Hochschule

Zwischen Elfenbeinturm und Berufsschule

Wie wohl die Hochschule der Zukunft aussieht? Auf jeden Fall autonomer als vor gut zehn Jahren. Darüber sind sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig. Während die einen für einen forcierten Wettbewerb und universitäre Eigensteuerung plädieren, setzen die anderen auf Selbstverantwortung unter staatlicher Kontrolle.

Als das Centrum für Hochschulforschung (CHE) sein Ideal der „unternehmerischen Hochschule“ entwarf, trat die der Bertelsmann Stiftung nahe stehende „Reformwerkstatt“ eine lebhafte Diskussion um die Zukunft von Lehre und Forschung los.

Zahlreiche Kritiker der unternehmerischen Hochschule saßen im Publikum, als die gewerkschaftsnahe Hans Böckler Stiftung jüngst zur Tagung „Hochschule der Zukunft“ nach Berlin rief. Um ein Ergebnis vorweg zu nehmen: Dass Hochschulen im Reformprozess an Autonomie gewinnen sollten, ist bei Arbeitgebern wie Arbeitnehmern unstrittig. Wie weit diese zu gehen habe, bleibt umstritten. Unter dem Strich sind die Übereinstimmungen in Fragen von Internationalität, Weiterbildung und Öffnung der Hochschulen auch für Berufstätige ohne Abitur groß.

Die Autonomie der Hochschulen sei nur eine scheinbare Freiheit, meinte Klaus Böhme von ver.di. Die akademische Freiheit sei gefährdet, wenn sich die Hochschulen vom Wettbewerb abhängig machten, der durch Drittmittel und staatliche Fördertöpfe bei gleichzeitiger Unterfinanzierung der Hochschullandschaft angeheizt werde. Die daraus resultierende finanzielle Ungewissheit münde in ein wissenschaftliches Prekariat, das mit befristeten Verträgen und schlechter Bezahlung abgespeist werde, so Wolf Jürgen Röder von der Otto Brenner Stiftung, der Wissenschaftsstiftung der IG Metall.

Freiheit brauche Kontrolle, mahnte Gesine Schwan, Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance in Berlin. Der Gedanke, der Wettbewerb werde es richten, greife zu kurz. „Es ist Quatsch zu glauben, mit Feuer unter dem Hintern wachse zwangsläufig die Leistung und zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse motivierten zusätzlich.“

Wer sich nicht ausreichend engagiere, sollte sich mit Forderungen zurückhalten, sagte Andreas Keller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): „Die Wirtschaft hat ihr Versprechen nicht gehalten, Stipendien zu bezahlen.“ Es sei nicht zulässig, bei „kleinen finanziellen Zugeständnissen übermäßige Mitsprache“ einzufordern.

Mehr Einfluss versuche die Wirtschaft über Hochschulräte aufzubauen, die als Kontrollgremien große gesellschaftliche Breite widerspiegeln sollten, in der Realität aber meist von Unternehmensvertretern besetzt seien, ergänzte Böhme.

An der Effizienz der Hochschulräte hat Hochschulforscher Peer Pasternack generell Zweifel: „Sie bauen auf der Fiktion auf, sie seien kompetent. Das ist nicht so.“ Pasternack überspitzte: „Die Mitglieder bereiten sich auf der Anfahrt zu einer Sitzung des Hochschulrates darauf vor – je länger die Anfahrt, desto besser vorbereitet sind sie.“ Das sei ein Beispiel, wie der Bologna-Prozess formal bedient und inhaltlich unterlaufen würde.

Der Staat solle sich aus Steuerungsprozessen weitgehend zurückhalten, denn nur die Wissenschaft wüsste, was wissenschaftlich wertvoll ist, erläuterte Christiane Konegen-Grenier die Vorstellung des Instituts der deutschen Wirtschaft. Letztlich lebe die Hochschule von der Trias aus Autonomie, Staat und Wettbewerb. Ein Eckpfeiler autonomer Hochschulen seien Studiengebühren, ergänzte Barbara Dorn von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände: „In Bundesländern mit Gebühren ist die Zufriedenheit der Studierenden gestiegen.“

Die Forderung, den Studierenden Masterstudiengänge in großer Zahl und ohne Auflagen zu ermöglichen, hält Dorn für überflüssig: „Wenn sich die Bachelorstudiengänge im Bewusstsein von Unternehmern und Studenten als berufsbefähigende Abschlüsse durchgesetzt haben, wird die Master-Nachfrage sinken.“ Den Vorwurf, die Wirtschaft kümmere sich einseitig um die Förderung technischer und naturwissenschaftlicher Fächer, wies sie zurück, betonte aber mit Verweis auf den Arbeitsmarkt: „In keinem anderen Bereich ist es so wichtig, junge Menschen zum Studium zu motivieren.“

Die Selbstfindung der Hochschulen „zwischen wissenschaftlichem Elfenbeinturm und Berufsschule“ als Ausbildungsstätte von Unternehmen sei noch nicht beendet, meinte Lothar Zechlin von der Universität Duisburg-Essen. W. SCHMITZ

Von W. Schmitz

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