Hochschule

„Wir bilden für die globalen Märkte aus“

Für den Studenten in der Konstruktion sind Bleistift und Zeichenbrett out, jetzt ist bereits an der Uni rechnergestütztes Zeichnen angesagt.

Für Jörg Feldhusen, Maschinenbau-Professor an der TH Aachen, hat die Ingenieurausbildung in der Konstruktionstechnik zwei gleichgewichtige Seiten. In der „Konstruktionslehre I“ geht es um die Gestaltung eines „überlebensfähigen“, also funktionierenden und herstellbaren Produkts – die traditionelle Aufgabe des Studenten und späteren Berufspraktikers. Die „Konstruktionslehre II“ dreht sich um die „Überlebensfähigkeit des Ingenieurs im Betrieb“, etwa aufgrund seiner ausgebildeten Organisationsfähigkeit in der Abteilung oder im Projektmanagement, seines Kostenbewusstseins und der Qualitätssicherung. Feldhusen, zugleich Vorsitzender des Fachbeirats „Entwicklung, Konstruktion, Vertrieb“ beim VDI, ist seit anderthalb Jahren im Professorenamt. „Bei meinem Vorgänger stand noch die reine Konstruktion im Mittelpunkt des Studiums.“ Die erweiterte Lehre mit Blick auf die gesamten Betriebsabläufe und die wesentlichen Glieder in der Wertschöpfungskette bis zum Verkauf reagiert auf zunehmende Anforderungen, die ein modernes Unternehmen heute an den Konstrukteur stellt. Das neudeutsch sogenannte „job enrichment“ zwingt zu einem „educational enrichment“.
Die Neuerungen haben vor allem auch das eigentliche Aufgabenfeld, das zeichnerische Gestalten, revolutioniert. Bleistift, Radiergummi und Lineal sind veraltete „tools“, jetzt ist rechnergestütztes Zeichnen (CAD) angesagt, das sich nahtlos mit der computergesteuerten Fertigung verbindet. Feldhusen ist seit seiner Doktorarbeit Ende der 80er Jahre über „die durchgängige und flexible Rechnerunterstützung des Konstruktionsprozesses“ ein entschiedener Schrittmacher der Entwicklung. Dass intuitives Skizzieren von Hand dem CAD-System an Kreativität überlegen sei, hält er für arbeitsplatzferne Lyrik. „Höchstens 5 % der Studenten arbeiten später wirklich innovativ in F&E-Abteilungen, für alle anderen Konstrukteure ist die Arbeit am Rechner am effektivsten. Denken Sie beispielsweise an Simulationsprogramme!“ Der Aachener Lehrstuhl hat ein jetzt „eigenes, allen Wünschen genügendes Rechnerzentrum“, in dem die Studenten unter Anleitung von Mitarbeitern üben können.
So zufrieden wie Feldhusen kann sich freilich noch längst nicht jeder Fachkollege an einer Uni oder FH äußern. Immerhin: Elektronisch geht es auch bei den Maschinen-Konstrukteuren an der FH Bonn-Rhein-Sieg zu. Prof. Johannes Geilen gibt den Studenten – in einer Übung sitzen nie mehr als 15 – eine ungefähre Handskizze, nach der sie am Bildschirm eine fertigungsgerechte Vorlage erarbeiten müssen, wie später im Betrieb auch. Der Unterschied zur TH: An der FH übt der Professor stets selber mit den Studenten, mittwochs acht Stunden lang. Dabei kommt es auf den Umgang mit einer bestimmten Software, wie in manchen Stellenanzeigen gefordert, gar nicht entscheidend an, sagen Geilen und Feldhusen übereinstimmend. In der akademischen Erstausbildung erworbenes und eingeübtes Wissen ist unschwer auf alle anderen Computerprogramme anwendbar.
Das lernen die FH-Studenten oftmals schon in ihrem obligatorischen Praxissemester (dem fünften oder sechsten überhaupt) bei einem Unternehmen. Aus dem Betriebspraktikum stammen in der Regel auch die Themen der Diplomarbeit. Mehr als die Hälfte der Absolventen findet schließlich sogar den ersten Arbeitsplatz im früheren Praxisbetrieb, sagt Professor Geilen. TH-Kollege Feldhusen legt nicht weniger Wert auf die betriebsnahe Ausbildung. Viele Arbeitsthemen für Studierende und Diplomanden – zum Beispiel die Verbesserung einer Rollbahnabdeckung – ergeben sich aus Auftragsprojekten. Um ihre Aufgaben zu lösen, müssen sich die künftigen Ingenieure konkret vor Ort informieren. Außerdem begleiten Firmenkonstrukteure etwa Übungen in der Hochschule, als kritische Praktiker.
Die „Konstruktionslehre II“ umfasst im Grunde betriebswirtschaftliche Varianten zu dieser Melodie. Unter Leitthemen wie Kostenmanagement, Produktqualität, Produktrationalisierung in Baureihen oder Modulen sollen die Studenten lernen, dass „überlebensfähig konstruieren“ im Kern bedeutet: preisgünstig gestalten. Der Konstrukteur findet im Unternehmen umso mehr Anklang, wenn er sagen kann, wo zu welchem Preis die nötigen Bauteile zu haben sind, oder dass seine Version just in time auf den Markt kommt. „Solche Lehrangebot haben wir auch“, erklärt Sabine Crusius als Dekanin an der FH Bonn-Rhein-Sieg, „nur nicht heruntergebrochen auf ein Fach“. Vielmehr hören die FH-Studenten des Maschinenbaus und der Elektrotechnik fachübergreifende Pflichtvorlesungen über Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Recht, Projekt- oder Qualitätsmanagement. Die Dozenten sind zum Teil nebenberufliche Lehrbeauftragte, die illustrative Beispiele aus ihrem Arbeitsalltag mitbringen. Außerdem müssen die Bonner FH-Studis Zusatzqualifikationen nachweisen, die den TH-Kommilitonen nicht unbedingt abverlangt werden: Prüfungen in zwei Fremdsprachen, z. B. Englisch und Japanisch. „Wir bilden ja für die globalen Märkte aus“, stellt Crusius wie selbstverständlich fest. HERMANN HORSTKOTTE

Von Hermann Horstkotte

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