Weiterbildung 21.08.2009, 19:42 Uhr

Auf Augenhöhe mit „Leuten vom Wirtschaftsfach“  

Das technische Wissen haben sie allemal. Was karrierebewussten Ingenieuren, die an einer Beratertätigkeit Gefallen finden, meist fehlt, sind betriebswirtschaftliche Kenntnisse. An der Fachhochschule Wismar bereitet der „Master of Business Consulting“ auf die grundlegenden Herausforderungen an Berater vor. VDI nachrichten, Düsseldorf, 21. 8. 09, ws

„MBC“ – diese drei kleinen Buchstaben auf Roland Lareks Lebenslauf haben schon oft für Gesprächsstoff gesorgt. Mit seinem „Dipl.-Ing.“ in Maschinenbau kann jeder sofort etwas anfangen, doch nur wenige wissen auf Anhieb, dass MBC für „Master of Business Consulting“ steht.

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Die Fachhochschule im mecklenburg-vorpommerschen Wismar bietet diesen zweijährigen, berufsbegleitenden Masterstudiengang an – mit dem Ziel, die Absolventen fit für die Projektberatung zu machen, im Unternehmen, in Beraterfirmen oder als selbstständige Consultants. 20 % der Studenten sind Ingenieure. Larek hat schon sein Erststudium in Wismar absolviert, das Terrain war ihm also bekannt und die Qualität der Hochschule auch.

Lareks Entscheidung fiel trotzdem nicht von einem auf den anderen Tag. Bei Airbus in Bremen arbeitete der heute 32-Jährige damals. Sein Job: Die Fabrikplanung für die Rumpfmontage des A 400 M. Regelmäßig hatte er nun mit Lieferantenauswahl zu tun, mit Finanzplanung und Vertragsgestaltung.

„Irgendwann stellte ich fest: Ich war mit den neuen Aufgaben vom Techniker zum Planer und Berater geworden.“ Diese Erfahrungen teilt er mit vielen Ingenieuren, die aus dem rein technischen Bereich hinauswachsen. „Es machte Spaß, doch ich fühlte mich nicht gut genug aufgestellt, mir fehlte betriebswirtschaftliches Fachwissen“, erinnert sich Roland Larek, dessen Spezialgebiet Produktionstechnik ist. Diese Lücke habe das Studium „optimal gefüllt“.

Ein Schwerpunkt des Masterstudiengangs liegt auf der Bearbeitung von praxisbezogenen Fallbeispielen. Thomas Wilke, Professor in Wismar und Koordinator des Studiengangs, sagt: „Diese Fälle bewegen sich quer durch alle Branchen – von der Strategieanalyse für einen Automobilkonzern bis zum Sanierungskonzept für einen insolventen mittelständischen Baubetrieb. Gutes Consulting ist vor allem ein stark analytisches Geschäft. Das lernt man bei uns.“ Ein normaler MBA-Studiengang könne dies nur bedingt leisten.

Roland Larek arbeitet seit seinem Abschluss im Jahre 2007 am Institut für Werkstofftechnik der Universität Bremen und promoviert über „Die Reife von fertigungstechnischen Wertschöpfungsketten bei Gründungsvorhaben“. Er entwickelt ein Tool, „um neue Produkte und Verfahren von Gründern besser beurteilen zu können“. Das Institut, sagt Larek, lebe zu 90 % von Drittmittelprojekten, davon ein Großteil Beratungsprojekte mit der Industrie. Die knapp 11 000 € Kosten für den Master haben sich für ihn also ausgezahlt.

Da die MBC-Studenten über die Republik verstreut leben und arbeiten, beschränkt sich die Anwesenheitspflicht vor Ort auf drei Wochenenden pro Semester. Das restliche Pensum wird in Kleingruppen erarbeitet, die ihre Fallstudien und gemeinsamen Präsentationen per Video- oder Telefonkonferenz diskutieren.

Manchmal trifft man sich auch persönlich zum gemeinsamen Lernen. „Die Lerngruppen sind so aufgeteilt, dass die Mitglieder nicht allzu weit auseinander wohnen“, erklärt Carola Lammich, seit Herbst 2008 Master-Studentin an der Hochschule Wismar.

Die 42-Jährige ist Ingenieurin für Drucktechnik, lebt in Mannheim und arbeitet in leitender Position in einem britischen, weltweit agierenden Unternehmen für Print-Management. „In meinem Job habe ich viel mit Leuten vom Wirtschaftsfach zu tun. Denen möchte ich gerne Paroli bieten können“, sagt Lammich. Langfristig könne sie sich auch gut vorstellen, als selbstständige Beraterin für den Mittelstand zu arbeiten.

Ebenso wie Roland Larek profitiert Carola Lammich vom „sehr praxisnahen Ansatz“ des MBC. Positiv findet sie außerdem, dass die Hochschule Wismar Studierenden aus dem süddeutschen Raum ermöglicht, die Präsenztage in Frankfurt am Main, in für diesen Zweck angemieteten Räumen, zu absolvieren.

Wismar ist nicht der einzige Standort von Consulting-Studiengängen. Allerdings tragen sie überall andere Bezeichnungen, einige firmieren unter MBA.

An der FH Ludwigshafen etwa gibt es verschiedene Consulting-Master. Und dem Vernehmen nach scheinen die meisten gut auf den Berater-Job vorzubereiten. Der Wirtschaftsingenieur Hagen Wilzek beispielsweise ist Consultant bei der MBtech Group (Mercedes Benz Technoloy) und arbeitet in einem Projekt zum Aufbau einer Produktionsstätte in China. Dort sollen noch in diesem Jahr Fahrzeuge vom Band rollen.

Wilzek arbeitete zuvor bei Daimler im Entwicklungsprojekt der E-Klasse. In Ludwigshafen studierte er International Lean Manufacturing Consulting (ILMC). „Das Studium ist eine hervorragende Ergänzung zum operativen Tagesgeschäft und bietet die Möglichkeit, theoretisches Wissen zu International-Business- und Lean-Philosophien zu vertiefen“, hat Wilzek erfahren.

Was ihm besonders gefiel: „Die Studienreisen mit Vorlesungen und Firmenbesuchen in China und in den USA.“ Seine Beobachtungen können nun direkt in seine Arbeit einfließen.

MAREIKE KNOKE

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