Nachwuchsförderung

Zeit und Raum für Experimente  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 5. 08, jdb – Der IdeenPark 2008 ist Erlebnis- und Experimentierfeld für Ingenieure von morgen. Noch bis zum kommenden Sonntag will ThyssenKrupp auf der Messe Stuttgart junge Menschen für Technik begeistern.

Auf der Wiese zwischen den Messehallen schlagen Kinder Purzelbäume, während ihre Eltern bei einem Kaffee verschnaufen. Das Atrium ist voller Zuschauer, die darauf brennen, die kniffligen Fragen der Moderatorin zu beantworten. Und durchs Foyer strömen unaufhörlich weitere Familien, Kinder- und Jugendgruppen in die Messehallen, um die über 200 Exponate und Experimentierstationen zu erobern.

Der IdeenPark, Deutschlands größte Technik-Erlebnisschau, ist zu Gast in Stuttgart. Alle zwei Jahre lädt ThyssenKrupp zu diesem Groß-Event ein, um Kinder und Jugendliche für Technik zu begeistern und sie zu einem ingenieurwissenschaftlichen Studium oder einer technischen Berufsausbildung zu motivieren, zuletzt in Gelsenkirchen und Hannover.

Viele Besucher nehmen einen weiten Weg in Kauf, wie die Familie Gerhards aus Großrinderfeld. Am Startpunkt der Kinderexpedition holt sich Sohn Jan erst mal seine Entdeckerkarte ab. Sie zeigt dem Neunjährigen anhand von Quizfragen den Weg durch die sieben Lebenswelten. Als Erstes geht es ins Erdinnere. Der Andrang ist groß, doch nach ein paar Minuten Wartezeit tritt er durch den rot-glühenden, grollenden Felstunnel ein. Wie bohrt man Löcher durch Berge? Mit großen Bohrköpfen – ist doch klar! Jans Laune steigt, als er die erste Quizfrage beantworten kann.

Das 3 m lange Modell einer Tunnelvortriebsmaschine steht gleich nebenan und Marcus Fuchsschwanz von der RWTH Aachen erklärt, wie sie funktioniert: „Die Maschine ist real 120 m lang, hat einen Durchmesser von 15,20 m und kann von zehn Personen gefahren werden, die sich innerhalb ihrer drei Stockwerke bewegen.“ Marcus Fuchsschwanz ist einer von rund 500 Ingenieuren, Forschern, Tüftlern und Studierenden, die im IdeenPark sind, um ihr Wissen mit den Besuchern zu teilen.

In der nächsten Lebenswelt können Kinder und Jugendliche darüber staunen, was Ingenieure alles von der Natur lernen können, zum Beispiel vom Sandfisch, Scincus albifasciatus. „Er braucht nur 0,3 s, um im Sand abzutauchen und kann 1 m tief im Sand schwimmen“, erklärt Abdullah Regabi vom Bionik-Institut der TU Berlin.

Die Schuppen des Sandfischs besitzen Mikroschwellen, die quer zur Bewegungsrichtung verlaufen. Diese Mikrostruktur dient als Vorbild für die Entwicklung von Oberflächen mit minimaler Reibung und Verschleiß. Wie sie genau aussieht, das lassen sich Yanik, Jana und Celine aus Mutlangen in fünftausendfacher Vergrößerung am Mikroskop zeigen. Unterdessen lockt Abdullah den Sandfisch im Terrarium an die Oberfläche und ist sofort von Kindern umringt.

In der Lebenswelt zur Wüste erfahren die neugierigen Beobachter später, wie sich eines Tages auch Nicht-Reptilien komfortabel durch den Sand bewegen könnten, nämlich auf dem „Desert Liner“, einer geländegängigen, etwa 40 m langen Yacht mit Spezialantrieb.

Und wo könnte der Schlangenroboter helfen? Jan und sein Vater gucken das mehrgliedrige Hightechwesen von der Uni Bochum in Aktion an. Gute Dienste könnte es vielleicht bei der Inspektion von Rohrleitungen leisten.

An der Station „Bitte Lächeln“ bemüht sich derweil ein Computer per Kamera die Stimmung junger Probanden an ihren Gesichtern abzulesen. Sechs typische Mimiken – Überraschung, Lachen, Ärger, Abscheu, Angst und Trauer – kann das System erkennen, vorausgesetzt die Lichtverhältnisse sind gut und die Zielperson sitzt einen Moment still.

Sportlich geht es an einigen Stationen der Lebenswelt „Im Wasser und im ewigen Eis“ zu, etwa beim Renn-Bob von André Lange und Karl Angerer. Die beiden Weltklassesportler wissen, wie wichtig die Kufen für die Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit ihres Renngefährts sind, und zeigen dem Publikum, worauf es bei Material und Schliff ankommt.

Im Vergleich zu den beiden Eissportathleten sieht der 23 m lange Sky-Dragon „Im Luft- und Weltraum“ ziemlich schlapp aus. Andreas Kunze von der Uni Stuttgart erklärt, warum: „Wenn wir das Luftschiff nicht prall füllen, muss die Außenhaut einem geringeren Druck standhalten und wir können leichteres Material verwenden.“ Das Einsatzgebiet des Höhenluftschiffs soll die untere Stratosphäre sein. Dort kommt es auf jedes Gramm an, denn wegen der geringeren Luftdichte trägt 1 m3 Helium nur noch ein Vierzehntel des üblichen Gewichts.

Wenn es gelingt, das Problem der dauerhaften Energieversorgung zu lösen, könnten 230 m lange Sky-Dragons als fliegende Mobilfunksender fungieren, die einen Umkreis von 50 km bis 200 km abdecken. Verwundert betrachtet die achtjährige Chantal aus Sindelfingen die fünfgliedrige Hülle des Luftschiffs. Lange dauert das allerdings nicht, denn sie muss gleich „weiter zur Expedition auf den Mars“.

Während Chantal die weite Reise antritt, durchstreifen am Spätnachmittag hier unten auf der Erde immer noch tausende Kinder und Jugendliche die sieben Lebenswelten oder beteiligen sich an einer der vielen Bastel- und Experimentieraktionen in der „SchlauLoPolis“-Halle. Junge Nachwuchswissenschaftler sind eben vielseitig interessiert, und da muss man schon ein bisschen Zeit mitbringen, um alles in Ruhe zu erforschen. Aber zum Glück hat der IdeenPark ja noch bis zum Ende der süddeutschen Pfingstferien am 25. Mai geöffnet. SILVIA SCHLEIDER

www.zukunft-technik-entdecken.de

Von Silvia Schleider

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