Bildung

Bildung ohne Grenzen – damit Deutschland an der Spitze bleibt

In einer Woche treffen sich die europäischen Bildungsminister, um in Berlin den Ausbau des gemeinsamen Hochschulraums zu planen. In seinem Beitrag führt VDI-Direktor Dr.-Ing. Willi Fuchs zehn Gründe an, weshalb die konsequente Einführung der neuen Bachelor- und Masterabschlüsse für Deutschland im Rahmen des so genannten „Bologna-Prozesses“ unumgänglich ist.

1. Die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse sind eine große Chance für eine noch bessere Platzierung der deutschen Ingenieurausbildung auf internationaler Ebene.
2. Durch die Einführung der neuen Studiengänge können wir national die Ingenieurausbildung modernisieren und optimal an die geänderten Umfeldbedingungen anpassen.
3. Der Bachelorabschluss ermöglicht einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss in einer überschaubaren Studienzeit. In drei bis vier Jahren werden die für die Berufsqualifizierung notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen, Methodenkompetenzen und berufsfeldbezogenen Qualifikationen vermittelt. Somit befähigt der Bachelor sowohl zur Ausübung des Ingenieurberufs in der Wirtschaft oder Verwaltung als auch zur Aufnahme eines weiterführenden Masterstudienganges an Hochschulen im In- und Ausland.
4. Die gestufte Studienstruktur in Bachelor- und Masterstudiengängen gibt den Studierenden die Möglichkeit, nach dem Bachelorabschluss andere Schwerpunkte im Masterstudium zu wählen. Dies erhöht maßgeblich die Flexibilität des Einzelnen, sich auf veränderte Interessenlagen oder Umfeldbedingungen einzustellen. Praktisch bedeutet dies, dass ein Masterstudiengang einen vorangegangenen Bachelorstudiengang fachlich fortführen und vertiefen oder fachübergreifend erweitern kann. Diese gestiegene Flexibilität der Berufsanfänger kommt auch Hochschulen und Unternehmen zugute.
5. In 80 % aller Länder der Erde erfolgt die Hochschulausbildung durch Bachelor- und Masterstudiengänge. Durch die Einführung dieser Studienstruktur in Deutschland verbessert sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Hochschulbereich wesentlich. Sowohl deutsche als auch ausländische Studierende können im jeweils anderen Land ihr Studium ohne große Zeitverzögerung fortsetzen. Dies liefert einen positiven Beitrag zur Mobilität der Studierenden.
6. Eine größere Anzahl ausländischer Studierender ist ein Vorteil sowohl für die Hochschulen bei der Rekrutierung des wissenschaftlichen Nachwuchses als auch für die Wirtschaft. Für letztere gilt dies in zweierlei Hinsicht. Einmal erhöhen sich die Absolventenzahlen zur Deckung der Ingenieurarbeitsplätze, andererseits sind ausländische Studierende nach der Rückkehr in ihre Heimat potenzielle Kunden und Botschafter der deutschen Wirtschaft.
7. Der Erfolg der Bachelor- und Masterabschlüsse ist maßgeblich von der Qualität der Studiengänge abhängig. Die traditionell hohe Qualität der deutschen Ingenieurausbildung darf bei der Strukturierung der Studieninhalte und des Studiensystems nicht verloren gehen, sondern im Gegenteil nach Möglichkeit gesteigert werden. Hierzu wurde ein Akkreditierungssystem eingerichtet, das unter der Mitwirkung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik Kriterien zur Qualitätssicherung von Studiengängen festlegt. Teil dieses Akkreditierungssystems ist für die Ingenieurwissenschaften die „Akkreditierungsagentur für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften, der Informatik, der Naturwissenschaften und der Mathematik e.V.“ – kurz ASIIN.
8. Die Akkreditierung und die damit verbundene Qualitätssicherung steigert maßgeblich die Transparenz. Diese Transparenz ist zwingend für die Vergleichbarkeit der Bachelor- und Masterstudiengänge im In- und Ausland. Erst wenn die Studiengänge vergleichbar sind, ist eine uneingeschränkte Mobilität der Studierenden und eine gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse möglich. Durch ihre Arbeit leistet die ASIIN hierzu einen maßgeblichen Beitrag, nicht zuletzt durch ihre internationalen Aktivitäten. Vor kurzem trat die ASIIN dem Washington Accord bei, einem Zusammenschluss einflussreicher Wirtschaftsnationen, dem u.a. die USA, Großbritannien und Kanada angehören.
9. Die gestufte Ausbildung liefert nicht nur einen Mehrwert für die Ausbildung, sondern auch für die berufliche Weiterbildung. Setzt man einen modularen Aufbau der Studiengänge voraus, ermöglicht dies den Hochschulen, sich an der beruflichen Weiterbildung zu beteiligen, wie dies von der Politik immer wieder gefordert wird.
10. Durch die aktive Gestaltung der Bachelor- und Masterausbildung kann Deutschland eine führende Rolle in Europa einnehmen und so den im Bologna-Vertrag beschlossenen europäischen Hochschulraum maßgeblich mitgestalten, zum Vorteil für unsere Hochschulen und den Innovationsstandort Deutschland. (Seite 31)
WILLI FUCHS

www.vdi.de
www.asiin.de

 

  • Willi Fuchs

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