Bildung

An Wissen sparen, heißt Wachstum gefährden  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 13. 1. 06, ws – Den Übergang von der Industrie- in die Wissensgesellschaft wird Deutschland verschlafen, wenn sich Politik und Gesellschaft nicht bald auf eine finanzielle und ideelle Stärkung des Bildungssystems einigen, warnt die SPD-Politikerin Ulla Burchardt.

Burchardt: Skandinavien macht es uns vor. Dort hat man den engen Zusammenhang von Bildung und Wachstum erkannt. Wachstum entsteht im Wesentlichen durch Innovationen. Je mehr Menschen fähig sind, wissenschaftlichen und technischen Fortschritt zu gestalten, desto größer ist das Wirtschaftswachstum. 70 % bis 80 % dieses Wachtums basieren auf wissensbasierten Innovationen. Je schneller sich neues Wissen ausbreitet und je schneller dies in Produkte und Dienstleistungen umgesetzt wird, desto größer ist die Wachstumswirkung von Bildung und Innovation.

VDI nachrichten: Sieht es denn so düster um die Bildung aus?

Burchardt: Das Hauptproblem ist die Stagnation des Qualifikationsniveaus seit Anfang der 90er Jahre. Deutschland ist abgekoppelt vom Trend der Höherqualifizierung. Das ist das Dramatische im Hinblick auf Wachstum und Innovation. Will man in zehn Jahren in Europa an der Spitze stehen, wie es die Bundeskanzlerin als Ziel ausgibt, geht das nur über eine neue Bildungsexpansion.

VDI nachrichten: Hat Pisa die Bedeutung von Bildung nicht bereits genügend hervorgehoben?

Burchardt: Das reicht nicht. Das Bewusstsein über den Zusammenhang von Wachstums-, Finanz- und Bildungsmisere ist in allen Teilbereichen der Gesellschaft nur unzureichend vorhanden. Die Ratschläge der Wirtschaftsexperten beschränken sich auf Sparprogramme, Deregulierung und Steuersenkungen. Die Rolle von Bildung als Schlüssel für Innovation und damit für Wachstum und Beschäftigung wird übersehen.

VDI nachrichten: Woher soll das zusätzliche Geld für Bildung kommen?

Burchardt: Wir geben in Deutschland weniger Geld für Bildung aus als andere OECD-Länder. In der Verteilung der Geldmittel spiegelt sich die alte Industriegesellschaft wider und nicht die moderne Wissensgesellschaft. Wir bräuchten eine Umverteilung in den Bereich Wissen und generell mehr Einnahmen, etwa über die Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Steuern auf hohe Einkommen. Die Steuer- und Abgabenquote liegt im OECD-Schnitt bei 36,3 %. Deutschland liegt bei 34,6 %. Die Länder, die die Beschäftigungs- und Wachstumskrise gemeistert haben, verzeichnen Quoten um 50 %.

VDI nachrichten: Bildungsreformen brauchen Zeit. Das wird ein Geduldsspiel.

Burchardt: Keineswegs. Wird im Bildungsbereich umgehend massiv in Arbeitskräfte investiert, zeigen sich sofort positive Wirkungen: Diese Menschen zahlen in Sozialversicherungskassen ein und haben Geld für privaten Konsum. Ohne einen Ausbau von der Vorschule bis zur Weiterbildung drohen Reformen aber zu scheitern. Laut Koalitionsvertrag wollen wir die Weiterbildung als vierte Säule des Bildungssystems ausbauen – und zwar auch und insbesondere für Gering- und Nichtqualifizierte. Wir haben in Deutschland zu wenige Menschen, die einen Hochschulabschluss anstreben. Ein Drittel der Bevölkerung hat keinen Schul- und Berufsabschluss.

VDI nachrichten: Im Investitionsprogramm von Peer Steinbrück spielt Bildung kaum eine Rolle.

Burchardt: Das ist ja das Traurige: Bildungspolitiker werden nicht gefragt, Probleme nicht im Zusammenhang gesehen. Die geplante Föderalismusreform verschärft die Situation im Bildungswesen. Wird Bildung nicht entsprechend gewürdigt, geraten damit zwangsläufig auch Forschung und Technikentwicklung ins Abseits.

VDI nachrichten: Das CDU-geführte NRW nimmt sich mit einem Quereinsteigerprogramm aber doch dem Lehrermangel in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern an.

Burchardt: Das ist doch nicht mehr als Mangelverwaltung. Damit löst man langfristig keine Probleme. Für die genannten Zusammenhänge von Bildung und Innovationsfähigkeit ist die sich abzeichnende Bildungspolitik in Nordrhein-Westfalen kontraproduktiv. Das System der Auslese beginnt schon beim Übergang zur weiterführenden Schule und sogar schon in der Grundschule. Wenn in Grundschulen Benchmarking eingeführt wird, wird sich jeder Schulleiter gründlich überlegen, ob er sich „Problemfälle“ in die Schule holt. So geraten Konzepte zur Förderung und Integration, etwa von Migrantenkindern oder Kindern aus bildungsarmen Familien, unter politische Räder.

VDI nachrichten: Kümmert sich die Wirtschaft ausreichend um Bildung und damit um ihren Nachwuchs?

Burchardt: Kämen die Unternehmen ihrer Verantwortung nach, genügend qualifizierte Ausbildungsplätze anzubieten, würde das ja fürs Erste vollkommen reichen. Das aber tun immer noch viel zu wenige. ws

Ulla Burchardt (SPD) ist seit Ende 2005 Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

Von Wolfgang Schmitz

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