Bildung

Auf die Zukunft ist Deutschland schlecht vorbereitet

Der Staat ist in der Bildungspolitik überfordert, weil er immer mehr Lasten alleine tragen muss, so Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Er fordert im folgenden Beitrag die Unternehmen auf, sich in der Berufsausbildung mehr zu engagieren.

Deutschland steht, wie alle entwickelten Industrieländer, mitten in einer technologischen Revolution, die vor allem durch moderne Kommunikationstechniken und die Weiterentwicklung der Mikroelektronik bestimmt ist. Diese Technologien werden Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend verändern. Sind wir in Deutschland auf diese Veränderungen vorbereitet?
Meine Antwort: Nicht in ausreichendem Maße. Ein alarmierendes Zeichen dafür ist, dass vor allem in den technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen weit und breit kaum Nachwuchs zu sehen ist. In Deutschland kommen auf 100 000 Beschäftigte nur etwa 1000 Absolventen der Ingenieur-, Natur- und Biowissenschaften. Damit liegen wir im Vergleich mit den anderen 28 OECD-Staaten weit unter dem Durchschnitt, was wir uns auf Dauer wohl kaum leisten können.
Tatsache ist auch, dass Deutschland inzwischen eher ein Importland für besonders gut ausgebildete Fachleute ist. Nicht wenige der besten Köpfe weltweit orientieren sich mittlerweile nach den USA, nach deren Vorbild wir mit Green Cards lediglich kurzfristige Lösungen bei uns im Lande erzielen können.
Warum wohl müssen zum Beispiel Computerfachleute aus Indien oder Osteuropa nach Deutschland angeworben werden? Was ist bei uns falsch gelaufen? Der entscheidende Grund: In Deutschland fehlt eine durchgreifende Bildungsreform, die zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft abgestimmt ist. Bleibt diese Reform weiterhin aus, laufen wir Gefahr, die Qualifikationen zu verlieren, die im globalen Wettbewerb gebraucht werden. Dabei hat die Wirtschaft die Rahmenbedingungen zu setzen, die von Unternehmern und Beschäftigten, aber auch von den Arbeitslosen ausgestaltet werden müssen.
Schulen und Hochschulen brauchen mehr Selbständigkeit und Praxisnähe sowie moderne Führungs- und Organisationsstrukturen, um die Unterrichtsqualität und den Lernerfolg zu verbessern. Wir alle müssen schließlich lernen, angemessen auf gesellschaftliche Herausforderungen mit Medienkompetenz, Mehrsprachigkeit sowie Vertrautheit und Toleranz im Umgang mit fremden Kulturen zu reagieren. Die Deutschen müssen auch begreifen, dass die Trennung des Lebens in Phasen der Bildung und Phasen der Arbeit nicht mehr den Anforderungen der Gesellschaft entspricht.
Dabei mangelt es ganz sicher nicht nur am nötigen Geld, das in die – oft viel zu veralteten – Ausstattung und Unterrichtsmittel von Schulen und Hochschulen gesteckt werden müsste, um die Lern- und Lehrqualität zu erhöhen.
Es geht hier beileibe auch nicht nur um reine Wissensvermittlung und höhere Budgets dafür – die Schulen haben in erster Linie einen Erziehungsauftrag. Ich weiß, dass dieser Anspruch zu meiner Schulzeit etwas einfacher zu erfüllen war, weil die Wertordnung noch fester gefügt war als das gegenwärtig der Fall ist. Aber Jugendliche haben auch heute das Recht, von uns das Rüstzeug – materiell wie immateriell – zu bekommen, damit sie selbständig, selbstbewusst und ohne Angst ihre eigenen Erfahrungen nachen und realistische Perspektiven für sich entwickeln können.
