Bildung

Bildungspolitische Antwort auf Pisa

Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft machen sich Gedanken über einen Ausweg aus dem bildungspolitischen Dilemma. Eine heilsame Antwort sollen die Ganztagsschulen sein, deren zügiger Aufbau insbesondere der rheinland-pfälzischen Kultusministerin Doris Ahnen am Herzen liegt.

Der Schulleistungstest Pisa, der Deutschland weltweit ins letzte Drittel verwiesen hat, ruft das gesamte hiesige Bildungssystem auf den Plan. Doch der Schock könnte zum Motor werden bei der Einführung von Ganztagsschulen, einer Schulform, die hierzulande lange stiefmütterlich behandelt wurde, aber unter Bildungspolitikern mittlerweile salonfähig geworden ist.

Bestätigt in ihrem Konzept sieht sich unter anderem die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen. Die SPD-Politikerin hält den Weg der sozial-liberalen Landesregierung, die mit der Einführung von insgesamt 300 Ganztagsschulen bis 2006 bundesweit Spitzenreiter werden will, für eine wesentliche Weichenstellung. Ganztagsschule, so die Ministerin, sei ein zentrales bildungspolitisches Thema. Mehr Zeit zum Lernen, die gezielte Förderung von lernschwachen wie besonders begabten Schülern und die bessere Integration von Schülern ausländischer Herkunft solle der Ganztagsunterricht bringen. Er könne eine Antwort sein auf die durch Pisa offensichtlich gewordenen Probleme, meint Ahnen. An 120 Grundschulen, 60 Hauptschulen, 40 Sonderschulen und zwei der anderen weiter führenden Schulen pro Landkreis und kreisfreier Stadt soll künftig Unterricht bis 16 Uhr stattfinden.

„Bedarfsgerecht und Wohnort nah“ soll das für die Eltern freiwillige Angebot sein, für das die Landesregierung bis 2004 insgesamt 100 Mio. Euro ausgeben will. Ab 2005 sollen jährlich 60 Mio. Euro für den geplanten bildungspolitischen Kraftakt bereit gestellt werden. 1000 Lehrer beziehungsweise pädagogische Fachkräfte sollen aus dem Landestopf finanziert werden, während die Kommunen die Ausgestaltung der Räumlichkeiten und die Eltern das Mittagessen bezahlen sollen.

Über einen organisatorischen Standardrahmen hinaus, der die Wochenstunden für Lehrer und sonstige Pädagogen sowie die Sachmittel fest schreibt, soll die pädagogische Gestaltung des Ganztagsunterrichts den einzelnen Schulen überlassen bleiben: „Sie können ihr gesamtes pädagogisches Repertoire nutzen“, erklärt Kultusministerin Ahnen. Denkbar wären nach ihrer Vorstellung etwa ein Klassenzug pro Schule, der an mindestens vier Wochentagen über den ganzen Tag verteilt Unterricht hat oder auch Gruppen, die nach dem regulären Vormittagsunterricht an einem Nachmittagsprogramm teilnehmen.

Die pädagogischen Vorteile solcher Schulmodelle liegen nach Meinung vieler Fachleute schon lange auf der Hand. Neben einer flexibleren Gestaltung des Schultages und besseren Fördermöglichkeiten prognostiziert der Bielefelder Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann ein besseres Klima zwischen Lehrern und Schülern. Ganztagsschulen seien eine Schulform, die nicht nur Familien entlasten könnten, in denen beide Elternteile berufstätig seien, sondern vor allem auch solche, die sozial weniger privilegiert seien.

Auf den Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schule hebt auch Doris Ahnen ab. Es dürfe allerdings nicht der Eindruck entstehen, Schule könne alle Probleme dieser Welt lösen. „Die Erziehungskraft von Schule ist begrenzt“, warnt auch der Landesgeschäftsführer des rheinland-pfälzischen Landesverbandes Bildung und Erziehung, Hjalmar Brandt.

Grundsätzlich stehe der Verband dem Projekt Ganztagsschule zwar offen gegenüber. „Ganztagschule kann aber nicht der schulpolitische Joker sein“, erklärt Brandt. So lange der Besuch des Ganztagsunterrichts auf freiwilliger Basis stehe, sei eine grundsätzliche Neustrukturierung des Unterrichts gar nicht möglich, glaubt der Geschäftsführer. „Und Ganztagsunterricht als Pflicht für alle Schüler ist weder gesellschaftspolitisch durchsetzungsfähig noch finanzierbar.“

Kultusministerin Ahnen blickt dennoch optimistisch in die Zukunft der rheinland-pfälzischen Ganztagsschulen. „Wir hatten einen guten Start“, bilanziert die 36-Jährige. 167 Schulen und Schulträger haben nach Angaben der Ministerin bis November gemeinsam die Einrichtung einer Ganztagsschule beantragt, davon schwerpunktmäßig Grundschulen (78) und Hauptschulen (55). Bei den Gymnasien, von denen sich nur eines beworben hat, müsse allerdings noch Überzeugungsarbeit geleistet werden, räumt die SPD-Politikerin ein. Aus den eingegangenen Bewerbungen, die unter anderem nach ihrem pädagogischen Konzept bewertet werden, will Ahnen bis Mitte Januar zunächst rund 75 Schulen auswählen, die dann zum Schuljahr 2002/2003 starten können. JUTTA WITTE

Von Jutta Witte
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