Hochschule 14.08.2009, 19:42 Uhr

Wo Professoren in die Lehre gehen  

Jeder Student weiß: Nichts ist langweiliger als Vorlesungen aus alten Büchern. In solchen Stunden sinken Motivation und Konzentration auf ein Minimum. Nicht so bei Lesungen, bei denen Professoren von aktuellen Projekten aus der Praxis berichten. Das belebt das Interesse gewaltig, stellt die Hochschule Esslingen immer dann fest, wenn ein Professor von einem Fortbildungssemester zurückkommt. VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 8. 09, ws

„Seit zehn Jahren verspricht die Industrie, Brennstoffzellen als alternativen Antrieb in einer Großserie für Autos auf die Straße zu bringen“, sagt Rolf Scherzer. Bislang habe es noch keiner geschafft, doch jetzt werde es ernst. „Ab 2012 geht bei einem großen süddeutschen Automobilhersteller eine Brennstoffzelle in etwa 10 000 Pkw in Serie.“

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Scherzer ist daran beteiligt, denn zurzeit absolviert er sein Fortbildungssemester bei Fischer Precise in Stuttgart. Das Unternehmen entwickelt einen Elektro-Turbo-Verdichter für den Fahrzeughersteller aus der Nachbarschaft.

Eine Brennstoffzelle braucht mindestens so viel Sauerstoff wie ein herkömmlicher Verbrennungsmotor. Das heißt, dass das Aggregat mit hohen Mengen an Luft versorgt werden muss, im vorliegenden Fall geht es um 100 g Luft pro Sekunde.

Um das leisten zu können, ist eine Welle notwendig, die 100 000 Umdrehungen pro Minute verkraftet und das bei Temperaturen von 120 °C bis 150 °C. „Das wiederum erfordert eine anspruchsvolle Lagertechnik, die uns an die Grenze des technisch Machbaren führt“, meint Scherzer.

Diese Herausforderung reizte ihn an dem Projekt so sehr, dass er sich in dem Unternehmen für das Fortbildungssemester bewarb.

Solche Bildungsangebote gehören an der Hochschule Esslingen zur Tagesordnung. „Einer unserer 24 Professoren aus der Fakultät Fahrzeugtechnik ist immer außer Haus“, weiß Christof Wolfmaier, Dekan der Fakultät.

Die Grundlage dafür liefert einerseits das Landeshochschulgesetz Baden-Württemberg. Hierin ist verankert, dass jeder Professor in einem Turnus von vier bis fünf Jahren das Anrecht auf ein Fortbildungssemester hat. Andererseits gibt die Praxis dem Gesetz recht: „Die Kollegen sprühen bei ihrer Rückkehr vor Engagement“, erläutert Wolfmaier.

Davon wiederum profitieren die Studenten. „Weil wir Vorlesungen evaluieren, wissen wir, dass die Dynamik nach Fortbildungssemestern zunimmt“, sagt der Dekan. Er empfiehlt auch jungen Kollegen, diese Art der praktischen Fortbildung in ihre berufliche Lebensplanung aufzunehmen, „weil es der Lehre gut tut“.

Das Fortbildungssemester kann maximal bis zu sechs Monate dauern

Nach Auskunft der Hochschulrektorenkonferenz sind Fortbildungssemester lediglich in den Hochschulgesetzen von Baden-Württemberg und Sachsen verankert. Dennoch haben Professoren auch in den anderen Bundesländern die Pflicht, sich fortzubilden, allerdings können sie sich dafür nicht freistellen lassen. Wie immer, gibt es auch hier Ausnahmen von der Regel, wie die Konferenz weiter mitteilt: Für Hochschullehrer auf Zeit und Fachhochschulprofessoren bestehen teilweise diese Möglichkeiten.

In Baden-Württemberg ist der Ablauf eindeutig und klar, wie Wolfmaier weiß: Der Kollege kommt mit seinem konkreten Wunsch auf den Dekan zu, der trägt ihn in den Fakultätsrat, wo darüber beschlossen wird. Wird dem Antrag zugestimmt, übernehmen Kollegen die Vertretung des Professors oder er muss Lehrbeauftragte akquirieren.

Das Fortbildungssemester kann maximal bis zu sechs Monate dauern, so lange eben, wie ein Semester geht. Während dieser Zeit laufen die Bezüge und die Sozialversicherung weiter. Wolfmaier bezeichnet Fortbildungssemester als eine symbiotische Beziehung: „Die Firma bekommt umsonst eine hoch qualifizierte Arbeitskraft, die überdies die Sicht von außen mitbringt, was häufig über Consulting teuer eingekauft wird. Und die Professoren bringen ihre praktische und theoretische Erfahrung in Projekte ein, woraus ein Mehrwert entsteht.“ Die Erkenntnisse fließen anschließend in die Vorlesungen ein. So wird aktuelle Praxis in zeitgemäße Theorie umgesetzt.

„Wir profitieren in vorher nicht geahnter Weise von der Anwesenheit von Herrn Scherzer“, sagt Peter Jain, Geschäftsführer von Fischer Precise. Für das Unternehmen war es das erste Mal, dass ein Professor hier sein Fortbildungssemester verbrachte.

Die Beziehungen zur Firma und zum Projekt sind damit aber noch lange nicht beendet. „In meinem vorherigen Praxissemester war ich bei Daimler und habe an der Entwicklung eines Acht-Gang-Schaltgetriebes für Nutzfahrzeuge mitgearbeitet. Über das Thema wurden anschließend mehrere gute Diplomarbeiten geschrieben, einige meiner Studenten arbeiten heute in der Abteilung.“

Bei Fischer Precise will er es ähnlich handhaben, außerdem im Rahmen seiner Nebentätigkeit dem Unternehmen für einen Tag pro Woche zur Verfügung stehen. „Unsere 18 Semesterwochenstunden lesen wir an vier Wochentagen, einen Tag dürfen wir für solche Tätigkeiten nutzen“, sagt Scherzer. Dass er während seines Fortbildungssemesters einen ehemaligen Studenten bei Fischer Precise traf, hat ihn besonders gefreut. Man trifft sich halt doch mindestens zweimal im Leben. PETER ILG

Ein Beitrag von:

  • Peter Ilg

    Peter Ilg ist freier Journalist und verfasst Texte über Arbeitsmarkt und Berufe, Mobilität und Fahrberichte, Wirtschaft und Märkte.

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