Bildung

„Der Enjoyer ist schon cool“

Innovationen sind nur selten ein Zufallsprodukt, sondern zumeist das Ergebnis harter Arbeit. Aber man kann lernen, wie aus einer Idee eine Innovation wird – und das bereits in der Schule. Bundesweit bieten über 50 Schulen solche Kurse an.

Entspannt lehnt Gültekin Gündüz auf dem Sitz des riesigen Dreirads. Mit der linken Hand hält der junge Mann den Lenker fest, der über eine Stange die beiden Vorderräder steuert. Die rechte wird zum Lenken nicht gebraucht. Gültekin tritt in die Pedale, langsam eiert das Gefährt los, doch nach wenigen Metern ist die erste Probefahrt des „Enjoyer“ bereits zu Ende.

„Stopp!“ rufen zwei seiner Mitschüler, zwei andere machen sich sofort an dem Gefährt zu schaffen. „Das ist noch nicht optimal“, räumt Alexander Ellenbeck ein, „aber wenn das mal richtig zusammengeschweißt ist, dann wird‘s schon klappen. Sieht doch gar nicht so schlecht aus, unser „Enjoyer“?

Wie man’s nimmt. Wer mag schon als Erwachsener auf einem Dreirad durch die Gegend fahren? Noch dazu mit einem, bei dem zwei Räder vorn sind und das dritte hinten. Aber ein gutes Training für die Bauchmuskeln wär’s bestimmt.

„Klar, der Enjoyer ist nicht jedermanns Sache“, glaubt auch Gültekins Mitschüler Fabian Pelzer, „wir haben da eher an Leute gedacht, die am Wochenende oder im Urlaub entspannt durch die Gegend gondeln wollen.“ Und Gültekin ergänzt: „Für den Alltag, die Fahrt zur Schule oder ins Büro ist er nicht geeignet. Aber ansonsten ist er cool.“

Die drei jungen Männer zwischen 17 und 19 sind Schüler, weder Genies noch begnadete Tüftler, aber sie sind stolz auf ihre klapprige Erfindung, die da auf dem Schulhof des Neusser Berufskolleg für Technik und Informatik (BTI)steht.

Gäbe es Jochen Gottschaldt nicht, dann hätten die drei – und mit ihnen noch 20 Schüler der elften Klasse des BTI – gerade mal gewusst, wie man Innovation schreibt. Stattdessen aber setzen sie sich seit letztem Herbst mit Fragen auseinander, die normalerweise Unternehmenschefs beschäftigen: Was ist eine Innovation? Wie kriege ich sie zustande?

Gottschaldt, Diplom-Ingenieur und Deutschlehrer, leitet am BTI die sogenannte „Tour d’innovation“, eine Initiative, die vom Bundesministerium für Forschung und Bildung (BMBF) sowie dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) gefördert wird. Bei diesem Projekt sollen die Jugendlichen alles rund um das Thema Erfindung lernen. Das reicht von Kreativitätstechniken bis zum Patentschutz, von der Frage, wie man einen Markt analysiert bis zur Erstellung eines Prototyps.

„Es ist ein fächerübergreifender Unterricht“, sagt Gottschaldt, der dieses Projekt inzwischen zum dritten Mal betreut.

In diesem Schuljahr bestand die Aufgabe darin, aus alten Fahrradteilen ein neues, umweltfreundliches Fahrzeug zu konstruieren. Im Keller der Schule kann man noch sehen, wie alles anfing. Noch immer stapeln sich hier Berge von Fahrradteilen, Rahmen, Schutzblechen, Kabel.

„Das“, sagt Gottschaldt und zeigt auf den Schrottberg, „stand am Anfang des Enjoyers“.

Gerade für die Schüler des BTI, die zwar meist über einen Realschulabschluss verfügen, aber noch keinerlei Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft haben, eignet sich nach Ansicht des engagierten Lehrers das Innovations-Projekt hervorragend. „Praktisches ergänzt sich gut mit Theoretischem“.

Zudem erhalten die jungen Leute einen ersten Einblick in den Berufsalltag, denn Besuche bei Unternehmen, bei Beratern, Patentanwälten und Kreativitätstrainern stehen ebenfalls auf dem Programm. Die meisten Schüler, so Gottschaldts Erfahrung, bringt ein solches „Innovationserlebnis“ dazu, nach der elften Klasse ein weiteres Schuljahr dranzuhängen, um mit dem Fachabitur die Hochschulreife zu erhalten. „Sie begreifen, wie wichtig gute Qualifikationen sind.“

Nicht nur das. Im Innovationsprojekt lernen sie auch, dass „die Wirtschaft von neuen Produkten lebt“, wie Fabian Pelzer sagt. „Man darf sich einfach nicht auf dem, was man hat, ausruhen“, grinst auch sein Mitschüler Frank Wilms, der, wie alle andern, viel Energie in den Enjoyer gesteckt hat.

