Hochschule

Zwischen Humboldt und Tagesgeschäft  

VDI nachrichten, Leipzig, 11. 11. 05 – Schulungen an unternehmenseigenen Hochschulen kommen hierzulande fast ausschließlich dem Führungspersonal zugute. Die Zielsetzungen der einzelnen „Corporate Universities“ sind jedoch nicht immer dieselben. Auf der Leipziger Tagung „Vom Nutzen und Nachteil der Corporate University“ verglichen Vertreter firmeneigener Hochschulen ihre jeweiligen Standpunkte.

Die Weiterbildungswelle hat in den letzten Jahren nicht nur an Hochschulen, sondern auch in Unternehmen deutliche Spuren hinterlassen. Der riesige Markt wurde ausgewaschen, zahlreiche Anbieter haben kapituliert, häufig, weil sie wenig Gespür für den aktuellen Bedarf entwickelten. Eine einheitliche Stoßrichtung ist auch bei den Corporate Universities, den an großen Unternehmen angesiedelten Hochschulen, nicht vorhanden.

Der Selbstfindungsprozess ist schwierig, weil in den Unternehmen unterschiedliche Ansätze bestehen. Das zeigte vor wenigen Wochen ein Kolloquium an der Handelshochschule Leipzig, an der mehr als 30 Experten, darunter Vertreter der firmeneigenen Bildungsakademien, teilnahmen.

„Nach dem Boom bis 2000 stagniert die Entwicklung in den Unternehmen. Einige haben sich sogar von einer eigenen Corporate University verabschiedet“, konstatiert Matthias Klumpp, Vorstand des Beratungsunternehmens Campus Sapiens.

Nach den Ergebnissen einer Umfrage unter den 120 größten Unternehmen leistet sich rund ein Drittel davon fest strukturierte Akademien, rund ein Drittel verfügt über adäquate Qualifizierungsstrukturen, jedoch ohne feste Struktur im Unternehmen und rund ein Drittel setzt ausschließlich auf externe Qualifizierungsmöglichkeiten.

Diejenigen aber, die weiterhin auf Corporate Universities setzen, haben dieses Bildungsinstrument fest etabliert. Klumpp: „Was heute vorhanden ist, besitzt eine ungleich höhere Qualität und Kompetenz und insofern auch einen deutlich höheren Nutzen für die Unternehmen, die einen erheblichen Finanzaufwand betreiben.“

An seiner Grundthese, dass neben den vier fundamentalen Säulen der Corporate University – Weiterbildungs-, Forschungs- und Kooperationsmanagement sowie ein Strategiebeitrag bis hin zu indirektem Einfluss auf Entscheidungsprozesse – auch so etwas wie das Humboldtsche Ideal der Bildung herrschen sollte, entzündete sich heftiger Streit. Die Unabhängigkeit einer Corporate University, mit der Klumpp die „Freiheit, auch mal suchen und spinnen zu dürfen“ verbindet, wird in der Praxis offenbar weniger als realistisch angesehen.

„Wir müssen natürlich zweckgerichtet agieren, müssen effizient und mitunter in kürzester Zeit auf Problemstellungen reagieren und haben auch nicht das, was man in der herkömmlichen Weise mit dem Begriff Forschung gleichsetzen könnte“, berichtet Uwe Gottwald, Geschäftsführer der Deutsche Bahn Akademie. Wenn Unternehmen langfristig Millionen in die Bildung investieren, dann wollten sie Sicherheit, „weder Quasselbude noch Aktenlager“, meint Carsten Bartsch, Vorstand der Weserbergland AG.

Gewünscht ist aber kreative Unruhe. Bartsch: „Unruhe im Sinne eines Uhrwerks, bei dem bestimmte Bahnen festgelegt sind, die aber antreibt“. Die Freiheit der Forschung lasse sich an einer Corporate University kaum umsetzen, relativiert Bernward Böning vom Robert-Bosch-Kolleg. Wohl aber habe die Institution die Pflicht, gelegentlich Irritationen auszulösen. „Eine CU hat eine hohe Verantwortung für die Schärfung des Blickes auf das eigene Unternehmen“, mahnt Klaus Lieberam von der Lufthansa Business School.

Dabei ist es schwer, für alle geltende Maßstäbe zu benennen, da nicht nur die Unternehmensphilosophien unterschiedlich sind, sondern auch die Herausforderungen. Bernhard Küppers vom Finanzdienstleister MLP sieht die Aufgabe der CU in seinem Unternehmen zuallererst in der schnellstmöglichen Schulung der sich rasch ändernden Rahmenbedingungen. „Würden oder könnten wir nicht schnell auf neue Regelungen wie die Riester-Rente oder das Alterseinkünftegesetz reagieren und die Mitarbeiter fit halten, würde das Unternehmen praktisch stillstehen.“ 60 000 Schulungstage für die Mitarbeiter wurden deshalb angeboten.

Anders bei der Post, wo die Akademie sich vor allem um die 1200 Manager der oberen Ebenen kümmert und seit Jahren vor allem mit dem Thema der vielen und oftmals sehr großen Unternehmens-Zukäufe die Integration des Führungspersonals vorantreibt.

Während viele Firmen-Universitäten – die sich übrigens aus namensrechtlichen Gründen nicht als „Universität“ bezeichnen dürfen – nur relativ wenig mit den öffentlichen Hochschulen kooperieren, funktioniert die Zusammenarbeit mit privaten Hochschulen offenbar reibungslos. So arbeitet der Gastgeber, die privat finanzierte Handelshochschule in Leipzig, mit zwei Corporate Universities zusammen. In diesem Jahr seien bereits erfolgreich Seminare durchgeführt worden. Man habe durch die Tagung weitere Einrichtungen auf das Potenzial aufmerksam machen wollen, erklärt Hochschul-Geschäftsführer Hans Georg Helmstädter.

Das erklärte Ziel einiger Corporate Universities, sich auch unabhängig vom Konzern zu bewegen und sich in Richtung Brancheninstitut zu entwickeln, wie etwa die Wolfsburger „Auto-Uni“ von VW, sehen die Bildungsmanager hingegen skeptisch. „Es mag ja sein, dass sich auch mal ein BMW-ler nach Wolfsburg verirrt und hier auch mehr übergreifende Themen bearbeitet werden, aber letztlich bleibt doch die Nähe zu VW spürbar“, so Klumpp. Ob man sich zudem finanziell als reine Privat-Universität wirtschaftlich behaupten könne, müsse sich erst erweisen. MANFRED SCHULZE

Von Manfred Schulze

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