Bildung

Bildung – die beste Wertanlage

VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 8. 04 -Soll Deutschland auch künftig im Wettbewerb der großen Industrieländer mitmischen, reicht es nicht, auf Elite und Jugend zu setzen. Mit dem Bericht zur „Finanzierung Lebenslangen Lernens“ legte eine Expertenkommission jüngst ein Weiterbildungskonzept vor, das alle Teile der Gesellschaft umfasst.

Kaum ein anderes Land ist in Ermangelung von Bodenschätzen so abhängig von der Ressource Wissen wie Deutschland. Und dennoch gehen Politik, Wirtschaft und Bürger meist fahrlässig mit dem kostbaren Gut Bildung um. Geiz sei in diesem Bereich keineswegs geil, meint Prof. Gerhard Bosch, Vizepräsident des Instituts Arbeit und Technik (IAT) und Mitglied einer Expertenkommission, die vor wenigen Tagen im Auftrag des Bundestages den Bericht „Finanzierung Lebenslangen Lernens: Der Weg in die Zukunft“ vorlegte. Bosch: „Die Folgen des Sparens an der falschen Stelle werden für uns alle bitter sein.“
Um den ökonomischen und gesellschaftlichen Super-Gau abzuwenden, benötige man aber nicht nur gut gefüllte Bildungstöpfe, sondern als Grundvoraussetzung „eine veränderte Mentalität“, wie Kommissionsmitglied Prof. Uschi Backes-Gellner mahnt. „Bildung ist eine Wertanlage, das muss in die Köpfe der Menschen. Die Deutschen dürfen nicht nur für das Häuschen, die Rente und den Urlaub sparen.“
Während das Land von Einstein und Humboldt zur Wachstumsbremse in Europa verkäme, schritten andere Länder mutig voraus. „Die Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Bildung liegen mittlerweile deutlich unter dem Niveau der USA oder von Schweden und Finnland“, weiß Bosch. „Vor allem die letztgenannten Länder haben sich aus einer tiefen Krise ihres Sozialstaats durch Investitionen in die ,Vorauswirtschaft“ befreit, was sich heute in der Beschäftigungsbilanz auszahlt.“ Der Wille zur Weiterbildung ist für Bosch das „Eintrittsticket auf den Arbeitsmarkt“.
Die Kommission unabhängiger Fachleute empfiehlt daher ein Bildungsförderungsgesetz, damit nicht nur Schüler und Studenten Bafög erhalten, sondern nahezu alle Erwachsenen. Sparen für die eigene Aus- und Weiterbildung sollte vom Staat genauso gefördert werden wie etwa Bausparen. Auch einkommensschwache und „bildungsferne“ Schichten sollten so den lange verbauten Zugang zu lebenslangem Lernen erhalten.
Ist der Ruf der Weiterbildungsexperten nach einer stärkeren Kompetenzbündelung im Bund auch Wasser auf die Mühlen der stark unter Beschuss stehenden Bildungsministerin Edelgard Bulmahn, so sind die ersten Reaktionen aus Berlin doch verhalten. Wichtige Schritte in Form von Steuerentlastungen seien bei der Weiterbildungsförderung bereits getätigt. Die Vorschläge wolle man dennoch eingehend analysieren.
Die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen sei bei Ingenieuren und in Unternehmen vorhanden, meint Joachim Neuerburg, Weiterbildungsexperte beim VDI, sie ziele leider meist in nur eine Richtung. „Zu oft wird Weiterbildung als zeitnahe Reaktion auf aktuelle Technologien verstanden. Zu selten fragen sich Ingenieure: Ist die Fortbildung auch für meine persönliche Karriere von Nutzen?“ Dringend benötigte Kompetenzen, wie etwa Fremdsprachen und das Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge, kämen zu kurz.
Erst durch den immer „enger werdenden Arbeitsmarkt“ sei man in einigen Firmen aufgewacht und lege wachsenden Wert auf die Weiterbildung auch älterer Mitarbeiter. Wer Innovationen wolle, könne und dürfe nicht auf die Gruppe der über 45-Jährigen verzichten. Seite 4
WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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