Bildung

Chefs, die nur delegieren, verlieren den Anschluß

Die Weiterbildung ist teuer und wird meist aus eigener Tasche bezahlt, dennoch sind die wenigen Plätze an der Donau-Universität im österreichischen Krems heiß begehrt. Das Durchschnittsalter der berufstätigen Studenten liegt bei 42 Jahren.

In den USA ist das Interesse an höheren Bildungsabschlüssen auch nach dem 30. Lebensjahr eine Selbstverständlichkeit. In Deutschland jedoch sind Weiterbildungsangebote für die 30 bis 55jährigen oft vom Wohlwollen des Arbeitgebers oder vom Sachbearbeiter im Arbeitsamt abhängig. Selbstorganisierte und auch selbst finanzierte Studienangebote sich gerade an Hochschulen mangels Angebot immer noch die Ausnahme.
Daß es auch anders geht, zeigt die Donau-Universität im österreichischen Krems. Erst vor drei Jahren gegründet, platzt sie mittlerweile aus allen Nähten. Bis zu 600 Bewerber kämpfen in speziellen Eignungstests regelmäßig um die 20 freien Studienplätze. Die Besonderheit: Das Durchschnittsalter der Studierenden liegt bei 42 Jahren.
„Dabei muß man wissen, daß rund 90 % von ihnen ihr Studium selbst bezahlen“, unterstreicht Johann Günther, Professor an der Abteilung für Telekommunikation, Information und Medien. Keine Selbstverständlichkeit bei jährlichen Studiengebühren von bis zu 25 000 DM. „Unsere Leute wissen, daß sie in ihren eigenen Marktwert investieren müssen, sonst haben sie in ein paar Jahren keine Chance mehr.“
An Argumenten für das vielbeschworene lebenslange Lernen mangelt es Johann Günther nicht. „Ein Beispiel: Wenn ein mittleres High-Tech-Unternehmen unverändert 100 Beschäftigte und Produkte hat, so gibt es in fünf Jahren, verursacht durch das Ausscheiden der Älteren, rund 20 neue Mitarbeiter, aber 80 völlig neue Produkte.“ Dafür brauche das Unternehmen ständig neue Ideen und neues Wissen.
Die Voraussetzung dafür ist die dauernde Weiterbildung der Mitarbeiter. Doch während früher in den Personalabteilungen entschieden wurde, welcher Mitarbeiter auf ein Seminar geschickt wird, übernehmen die Mitarbeiter ihre Weiterbildungsplanung heute häufig selbst in die Hand.
Für Günther ist es kein gutes Zeichen, daß europäische Unternehmen solche Aktivitäten immer häufiger einsparen. „Es kommt nicht von ungefähr, daß gerade Unternehmen aus dem südostasiatischen Raum derzeit vor dem Hintergrund der Asienkrise vehement in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter investieren, um einen Turn-around zu schaffen, während wir dieses Thema immer stärker vernachlässigen.“
Daß seine Studierenden für ihre Ausbildung größtenteils selbst zahlen, hat für Johann Günther auch Vorteile: „Sie haben dadurch eine hohe Eigenmotivation und verlangen uns einiges ab.“ Dabei ist das Angebot der Donau-Universität vielfältig. Neben den regulären Vorlesungen laufen oft parallel, gleichsam als interne Konkurrenz, Vorlesungen der insgesamt 14 Partneruniversitäten über Videokonferenz. Günther: „Da kann man sich als Dozent nicht viele schlechte Tage erlauben, denn wer lehrt schon gern in einem leeren Hörsaal.“
Gerade die Zuschaltung von Fachleuten aus dem Ausland ist für Günther ein Meilenstein auf dem Weg zur „wissenbasierten Gesellschaft“. Dabei sind die Nordamerikaner ein weiteres Mal Vorbild. „Einmal hatten wir eine Videoschaltung zu kanadischen Kollegen“, erinnert er sich, „die sich dann verspätete, weil der Dozent noch in der Maske saß, wie er zu Beginn seines Vortrags zugab.“ Zunächst habe man an einen Scherz gedacht, „doch dann haben wir gemerkt: Das war ernst, sie bereiten Videovorlesungen so professionell vor wie Fernsehauftritte“.
Überhaupt seien die Veränderungen durch die neuen Medien auch im Unternehmensalltag oft weitreichender als angenommen. So übernehmen Chefs mit den selbstverwalteten E-Mails den Job ihrer Sekretärinnen und beschleunigen so die Kommunikation. Oder die Sache mit den Verträgen, die plötzlich gar nicht mehr schriftlich fixiert werden, sondern nur noch in Form von Videocassetten mit den Aufnahmen über die Verhandlung ausgetauscht werden. Günther: „Der Manager von morgen muß vor allem Medientalent besitzen, sich online gut verkaufen, anstatt wie früher mit geschliffenen Schriftsätzen zu brillieren.“ Die Voraussetzung: Er bildet sich weiter.
Auch der Beförderungsmechanismus im Unternehmen ändert sich vor dem Hintergrund des wachsenden Wissensbedarfs. Statt einer berechenbaren Karriere mit Beförderungen nach Dienstjahren muß auch ein Abteilungsleiter damit rechnen, auf einmal nur noch Mitglied des Teams zu sein, zumal die Grenzen der Hierarchien immer stärker verwischen. Und wer als Chef nur noch delegiert, verliert schnell den technologischen Anschluß und wird in puncto Wissen schon von 30jährigen Berufseinsteigern überholt.
Und hier ist Günther wieder beim Ausgangspunkt: „Wir stehen an einem kulturellen Wandel wie vor 2500 Jahren: Damals wurde aus der redenden Kultur eine schreibende Kultur, und wer nicht schreiben konnte, war plötzlich out.“ Nun wandele sich die schreibende in eine multimediale Kultur, und wer sich selbst nicht für diesen Übergang rüstet, sprich weiterbildet, bleibt auf der Strecke. Günther: „Das ist eine Entwicklung, die nichts mit dem Alter zu tun hat, schließlich brachten vor kurzem in den USA die über 70jährigen den größten Anstieg bei den neuen Internetanwendern.“
Die Donau-Universität hat ihren „Werbefeldzug“ mittlerweile auch nach Deutschland ausgedehnt und hier vier Niederlassungen gegründet, unter anderem in Frankfurt und Hamburg. „Nur weil wir schon Laptops benutzen, sollen wir nicht meinen, wir sind schon modern“, so Günther, „denn in Sachen Ausbildung hinsichtlich neuer Technologien stehen wir erst am Anfang.“
ANDREAS LEIMBACH
Johann Günther: Manager von morgen müssen Medientalent besitzen.
Das Laptop machts möglich: Weiterbildung ist nicht mehr an einen Ort gebunden.

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