Forschungskooperation

Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten Hand in Hand

Die Förderinitiative „Forschungscampus“ fördert den Aufbau von öffentlich-privaten Partnerschaften unter einem Dach, wobei Unternehmensmitarbeiter und Wissenschaftler Hand in Hand forschen. Das Bundesforschungsministerium zeichnete zehn Projekte aus, drei davon sind in Berlin beheimatet.

Beim Forschungscampus arbeiten Wirtschaft und Forschung zusammen.

Beim Forschungscampus arbeiten Wirtschaft und Forschung zusammen.

Foto: RWTH Aachen

VDI nachrichten, Berlin, 14. 12. 12, cer

Stellen wir uns vor, es gäbe ein Tool für Blutuntersuchungen, mit dem sich bislang nur schwierig zu diagnostizierende Krebserkrankungen künftig schnell erkennen und somit auch schneller behandeln ließen. Und stellen wir uns, drittens, vor, wir lebten in einer Region, in der ein eigenes CO2-produzierendes und teuren Kraftstoff schluckendes Auto überflüssig wäre, weil wir mit einem optimalen Mix aus öffentlichen Verkehrsmitteln und Elektroautos ausgestattet wären.

An der Umsetzung dieser und anderer Ideen arbeiten Berliner Wissenschaftler mit Hochdruck. Sie verteilen sich auf drei Forschungs-Campus-Modelle – Public-private-Partnerships zwischen Universitäten und Unternehmen. Es sind drei von insgesamt bundesweit zehn, die vor Kurzem vom Bundesforschungsministerium (BMBF) für eine millionenschwere Förderung ausgewählt wurden. Berlin war als Standort besonders erfolgreich.

Bis zu 20 Mio. € und mehr BMBF-Mittel können „Connected Living/Connected Technologies“ (Technische Universität Berlin), „Mathematical Optimization and Data Analysis Laboratory – Modal AG“ (Freie Universität/Zuse-Institut) und „Euref“ (ebenfalls TU Berlin) in den kommenden zehn bis 15 Jahren erwarten (eine vollständige Liste und Beschreibungen aller Gewinner sind auf den Seiten des BMBF abrufbar).

Spätestens ab 2020 sollen in Deutschland jährlich 3 % des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung fließen. „Doch das funktioniert nur, wenn Wirtschaft und Wissenschaft an einem Strang ziehen“, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bei der Preisverleihung.

Der Wettbewerb verknüpft die Geldspritze mit etlichen Voraussetzungen: Auf dem einzurichtenden Forschungscampus forschen und entwickeln Wissenschaftler nicht nur virtuell, sondern tatsächlich räumlich vereint, Seite an Seite mit Unternehmensmitarbeitern. Die Partner müssen zudem eine deutliche finanzielle Eigenleistung in Form von Drittmitteln oder Investitionen erbringen auch gibt es die Förderung zunächst nur unter Vorbehalt – nach einer einjährigen Vorphase wird das Konzept erneut begutachtet.

Für die Entscheidung der Jury, zu der unter anderen Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), und Wolfgang Wahlster vom Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz gehörten, waren als weitere Kriterien gesellschaftlich relevante Forschungsthemen, Interdisziplinarität und eine ausgewogene Mischung aus Grundlagen- und anwendungsbezogener Forschung ausschlaggebend.

Die Berliner Unis, vor allem die TU, haben sich in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren zum Musterschüler entwickelt. Alle drei Vorhaben erfüllen die Wettbewerbskriterien geradezu lehrbuchhaft: Ingenieure und Mathematiker arbeiten gemeinsam mit Chemikern, Physikern, Medizinern, Biologen, Architekten oder Sozialwissenschaftlern. Zudem sind „Smart Grids“ – intelligente Vernetzungen – E-Mobility und die Optimierung der medizinischen, der Verkehrs- wie der Energieversorgung Themen, die angesichts von Rohstoffknappheit, Klimawandel und demografischem Wandel unter den Nägeln brennen.

Die drei Berliner Projekte:

1. „Connected Living/Connected Technologies“, TU Berlin, Partner: Connected Living e.V., Deutsche Telekom u.a.

Will man Sahin Albayraks Forschungsfeld beschreiben, trifft es „smart“ wohl am besten. Der Informatiker ist Leiter des DAI-Labors (Distributed Artificial Intelligence Laboratory) der TU und hat dort den Lehrstuhl für Agententechnologien in betrieblichen Anwendungen und der Telekommunikation (AOT) inne.

