Numerus clausus

Zugangsbeschränkungen schrecken Ingenieurnachwuchs ab

Nahezu die Hälfte aller Studiengänge in Deutschland hat eine Eingangshürde in Form des Numerus clausus. Darunter sind viele Fächer, deren Absolventen von der Wirtschaft dringend gebraucht werden, ergab eine Studie. Die Schwierigkeiten der Ingenieur-Branchen, Nachwuchs zu finden, werden so noch einmal verschärft.

Erstsemester sitzen in einen Hörsaal der Universität Kassel und nehmen an der Einführungsveranstaltung in Maschinenbau teil. Insgesamt haben bundesweit rund 40 Prozent der Studiengänge in Ingenieurwissenschaften einen Numerus clausus.

Erstsemester sitzen in einen Hörsaal der Universität Kassel und nehmen an der Einführungsveranstaltung in Maschinenbau teil. Insgesamt haben bundesweit rund 40 Prozent der Studiengänge in Ingenieurwissenschaften einen Numerus clausus.

Foto: dpa/Uwe Zucchi

Insgesamt haben bundesweit rund 40 Prozent der Studiengänge in Ingenieurwissenschaften einen Numerus clausus. In Thüringen ist die Quote mit sieben Prozent am niedrigsten. In Bremen, Berlin und im Saarland ist sie am höchsten: Für mehr als 70 Prozent der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge müssen die Studenten dort erst einmal die Eingangshürde überwinden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „CHE Numerus Clausus-Check 2013/14“ des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) aus Gütersloh.

Zugangsbeschränkungen verschärfen Fachkräftemangel

Bei den Zugangsbeschränkungen gibt es enorme Unterschiede zwischen den Bundesländern. Laut Studie liegen alle ostdeutschen Länder unter dem Bundesdurchschnitt, Thüringen etwa mit 26,2 Prozent. In den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg sind dagegen ungefähr zwei Drittel aller Studiengänge zulassungsbeschränkt.

Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE, kritisiert vor allem die Zulassungsbeschränkungen in den MINT-Fächern Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften. „Unsere Studie zeigt, dass der akute Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt weniger an den Studenten liegt, die diese Fächer verschmähen, sondern auch daran, dass viele gar nicht zum Studium zugelassen werden“, sagt er.

„Da tickt eine Zeitbombe“

63.700 freie Ingenieurstellen gab es Anfang des Jahres. Jeder fünfte Ingenieur ist nach Berechnungen des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) älter als 55, nur ein knappes Fünftel ist jünger als 34. „Da tickt eine Zeitbombe“, sagte VDI-Präsident Udo Ungeheuer auf der Hannover Messe. 

50.000 Ingenieure scheiden pro Jahr altersbedingt aus, konjunkturbedingt werden jährlich zusätzlich weitere 40.000 neue Ingenieure benötigt, ergab eine Studie, die der VDI zusammen mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln erstellte.

Studie will künftigen Studenten Orientierung geben 

Die CHE-Studie richtet sich vor allem an die künftigen Studierenden. Sie soll ihnen die Möglichkeiten aufzeigen, wo sie ihr gewünschtes Studium beginnen können, wenn ihr Notendurchschnitt an der Wunsch-Uni oder Fachhochschule nicht ausreicht. „Gerade im Osten Deutschlands finden die Studierenden viele Angebote mit freiem Zugang. Die großen Unterschiede zwischen den Ländern müssen transparent gemacht werden“, sagt Frank Ziegele. Das sei zum einen für die hochschulpolitische Diskussion über die Auswirkungen steigender Studierendenzahlen wichtig, zum anderen für „diejenigen, die ein NC in erster Linie betrifft – die Studieninteressierten“.

Ein Beitrag von:

  • Andrea Ziech

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