Dass der Umgang mit Computer- und Multimedia-Technik an allen Schulen Pflichtfach und dass auch auf eine größere Sprachenvielfalt Wert gelegt werden sollte, ist dabei die eine Seite. Darüber hinaus dürfen wir aber nicht vergessen, dass Ausbildung auch mit Bildung und viel mit Kultur zu tun hat. Das heißt, die jungen Menschen sollen nicht nur lernen, Computerprogramme zu verstehen, Börsenwerte zu interpretieren und eigene Geschäftsideen zu entwickeln. Sie sollen vielmehr lernen, auch nach ethischen Werten zu leben – lernen, was Leben an sich bedeutet und wie sie es eigenverantwortlich und selbständig für sich selbst meistern können. Wir können sie dabei unterstützen, ihr Urteilsvermögen zu stärken und ihre geistige Orientierung zu finden – aber auch, Begeisterungsfähigkeit zu entwickeln.
Nicht zuletzt bedeuten Investitionen in die Jugend auch Investitionen in unsere eigene Zukunft. Chancengleichheit darf dabei aber nicht mit Gleichmacherei gleich gesetzt werden – und schon gar nicht mit Gleichheit in der Chancenlosigkeit.
Denn eines ist unbestritten: Die Arbeitslosigkeit ist nicht die ausschließliche Folge der Globalisierung, sondern vielmehr das Ergebnis falschen Bewusstseins und verspäteten Handelns in der Bildungspolitik. Und sie ist Folge der in dieser Republik noch immer viel zu starren, zu rigiden und zu unflexiblen bürokratischen Strukturen. Und oftmals hat man den Eindruck, dass der Staat mit seinem Bildungsauftrag überfordert ist – vielleicht auch, weil er mehr und mehr die Lasten alleine tragen muss.
Früher haben die Unternehmen noch 60 % der beruflichen Ausbildung übernommen, während 40 % in staatlicher Verantwortung lagen – heute ist es genau umgekehrt. Das heißt einerseits, dass die Unternehmen wieder mehr ihrem bildungspolitischen Auftrag gerecht werden müssen – das ist nun einmal ihre Pflicht. Das heißt andererseits aber auch, dass von staatlicher Seite aus die nötigen Voraussetzungen zu schaffen sind, damit die Unternehmen im Lande solche Investitionen wieder in größerem Umfang tätigen können.
Das Unternehmen, dem ich vorstehe, hat erkannt, wie wichtig und wertvoll es ist, in die Jugend, in ihre Aus- und Weiterbildung, sprich: in die Nachwuchsförderung zu investieren. Seit Jahren haben wir im Unternehmen überdurchschnittlich viele Auszubildende und liegen aktuell mit einer Quote von 4,4 % in der Spritzengruppe der deutschen Automobilindustrie.
Zum einen fühlen wir uns diesem Land und insbesondere auch der Region Baden-Württemberg verpflichtet. Zum anderen ist der Begriff der „deutschen Wertarbeit“ auch ein großes Kapital für uns: „Made in Germany“ besitzt auf den Märkten der Welt zu Recht einen guten Klang, weil die Menschen hierzulande engagiert, fleißig und kreativ sind.
Mit anderen Ländern, die niedrigere Löhne zahlen und deshalb auch einen niedrigeren Lebensstandard haben, können wir bei den Personalkosten nicht konkurrieren. Das wollen wir auch gar nicht. Denn in unserem Land gibt es bessere Ideen – in der Industrie, der Medizin, der Biologie, der Chemie und im Umweltschutz. Und wir können die besseren Techniken dafür entwickeln.
Diese Tatsache sollte in der Welt viel nachhaltiger bekannt gemacht werden. Denn nicht nur die Kreativität der Deutschen im Allgemeinen, sondern gerade auch die der Schwaben im Speziellen ist anerkennenswert. Hier wird getüftelt und geforscht, hier ist die literarische, künstlerische und handwerkliche Phantasie zu Hause, hier bringen die Menschen schon immer die Kraft und den Mut auf, das „Noch-nicht-Dagewesene“ zu denken und – zu machen. WENDELIN WIEDEKING

Von Wendelin Wiedeking

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