Bildungsfinanzierung

Bildung, um für den Aufschwung gerüstet zu sein  

VDI nachrichten – „Wer heute oder in den nächsten Jahren studiert, wird einen qualifikationsadäquaten Arbeitsplatz finden“, prophezeit Dieter Dohmen. „Es wäre daher der völlig falsche Schluss zu sagen: Wir haben jetzt eine Krise, deshalb studiere ich nicht.“ Der Berliner Bildungsökonom hält es gerade in schlechten Zeiten für nötig, sich für die Aus- und Fortbildung von Ingenieuren zu engagieren.

Dohmen: Die Einsicht, nach der Bildung für unsere Zukunft sehr wichtig ist, verfestigt sich immer mehr. Andererseits ist die Gefahr offensichtlich, dass aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise zwar einerseits über das Konjunkturpaket II in Bildung investiert wird, auf der anderen Seite künftig wegen der höheren Verschuldung und der Risiken, die damit verbunden sind, sowie der Beschränkung des Haushaltsrechts und der vereinbarten Schuldengrenze Bildungsausgaben nicht in dem Maße steigen werden, wie es notwendig wäre.

Bildungsexperten fordern bis zu 50 Mrd. € jährlich an Mehraufwendungen für die Bildung. Ist das in Krisenzeiten realistisch?

Beträge in dieser Größenordnung sind realistisch und nachvollziehbar. Dass dieser Finanzaufwand nötig wird, verdeutlicht, wie sehr die Bildung in den vergangenen Jahren vernachlässigt wurde. Es ist aber zu befürchten, dass Bildungsausgaben den schrumpfenden Haushalten zum Opfer fallen, weil es langfristig wirkende Investitionen sind. Das, was wir heute im schulischen Bereich ausgeben, wird erst in zehn bis 15 Jahren Früchte tragen. Aber alles was wir heute nicht investieren und dazu führt, dass Jugendliche keinen Schulabschluss haben werden, wird uns hinterher zur Schließung der Fachkräftelücke fehlen. Sind die Menschen arbeitslos, fehlen uns Einnahmen durch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Fällige Sozialabgaben häufen den Schuldenberg. Ein Teufelskreis zu Lasten der Zukunft und der nachwachsenden Generationen.

Es gibt bereits Stimmen aus den Hochschulen, die vor einem Schweinezyklus warnen. Wenn die Unternehmen keine Ingenieure mehr einstellen, warum sollen wir dann welche ausbilden, heißt es.

Fakt ist, dass in den Technik- und Naturwissenschaften ein extremer Fachkräftemangel droht. Der Ausbau des Hochschulbereichs scheint in diesen Fächern dringend geboten. Andererseits könnte es sein, dass die Nachfrage nach diesen Disziplinen sinkt, denn gerade die Studierenden der Ingenieurwissenschaften und diejenigen, die mit einem solchen Studium liebäugeln, reagieren auf negative Anzeichen des Arbeitsmarktes vergleichsweise sensibel.

Duale Studiengänge haben den Vorteil, dass Hochschulen und Unternehmen Absolventen mit einem Lehrberuf und einem Studienabschluss in die Karriere entlassen. Wäre diese Qualifikation die krisensicherste?

Generell gilt: Wer heute oder in den nächsten Jahren studiert, wird einen qualifikationsadäquaten Arbeitsplatz finden. Es wäre daher der völlig falsche Schluss, zu sagen: Wir haben jetzt eine Krise, deshalb studiere ich nicht. Duale Studiengänge halte ich aber tatsächlich für eine sehr spannende Studienalternative. Allerdings gibt es eine große Abhängigkeit vom Engagement der Unternehmen. Geht es ihnen gut, bauen sie die Zahl der Ausbildungsplätze auf geht es ihnen schlecht, sind sie mit dem Abbau zuweilen noch schneller.

Gerade für Ostdeutschland sind die dualen Studiengänge interessant, da den dortigen Unternehmen in noch ausgeprägterem Maße der Fachkräftemangel droht. So könnten sie Zukunftssicherung betreiben. Jungen Menschen könnte über die Ausbildungsvergütung die Möglichkeit geboten werden, ein Studium aufzunehmen, wenn sie dieses anderweitig nicht finanzieren können. In Ostdeutschland schlägt einschränkend zu Buche, dass es dort viele kleine Firmen gibt, die allein solche Programme kaum stemmen könnten. Ausbildungsverbünde könnten eine Lösung sein.

Wie sollten sich die Hochschulen positionieren? Zum einen ist vom Studentenberg die Rede, zum anderen bringt die wirtschaftliche Entwicklung große Planungsunsicherheit mit sich.

Zum prognostizierten Studentenberg in Höhe von rund 2,5 Mio. Studierenden wird es sicherlich nicht kommen. Gleichwohl werden in den kommenden Jahren noch einmal 50 000 Studienberechtigte mehr vor den Toren der Hochschulen stehen. Ich gehe davon aus, dass in Folge der Wirtschaftskrise die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze zurückgehen wird, sodass die Zahl der Studienbewerber weiter steigen dürfte. Daher sollten wir alles tun, um die Hochschulen auf den Ansturm der nachwachsenden Generationen vorzubereiten. Es bleibt für alle Beteiligten sicherlich ein erheblicher Teil an Planungsunsicherheit. Die schlimmste Art, Planungsunsicherheit zu bekämpfen, ist aber, gar nichts zu tun.

In welchen Bildungsbereichen könnte die Krise die heftigsten Spuren hinterlassen?

Ich fürchte, dass die überwiegend von den Kommunen finanzierte frühkindliche Bildung die ungünstigsten Voraussetzungen hat. Die Kommunen müssen die größte Finanzlast tragen, gleichzeitig sind sie über die Gewerbesteuereinnahmen stark von der Krise gebeutelt. So weiß ich von einer Stadt in Nordrhein-Westfalen, dass, wenn sie den Kita-Ausbau so vorantreiben würde, wie das Gesetz es vorsieht, sie sich um weitere 8 Mio. € verschulden müsste. Die Kommunen investieren am meisten, profitieren aber am wenigsten.

Bleibt in Bildungsfragen Hoffnung auf Besserung?

Nach jedem Tal kommt ein Aufstieg. Ich bin grundsätzlich optimistisch. Wir sollten die Chance nutzen und alles, was qualifiziert werden kann, qualifizieren. Wer arbeitslos wird oder in Kurzarbeit geht, dem sollte man die Möglichkeit eröffnen, die Zeit zur Qualifizierung zu nutzen, um für den nächsten Aufschwung gerüstet zu sein. Wichtig ist aber auch hier die Eigeninitiative zur Weiterbildung. Bildung ist mit Abstand die beste Investition.

Von Wolfgang Schmitz

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