Er ist zudem Mitgründer der Forschungseinrichtung T-Labs der Deutschen Telekom und gründete das Innovationszentrum Connected Living e.V., das bereits seit einigen Jahren an den Themen forscht, die jetzt der von Albayrak angeschobene Forschungscampus in den Fokus nimmt. Dieser soll mitten auf dem TU-Campus am Ernst-Reuter-Platz entstehen und wird an neuen Entwicklungen rund um das Thema „Smart Home“ arbeiten.

Dazu gehören miteinander vernetzte Haushaltsgeräte ebenso wie ein personalisiertes Gesundheits- und Ernährungsmanagement, das jeder User über PC, Tablet-PC oder Smartphone maßgeschneidert nutzen kann. „Der demografische Wandel, der in den kommenden Jahrzehnten zu einem steigenden Anteil älterer und alter Menschen in der Gesellschaft führt, macht intelligente und vernetzte Lösungen erforderlich“, sagt Albayrak. „Sie sollen dabei helfen, im Alter noch lange unabhängig und mobil zu bleiben.“ Herauskommen sollen am Ende, so Albayrak, „völlig neue Anwendungsszenarien für die Mensch-Geräte-Kommunikation“. Dazu gehören der Einsatz und die Weiterentwicklung von Robotern – auch für das häusliche Umfeld.

2. „Mathematical Optimization and Data Analysis Laboratory – Modal AG, FU Berlin/Zuse-Institut für Informationstechnik (ZIB), Partner: u. a. DB Fernverkehr, Open Grid Europe, OGE.

Der Mathematiker, Martin Grötschel, Präsident des ZIB und langjähriger Sprecher des international renommierten DFG-Forschungszentrums Matheon, wirkt aufgekratzt wie ein Teenager, wenn er von „seinem“ sich entwickelnden Forschungscampus im beschaulichen Dahlem, in direkter Nachbarschaft der FU, berichtet: „Mit der Modal AG werden wir eine Dienstleistungs-Schnittstelle zwischen all unseren geplanten und künftigen Projekten schaffen eine kleine AG ist vermutlich das passende Rechtskonstrukt dafür, verwaltungstechnische Bedenken bestehen jedoch noch.“

Die Projekte lassen sich bislang grob in die Bereiche Bahn-Lab, Gas-Lab oder Med-Lab unterteilen. Im Bahn-Lab wird es um die Optimierung von Fahrplänen, Zugeinsätzen oder Sicherheitsvorrichtungen gehen. Im Gas-Lab entwickeln Wissenschaftler und Industrieforscher neue Möglichkeiten, Gas störungsfrei und schneller durch Pipelines zu transportieren. Das Med-Lab beschäftigt sich mit den bereits erwähnten neuen Diagnosemethoden. Dreh- und Angelpunkt all dieser Projekte ist jeweils eine Software, die Mathematiker und Informatiker mithilfe verschiedener anderer Disziplinen entwickeln.

3. „Euref“ – Nachhaltige Energie- und Mobilitätsentwicklung durch Kopplung intelligenter Netze und Elektromobilität, TU Berlin, Partner: u. a. Schneider Electric.

In Berlin-Schöneberg entsteht derzeit der dritte Berliner Forschungs-
campus: „Euref“ ist ein Modell-Quartier für nachhaltiges Wohnen, Energiemanagement und Mobilität. In diesen „Living Labs“ soll die Elektromobilität ganzheitlich erforscht werden, energietechnische Ansätze werden mit Mobilitäts- und urbanen Konzepten gekoppelt.

Soll heißen: An den bereits existierenden und noch zu bauenden (Büro-)Gebäuden wird erprobt, wie in einigen Jahrzehnten Stadtviertel oder gar Städte energiesparend gestaltet sein können. „Alle Gebäude werden jeweils mit den technischen Möglichkeiten ausgestattet, die derzeit „state of the art“ sind“, betont Forschungscampus-Koordinator und TU-Professor Frank Behrendt.

Zum Konsortium gehören auch Mittelständler und Fachhochschulen, Kooperationen soll es zudem mit einigen bereits auf dem Areal beheimateten Unternehmen wie InnoZ geben, einer Tochter der Deutschen Bahn. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs soll davon profitieren: Drei weiterbildende und interdisziplinär ausgerichtete Masterstudiengänge werden laut Behrendt auf dem neuen Campus starten: „Urbane Versorgungsinfrastrukturen“, „Energieeffizientes Bauen und Betreiben von Gebäuden“ und „Energieeffiziente urbane Verkehrssysteme“.  MAREIKE KNOKE

Von Mareike Knoke

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