Hochschule

Wintermantel: „Die Wirtschaft rechtfertigte das Vertrauen der Hochschulen noch nicht“  

Mit dem 18-Milliarden-Euro-Programm für deutsche Hochschulen haben Bund und Länder die Hoffnungen der Wissenschaft zunächst erfüllt. Für leistungsfähige Hochschulen sei es aber erforderlich, Naturwissenschaften und Ingenieurdisziplinen langfristig stärker zu fördern, erläutert Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, den VDI nachrichten. VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 6. 09, ws

Wintermantel: Unser Vertrauen in die Regierungschefs wurde diesmal nicht enttäuscht. Dass sie das Paket der Pakte verabschiedet haben, zeigt, dass sie Ausgaben für Bildung und Forschung als Investitionen für die Zukunft unseres Landes verstehen. Ich sehe aber auch, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben, wenn wir unsere Position im weltweiten Vergleich der „Bildungsnationen“ nicht nur halten, sondern verbessern wollen.

Da die Bildung in den vergangenen Jahren vernachlässigt wurde, fordern Experten 50 Mrd. € für die Bildung jährlich. Ist das realistisch?

Für Universitäten und Fachhochschulen ist unbestritten, dass sowohl erheblich mehr Personal als auch Sanierung der Gebäude und ein weiterer Ausbau notwendig sind. Allein der Sanierungsstau beträgt 25 Mrd. €. Die begrüßenswerten Maßnahmen des Konjunkturprogramms und der Wissenschaftspakte waren erste Schritte, denen weitere folgen müssen, wenn wir ein leistungsfähiges Hochschulsystem haben wollen.

Sehen Sie angesichts der Wirtschaftskrise und der steigenden Staatsverschuldung die Gefahr, dass die Bildungsausgaben in nächster Zeit heruntergefahren werden?

Das darf auf keinen Fall geschehen. Doch nach der Wahl müssen wir für einen harten Verteilungskampf gewappnet sein. Die Protokollnotiz einiger Länder zum Beschluss von Kanzlerin und Ministerpräsidenten zum Forschungspakt ist da ein Signal: Die Summe soll von den Steuereinnahmen abhängig gemacht werden. Es muss aber nicht nur verstanden, sondern auch in Taten umgesetzt werden, dass Bildung und Wissenschaft Motor der gesellschaftlichen Entwicklung sind und finanzielle Priorität haben müssen.

Werden aufwändige und zukunftsträchtige Disziplinen wie die Ingenieurwissenschaften besonders von der Finanzspritze profitieren?

Die „MINT-Fächer“ zu fördern, ist Ziel der Politik. Die Hochschulen halten dies für richtig. Der Hochschulpakt stellt jedoch jährlich nur 6500 € pro Studierendem bereit. Die tatsächlichen Durchschnittskosten für einen MINT-Studienplatz liegen erheblich darüber. Die Länder müssen diesen Mehrbedarf ausgleichen, wenn eine angemessene Ausbildungsqualität erreicht werden soll.

Wie wird das Geld zwischen ost- und westdeutschen Hochschulen aufgeteilt?

Im Hochschulpakt I gehen 15 % der Bundesmittel nach Ostdeutschland. Damit soll verhindert werden, dass die ostdeutschen Hochschulen ihre Studienkapazitäten aufgrund der demografischen Entwicklung abbauen. Die Hochschulen haben sogar zusätzliche Studienplätze geschaffen. Im Hochschulpakt II erhalten die ostdeutschen Hochschulen eine Pauschale in Höhe von 5 %, die der Bund um weitere 5 % aufstockt.

Reicht das Geld für die langfristige Fortführung der Exzellenzinitiative und damit für Planungssicherheit?

Die „Exzellenzvereinbarung II“ wurde für 2011 bis 2017 geschlossen. Die Aufstockung von 1,9 Mrd. € auf 2,7 Mrd. € bedeutet einen erheblichen Zuwachs. Das ist beachtlich und die Universitäten sind auf den verschärften Wettbewerb vorbereitet, in dem neue hervorragende Anträge vorliegen werden. Die Exzellenzinitiative hilft den Universitäten, ihre Leistungen in Forschung und Lehre zu steigern und damit auch ihre internationale Sichtbarkeit weiter zu verbessern.

Wie beurteilen Sie den Rückzug des Bundes aus Bildungsfragen. Sollte er sich wieder stärker beteiligen?

Bei der Föderalismusreform I wurden die Mitwirkungsmöglichkeiten des Bundes entgegen einhelliger Expertenmeinung extrem eingeschränkt. Ich halte das nach wie vor für einen großen Fehler. Die zweite Reformphase muss genutzt werden, dieser Fehlentwicklung entgegenzusteuern. Wir brauchen eine gesicherte Finanzierung, die der Bedeutung von Bildung und Forschung angemessen ist.

Sollte sich die Wirtschaft, die vor allem von der Ingenieurausbildung profitiert, stärker beteiligen oder bedeutete das eine zu starke Abhängigkeit von wirtschaftlichen Zyklen?

Die Wirtschaft muss sich stärker engagieren. Wir brauchen deren Mitwirkung nicht nur in der Forschung, sondern auch bei der Unterstützung der Studierenden. Mit der Einführung von Studienbeiträgen war das Vertrauen in die Zusage von großen Stipendienprogrammen aus der Wirtschaft verknüpft. Bislang tut sich hier noch nicht genug. Sparmaßnahmen der Wirtschaft dürfen die Hochschulen nicht treffen. Für die Wirtschaft gilt wie für die Politik: In der Krise an Bildung und Forschung nicht sparen, sondern investieren.

WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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