Und die Schüler machten dieselben Erfahrungen, die auch ein Unternehmer auf der Suche nach einer guten, marktfähigen Idee macht. „Im Dezember hatten wir einen echten Durchhänger“, erinnert sich Pelzer, seine Kumpels nicken zustimmend, „wir dachten, es geht nicht weiter.“

Zu viele Ideen, zu viele unterschiedliche Vorstellungen hatte die Gruppe entwickelt. Die einen wollten einen Hinterradantrieb, die anderen unbedingt vier Räder, wieder andere träumten auch noch von einer Karosserie. Erst nach einer Krisensitzung unter Leitung Gottschaldts kurz vor den Weihnachtsferien einigten sich alle auf das Dreirad-Konzept.

Was da jetzt über den Schulhof rollt, ist der provisorisch zusammengeschraubte Prototyp. In den nächsten Wochen steht im Werkunterricht das Schweißen auf dem Plan, die erste richtige Probefahrt ist für März geplant. „Dann geht es ab“, hofft Ellenbeck.

Die Schüler vom Neusser Berufskolleg sind nicht die einzigen, die sich im Unterricht mit dem Thema Innovationen befassen. Bundesweit sind 50 Schulen daran beteiligt, unter anderem auch das Gymnasium Maria Veen im münsterländischen Reken, nicht weit vom Chemiepark Marl.

Dort präsentierte der Leistungskurs Chemie der Jahrgangsstufe 12 kürzlich die Ergebnisse seines Projekts, bei dem sich die Schüler – diesmal vorwiegend theoretisch und weniger praktisch – mit der Anwendung von Tensiden und der Brennstoffzellentechnologie auseinander gesetzt haben.

Dabei standen eigene Versuche wie die Herstellung von Seife aus Olivenöl, Patentrecherchen, Laborbesuche, aber auch Rhetorik- und Kreativitätstraining auf dem Plan. Eine eigene Innovation wie bei den Neussern war nicht vorgesehen.

„Das Engagement der jungen Leute war enorm“, so Helmut Berg, der das Projekt betreute, „sie haben sogar in den Osterferien freiwillig ein Praktikum bei der Chemiefirma Infracor absolviert. Und in den Herbstferien ein weiteres im Forschungszentrum Jülich.“

Berg, der bei der Infracor GmbH für die technische Koordination im Chemiepark Marl zuständig war und im VDI-Bezirskverein Emscher-Lippe die Projekte zum Thema „Jugend und Technik“ betreut, beschreibt das Ziel des Innovations-Unterrichts so: „Wenn die Schüler verstehen, dass jedes Unternehmen von permanenter Innovation lebt, um zu überleben, dann ist schon viel erreicht.“

Alexander Ellenbeck hat nicht nicht nur diese Lehre aus seinen Innovationsstunden gezogen. Der passionierte Segler will nach der Schule unbedingt eine Lehre im Bootsbau machen. „Aber“, sagte er, während er mit Gültekin den „Enjoyer“ wieder in den Schulkeller schleppt, „ich will nicht nur handwerklich arbeiten. Ich möchte an der Planung und Konstruktion beteiligt sein. Das befriedigt einfach mehr.“ Erste Kontakte hat er inzwischen geknüpft, auf der Düsseldorfer Messe „boot“ vergangene Woche. HELENE CONRADY

Das Insti-Projekt

Lernen, wie Innovationen entstehen

können bundesweit mittlerweile die Schüler von gut 50 Schulen – von Hauptschulen über Gymnasien bis zu Berufskollegs. Sie nehmen an der „Tour d’innovation“ teil, die in diesem Schuljahr zum dritten Mal organisiert wird. Die Tour ist Teil des sogenannten Insti-Projekts (INnovationsSTimulierung der Deutschen Wirtschaft), das im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) eingerichtet wurde. Ziel ist es, Schüler für Erfindungen zu begeistern und den komplexen Charakter von Innovationen zu vermitteln. Außerdem sollen Curricula, Lehr- und Lernmaterialien entwickelt werden. Unabhängig davon gibt es regionale Initiativen wie in Sachsen, wo sich die Technologiezentren mit Gymnasien zusammengeschlossen haben, um den Schülern zu zeigen, wie Innovationen entstehen, später daraus Produkte werden und dieser Prozess schließlich in einer Existenzgründung münden kann. hc

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