Bildung

Bildung für den Beruf

Mit Informatiker-Mangel und Green Card lässt sich sogar eine Grundsatz-Debatte über Hochschulen inszenieren. Das zeigte sich auf der Jahresversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Die Hochschulen sollten endlich „mit der Faust auf den Tisch schlagen“, statt sich im Büßerhemd zu präsentieren, riet Professor Hans Joachim Meyer auf der Jahresversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) letzte Woche in Wiesbaden. Der Vorwurf jedenfalls, die Hochschulen verschuldeten den Informatiker-Mangel, sei „eine schockierende Verdrehung der Wirklichkeit“. Meyer, Vizepräsident der Kultusministerkonferenz und Wissenschaftsminister in Sachsen, wehrte sich dagegen, mit der IT-Diskussion das Tagungsthema „Studium und Beruf“ auf das Gegensatzpaar Bildung versus Ausbildung zu reduzieren.
„Die zweckfreie Suche nach der Wahrheit“, wie sie Wilhelm v. Humboldt propagierte, sei nie Hochschul-Wirklichkeit gewesen. Zu allen Zeiten hätten die Universitäten auch auf Berufe außerhalb der Hochschulen vorbereitet. Heute sei die Qualifikationsfrage nur virulenter, weil sehr viel mehr junge Menschen studieren. Trotzdem wäre es sträflich, meinte Meyer, wenn die Hochschulen „maßgeschneiderte Produkte“ lieferten. In den heutigen Berufsfeldern, die ständig komplexer und „wissenschaftlicher“ würden, fänden sich stromlinienförmig Ausgebildete kaum noch zurecht. Die beruflichen Anforderungen wandelten sich so rasant, dass ein Studium neben der Fähigkeit zu fortgesetztem Lernen auch ein solides und breit einsetzbares Basiswissen bieten müsse.
Zwischentöne aber waren in Wiesbaden nicht unbedingt gefragt. So wurde der leergefegte IT-Arbeitsmarkt zu einem grundsätzlichen Problem des Bildungssystems stilisiert. Professor Klaus Landfried, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, reichte den Schwarzen Peter gleich an die verfehlte Schulpolitik weiter. Sie vergälle bereits den Schülerinnen und Schülern die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer. Im letzten Jahr haben sich nur 19 000 Studierende für Informatik eingeschrieben. Zwar steigt die Zahl wieder allmählich. Die erwünschten 45 000 Informatik-Studenten aber werden in absehbarer Zeit wohl kaum erreicht, meint Landfried. Er wünscht sich ein Förderprogramm, das die Green Card-Initiative ergänzt.

Schröder will die leistungsabhängige Honorierung

Doch selbst das von Bundeskanzler Schröder erneuerte Angebot, 100 Mio. DM als Bund-Länder-Sofortprogramm für Konzepte einer effizienten IT-Ausbildung bereitzustellen, wird noch keinen Run auf das Informatik-Studium bringen. Hewlett-Packard-Chef Jörg Menno Harms forderte mehr als die bisher vorgesehenen 20 000 Green Cards für IT-Spezialisten. Und einige Hochschul-Rektoren spekulierten bereits – wohl vergeblich – mit einem Sondersegen aus den Zusatzeinnahmen des Finanzministers.
Letztlich geht es auch dem Kanzler um mehr. Mit der Diskussion zum Informatikstudium forciert er die prinzipielle Neuorientierung der Hochschulen. In Wiesbaden mahnte er denn auch mehr Flexibilität, mehr Leistungsorientierung, mehr Internationalität, mehr Wirtschaftsnähe, mehr Gewicht auf die Lehre und kürzere Studienzeiten an. Zu Recht, wie Landfried meinte. Auch er plädiert beispielsweise für einen intensiveren Austausch mit der Wirtschaft. Nur „diktieren lassen“ will er sich die Themen nicht. Auch gegen die geplante Änderung des Dienstrechts hat Landfried keine prinzipiellen Einwände. Kanzler Schröder jedenfalls ist entschlossen, den Weg zu leistungsabhängiger Honorierung der Professoren zu ebnen.
Und unweigerlich folgte auch die Warnung vor der multimedial aufgerüsteten US-Konkurrenz, die gezielt Lehrmodule übers Internet verbreiten oder durch neue Hochschulen vor Ort anbieten könnte: „Ich wäre nicht überrascht, wenn diese Lehrangebote – insbesondere in den Naturwissenschaften – alsbald europaweit zur Verfügung stünden“, erklärte Schröder. Nur marktwirtschaftlicher Leistungswille scheint die Hochschulen noch zu retten, Praxisorientierung, Konkurrenz- und Innovationsfähigkeit. Zu diesem Gesamtpaket gehört nach Ansicht des Bundeskanzlers auch die Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse. Sie sollen für eine größere Mobilität und schnellere Anpassung an neue Anforderungen sorgen.
Janne Klett-Drechsel, Vorstandsmitglied im „freien zusammenschluß von studentInnenschaften“, „nervte“ die HRK-Diskussion gewaltig. Es werde suggeriert, dass künftig Eliten, Effizienz und Wettbewerb wie in den USA die Hochschullandschaft bestimmten. Am Ende dieser Entwicklung würden quasi automatisch die „Stiftungs- und Privathochschulen als Alternativen zur überlasteten, unterfinanzierten Massenhochschule“ stehen.
Ob die amerikanischen Hochschulen stets Vorbildfunktion haben sollten, bezweifelte auch Wissenschaftsminister Meyer. Schließlich lagern die USA seit Jahren Software-Aufgaben nach Indien aus und locken gleichzeitig IT-Spezialisten mit Green Cards ins Land. „Und deutsche Experten sind weltweit zu finden, insbesondere an amerikanischen Forschungsuniversitäten“, erinnerte Meyer. Vielleicht, so meint Herbert Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik in Berlin, könnten die neuen Medien ohnehin die Hochschulen weltweit in eine noch unbekannte Richtung revolutionieren.
Die künftigen Herausforderungen brauchen mehr als eine Hochschulreform, mahnte Meyer. Ein grundlegender Mentalitätswandel sei angesagt – auch in der Öffentlichkeit – und ein „unnachsichtiges und entschlossenes Vorgehen gegen jede Art von Ausländerfeindlichkeit“. Anders sei die kommende Internationalisierung nicht zu schaffen. Heute gehe es nur noch um die Alternative einer kurzfristigen Green Card-Aktion mit „PR-Effekt“ oder einer kontinuierlichen, weitsichtigen und geordneten Einwanderung. Auch der Wirtschaft schrieb Meyer ins Stammbuch, dass sie sich im Blick auf indische Informatikexperten keinen Illusionen hingeben sollte. Wer, wie ein führender deutscher Unternehmer, erwarte, dass „diese Leute, ohne nach der Uhr zu sehen – und möglicherweise gar für“n Appel un“ Ei – arbeiteten“, könnte sich schwer täuschen. RUTH KUNTZ-BRUNNER
Warnte vor der US-Konkurrenz: Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Hochschulen sollen sich nicht im Büßerhemd präsentieren, das fordert Prof. Hans Joachim Meyer.

Von Ruth Kuntz-Brunner
Von Ruth Kuntz-Brunner

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