderte in seiner Rede, das Berufsleben sei fraglos enorm wichtig, „aber es ist nur ein Teil und wenn Erziehung und Bildung das übersehen, dann leisten sie einer Form des Analphabetismus Vorschub, die uns noch teuer zu stehen kommen kann“.

Frühzeitige Bildung legt den Grundstein, auf dem lebensbegleitendes Lernen basiert. Noch hätte die Gesellschaft diesen bildungspolitischen Faden nicht aufgegriffen, mahnte Rau. „Wir werden zum Beispiel wieder lernen müssen, dass Älterwerden und Alter nicht mit wachsender Unfähigkeit gleich zu setzen sind. Jugend gilt per se als Ausweis von Leistungsfähigkeit. Erfahrung, die ja nur mit dem Alter kommen kann, gilt als Ressource, die man vernachlässigen kann.“

Die Bildungsreform ist nicht zum Nulltarif zu haben. Auch die Wirtschaft wird ihr Scherflein beitragen müssen, soll es nicht bei einer Goodwill-Aktion ohne fassbare Ansätze bleiben. Die Finanzierung ist – und wird es auf absehbare Zeit bleiben – ein wesentlicher Schwachpunkt in den Planungen. Dass Bildung als integraler Bestandteil der Finanzpolitik gedacht wird, wie es Minister Jürgen Zöllner wünscht, ist utopisch. WOLFGANG SCHMITZ

Die Ergebnisse des „Forum Bildung“

Zwölf Empfehlungen in Kurzform

1. Frühe Förderung: Bildungsprozesse in Kindertageseinrichtungen sowie in der Grundschule intensivieren.

2. Individuelle Förderung: Ganztagsschulen sollen helfen, einen besseren zeitlichen Rahmen zu setzen.

3. Lernen, ein Leben lang: Bessere Verzahnung von Bildungsbereichen, Ausbau und neue Konzepte der Weiterbildung.

4. Lernen, Verantwortung zu übernehmen: im Rahmen demokratischer Werte Verantwortung für andere tragen.

5. Die Lehrenden, Schlüssel für die Bildungsreform: Intensivere Aus- und Weiterbildung der Lehrenden.

6. Gleiche Teilhabe von Frauen und Männern: Überholte Rollenorientierungen müssen in allen Bildungseinrichtungen überwunden werden.

7. Kompetenzen für die Zukunft: Solides Fachwissen und Fach übergreifende Kompetenzen.

8. Neue Medien: Chancen der Informations- und Kommunikationstechnologien besser nutzen.

9. Ausgrenzung vermeiden und abbauen: Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss senken, Weiterbildung für alle öffnen.

10. Bildung und Qualifizierung von Migranten: Förderung und Integration als zentraler Bestandteil in allen Bildungsbereichen.

11. Lernorte öffnen: Bildungseinrichtungen als „Häuser des Lernens“ unter verstärkter Einbeziehung der Eltern und stärkerer Betonung der Lebenswirklichkeit.

12. Mehr Eigenverantwortung für Bildungseinrichtungen, Lernen aus Evaluationen: Eigenverantwortung bei interner und externer Evaluation. ws

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