Bildung

Aufholjagd beim Rennen um kluge Köpfe

Die geplante Hochschulreform soll das Bildungs- und Forschungswesen von Grund auf modernisieren. Um kluge Köpfe im Lande zu halten, richtet sich die Reform nach amerikanischen Modellen.

Der Deutsche nimmt gerne an, was ihm das Land der unbegrenzten Möglichkeiten bietet. Die Hochschullandschaft jedoch zeigte sich lange resistent gegenüber dem amerikanischen Einfluss der „Dipl.-Ing.“ galt als Maßstab aller Dinge.
Mit der Globalisierung aber wuchs die Kritik an mangelnder Internationalität und Flexibilität deutscher Studiengänge, speziell in den an fehlendem Nachwuchs krankenden Ingenieurfächern. Lange Studiendauer, fehlende Praxis- und Marktnähe, große Abhängigkeit junger Forscher von ihren Professoren sowie die schlechte personelle und finanzielle Ausstattung der Hochschulen treiben viele Deutsche zu Studium oder Forschung in die USA. Mit rund 5000 Jungforschern sind sie nach Chinesen und Japanern die drittgrößte Emigrantengruppe. Der Ruf nach Bachelor- und Masterabschlüssen zur Stärkung internationaler Kompatibilität war hierzulande die Folge.
Nach dem Vorbild amerikanischen Wettbewerbs setzt auch die neue Dienstrechtsreform, die die Bundesministerin für Bildung und Forschung gerne noch vor der nächsten Bundestagswahl ändern möchte, „klar auf Leistung und Engagement“. Um „die Chance des Generationenwechsels für die Erneuerung der Hochschulen zu nutzen“, so Edelgard Bulmahn, müsse der Abwanderung der „besten Köpfe ins Ausland“, wobei sie natürlich in erster Linie an die USA denkt, Einhalt geboten werden. Mit Einführung des sogenannten „Juniorprofessors“ sollen kreative Wissenschaftler um die 30 selbständig und unabhängig lehren, vor allem aber forschen können. Die neue, an Leistung orientierte Besoldung von Professoren soll darüber hinaus einen verstärkten Motivationsschub bewirken.
Das rief den konservativen Deutschen Hochschulverband (DHV) auf den Plan, der die leistungsbezogene Besoldung für skandalös und die Juniorprofessur nicht für eine Verbesserung gegenüber der bis jetzt üblichen Assistentenstelle hält. „Diese Entwicklung ist wahnsinnig negativ“, befürchtet auch Franz-Erich Wolter. Der Informatik-Professor an der Universität Hannover sieht schwarz: „Unser Land läuft Gefahr, den Wettbewerb um den talentiertesten akademischen Nachwuchs zu verlieren.“
Wolter, der am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und an der Purdue-Universität lehrte, hält „die Ingenieur-Ausbildung in Deutschland immer noch für erstklassig“. Die Absicht, den Hochschulen größere Eigenständigkeit zu übertragen, betrachtet er als „fadenscheinigen Versuch“, mit dem sich der Staat aus der Verantwortung ziehen wolle. Damit werde die Schere zwischen dem, was promovierte Ingenieure in der Wirtschaft und was sie in den Hochschulen verdienen, noch weiter auseinander gehen.
Der Präsident der Universität Würzburg, Prof. Theodor Berchem, der zugleich auch Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ist, findet in einem Interview mit der „Main Post“ zwar Gefallen an privatwirtschaftlicher Förderung amerikanischer Prägung, weiß aber auch, dass „wir nicht wie die USA eine über Generationen gewachsene Stiftungskultur haben“. In Deutschland fehle diese finanzielle Unterfütterung, wodurch ein Vergleich mit den USA hinke. Bei der Umsetzung der Bulmahn´schen Reformen befürchtet Berchem „das Ende für den Wissenschaftsstandort Deutschland“, wobei er vor allem an Besoldung und Finanzierung der Ausstattung von Juniorprofessoren denkt, obwohl das Bildungsministerium die Einführung des Nachwuchsprofessors mit 360 Mio. DM unterstützt.
Die Neustrukturierung im Zeichen des Wettbewerbs einerseits sowie der Erhalt des eigenen Profils andererseits zwingt die deutschen Hochschulen zu schwierigen Balanceakten. Die Universitätslandschaft in den USA hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem deshalb den neuen Anforderungen angepasst, weil aus dem rein regionalen Einfluss einer Hochschule schnell in die Kategorien eines nationalen Wettbewerbs umgeschaltet wurde. Das Prinzip vom „Schneller, höher, weiter“, das die USA wie kein anderes Land verinnerlicht haben, sollte aber nicht mit Leistungsstärke gleich gesetzt werden. In einem Aufsehen erregenden Urteil bilanzierte ein US-Richter, Schulabsolventen seien weder mit den Basisqualifikationen für den Arbeitsmarkt noch mit der Urteilsfähigkeit für die Demokratie ausgerüstet. Das deutsche Universitätsmodell Humboldts, in dem Persönlichkeitsbildung eine dominante Rolle spielt, trifft hier erbarmungslos auf die pragmatische Nutzorientierung der (Bildungs- ?)Weltmacht.
Viele im Einzelnen sehr attraktive Aspekte des nordamerikanischen Systems ließen sich nicht übertragen, ohne die europäische Tradition der deutschen Universität zu opfern, behauptet der Deutsche Anglistenverband. „Vergleicht man Arbeitsbedingungen und finanzielle Ausstattung deutscher Universitäten mit den Gegebenheiten in Nordamerika, leistet eine deutsche Universität mehr als eine nordamerikanische.“ Die Absenkung der Studiendauer und -inhalte würden den immer noch hohen Qualitätsstandard der deutschen universitären Ausbildung gefährden. „Statt ständig nach dem nordamerikanischen Vorbild zu schielen, sollte die Politik die Weiterexistenz der deutschen Universität als eigenständige Bildungssituation im Zentrum Europas fördern.“
Unterdessen kriselt es jenseits des Atlantiks. Amerikanische Politiker fürchten um die Vormachtstellung des US-Bildungswesens. Sie mahnen eine nationale Bildungsoffensive gegenüber Europa und Asien an. W. SCHMITZ

Dienstrechtsreform

Besoldung im Mittelpunkt der Kritik

Die geplante Dienstrechtsreform, die noch vor der Sommerpause von Bundestag und Bundesrat beraten werden soll, verfolgt folgende Ziele:

  • Mit Einführung der Juniorprofessur sollen junge Wissenschaftler „in ihrer kreativsten Phase“ selbständig und unabhängig lehren und forschen können.
  • Die Habilitation wird nach einer Übergangszeit von zehn Jahren abgeschafft.
  • Nach Vorstellung von Ministerin Edelgard Bulmahn wird es künftig für Professoren zwei Besoldungsstufen (W2 und W3) sowohl an Fachhochschulen als auch an Universitäten geben. Zu dem Mindestgehalt von 7000 DM (W2) und 8500 DM (W3) wird ein variabler Bestandteil angerechnet, der sich aus der Bewertung von Leistung in Lehre und Forschung oder der Studienbetreuung zusammensetzt. Die Gehälter würden nicht herabgesetzt, begegnet das Bildungsministerium Befürchtungen der Professorenschaft. Nur extrem leistungsunwillige Wissenschaftler wären von der neuen Regelung negativ betroffen.

ws

Von W. Schmitz

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