Bildung

Am Anfang war das Wort  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 11. 06, cha – Projektanträge, Berichte, Präsentationen, Protokolle, die Arbeit in interdisziplinären Teams und der Umgang mit unterschiedlichen Zielgruppen, von Fachkollegen über Kunden bis zur Politik – das alles sind Anforderungen an die Kommunikationsfähigkeit. Sie sind in den letzten Jahren stark gewachsen und werden noch weiter zunehmen. Vorgesetzte von Ingenieuren kritisieren meist, dass Texte unzureichend präzise, schwer nachzuvollziehen und nicht auf den Leser bezogen sind. Schreibtrainings können helfen.

Der Ingenieur Christian Hopmann sagt: „Ich glaube, dass die Vielfalt der schriftlichen Dokumente zugenommen hat und auch ihre Anzahl – nicht aber ihre Qualität“. Hopmann arbeitet als Ingenieur bei den Rheinischen Kunststoffwerken (RKW AG) in Petersaurach. Im Qualitätsmanagement hat er viel mit Texten zu tun und kennt die Schwierigkeiten, die Ingenieure mit dem Schreiben haben. Vor allem fehlt häufig, „dass sie sich auf ihr Gegenüber einstellen und Sachverhalte so darstellen, dass der andere sie begreifen kann“.

Ein Symposium an der Technischen Hochschule in Aachen (RWTH) hat sich mit dem Thema befasst. Dort ist im Fachbereich Textlinguistik/Technik-Kommunikation das Projekt „Schreiben in den Ingenieurwissenschaften“ angesiedelt. Hier haben die Sprachwissenschaftler den Bedarf analysiert und entwickeln auch entsprechende Trainingsmethoden – zunächst im Studium und exemplarisch in den Fachbereichen Maschinenbau und Elektrotechnik. Im Rahmen dieses Projekts ist auch eine Studie über die „Schreibkompetenz in ingenieurwissenschaftlichen Berufen“ erarbeitet worden. Zentrales Ergebnis: Vorgesetzte kritisieren meist, dass Texte schwer nachzuvollziehen und nicht auf den Leser bezogen sind. Ingenieure haben Probleme mit dem Stil und der Organisation von Texten. Stoßseufzer eines Hochschullehrers: „Das ist eines der großen Probleme der Ingenieure, dass sie sehr schlecht dazu in der Lage sind, sich darzustellen und die Ergebnisse, die sie gefunden haben, auch zu präsentieren.“

Die Probleme mit dem Schreiben beginnen schon früh. Sie würden, so Eva-Maria Jakobs vom Institut für Sprachwissenschaft an der RWTH, gerne an die Schulen zurückverwiesen. Dort werde das Schreiben auch immer weniger unterrichtet. An den Fachhochschulen sei der Umgang mit Texten überhaupt kein Thema, auch an den meisten Universitäten nicht.

Die Assistenten, wenn sie Studentenarbeiten betreuen, arbeiten ihrerseits wieder nach den vertrauten „Copy and Paste“-Prinzipien und übernehmen einfach unreflektiert die Erfahrungen, die sie selbst gemacht haben. Es fehle generell, so die Bestandsaufnahme von Eva-Maria Jakobs, an speziellen und vor allem auch berufsbezogenen Ausbildungsangeboten.

Etwas weiter ist man in der Schweiz, wo man dank der Dreisprachigkeit ohnehin sensibler für Sprachfragen ist. Allerdings gilt auch, wie Sprachtrainer Otto Kruse formuliert: „Die Studienabgänger schreiben bemerkenswert schlecht.“

Inzwischen bieten einige Fachhochschulen Seminare an, etwa an der Hochschule für Technik in Rapperswill. Hier ist ein zweistufiges Schreibtraining fester Bestandteil der Ausbildung. Es ist methodisch eng an die Denk- und Arbeitsweise von Ingenieuren gebunden. Das Schreiben von Projektberichten steht im Zentrum. Annette Verhein-Jarren, die diese Ausbildung entwickelt hat, arbeitet derzeit an einem „elektronischen Werkzeugkasten“, in dem einmal Mustertexte und Modelle für Textaufbau bereitliegen sollen.

Ein weiter gefasstes Training und Text-Coaching für Studenten wird an der Kopenhagener Wirtschaftsuniversität in so genannten „Kommunikationswerkstätten“ praktiziert. Es basiert auf einer Einsicht, wie sie Tine Trowe, die Leiterin des Sprachnetzwerks der Ingenieurfirma Cowi, formuliert: „Wir leben von unserer Glaubwürdigkeit und deshalb ist es wichtig, dass unsere Kommunikation in Ordnung ist.“ Eine Firma, die schlecht schreibt, liefert vielleicht auch schlechte Produkte.

Wirksam wird der gekonnte oder ungeübte Umgang mit Texten auch bei den E-Mails. Elektronische Post als Kommunikationsform verleitet zu Ungenauigkeit und Flüchtigkeit. Interpunktion, Rechtschreibung und auch Logik werden oft vernachlässigt. „Man muss sich selbst disziplinieren beim Schreiben“, so die Erfahrung von Christian Hopmann, „und daran denken, dass es darum geht, sich dem anderen verständlich zu machen und nicht darum, ein Problem vom Tisch zu kriegen.“ Wenn man bei missverständlichen E-Mails noch einmal rückfragen, gar zum Telefonhörer greifen muss, verwandelt sich die schnelle Post schnell wieder zu langsamer Post.

Und noch ein Anliegen hat Christian Hopmann. Es sei, gerade auch in technischen Berufen, extrem wichtig, Fremdsprachen zu können: „Aber man darf darüber hinaus die eigene Muttersprache nicht vergessen.“ F. WOLF

„Copy and Paste“-Prinzipien gelten auch für die Assistenten an den Universitäten

Von F. Wolf

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