MASCHINENBAU-ELITE

Willkommen im Club der Top-Talente  

Mit einem exklusiven Netzwerk für die besten Studierenden will die Technische Universität Dortmund ihr Image in Wissenschaft und Wirtschaft aufpolieren. Ein Beispiel, das auf die bundesweite Exzellenz-Initiative reagiert und womöglich zur Nachahmung einlädt. VDI nachrichten, Bonn, 23. 10. 09, cha

„Als Club-Mitglied hatte ich im Pflichtpraktikum eine Stelle, an die ich sonst kaum gekommen wäre“, sagt Ingo Geue, Maschinenbau-Student an der Technischen Universität Dortmund. Er gehört zum Club of Excellence, in den die Hochschule nur die Besten aufnimmt, mit Leistungsnoten von Eins oder Zwei.

Der Club empfahl das Nachwuchstalent Geue bei Uhde, einem der weltweit führenden Ingenieurunternehmen für die Planung von Industrieanlagen. „Ich war vier Monate in einem Projektteam und lernte alle technischen und finanziellen Problemfelder kennen“, berichtet Geue, „wie man zum Beispiel fundierte Preisvergleiche anstellt. Da schaute ich über den akademischen Rand hinaus ins reelle Wirtschaftsleben.“ Von dem Schnupperkurs hatten alle Beteiligten Gewinn: der Praktikant und die Uni, die mit jemandem wie ihm ihr Ausbildungsniveau nach außen demonstriert, und das Unternehmen, das den angehenden Diplomanden gleich für eine Anstellung vormerkte. Allerdings will der Umworbene erst einmal noch den Dr.-Ing. machen.

Jedes Jahr werden rund zehn Maschinenbauer neu in den Club aufgenommen, annähernd die Hälfte Frauen. “ Ingenieurstudentinnen sind überdurchschnittlich zielstrebig“, erklärt Bernd Dreißig, selbst Dr.-Ing. und Leiter des Praktikumsamtes. Er ist für die Auswahl und Vermittlung der Top-Talente zuständig, natürlich in steter Abstimmung mit den Fachprofessoren. Die Förderung umfasst ebenfalls künftige Elektroingenieure und Betriebswirte. Der Club organisiert etwa auch „Firmenbesuche, bei denen unsere Mitglieder direkten Kontakt zu hochrangigen Personalern finden“, so der Team-Manager. Außerdem gibt es regelmäßig exklusive „Stammtische“ mit Führungskräften großer Unternehmen wie ThyssenKrupp.

Elitebildung ist an Hochschulen kein Schimpfwort mehr, Exzellenz ein Muss gerade auch für Unis, die in der offiziellen Exzellenz-Initiative von Bund und Ländern jüngst nicht so gut abschnitten. „Neben dem technischen Know-how gilt es, früh die wirtschaftliche Kompetenz unserer Top-Maschinenbauer zu stärken“, betont Betreuer Dreißig. Im amtlichen Studienplan ist nur eine von 25 Semester-Wochenstunden der Betriebswirtschaftslehre gewidmet.

Neben dem kaufmännischen Denken trainieren die Club-Mitglieder Sozialkompetenzen, Parkettsicherheit etwa in der Redekunst und der internationalen „Business-Etikette“ vom Scheitel bis zur Sohle auch, ob es immer richtig ist, jedem die Hand zu schütteln, das Geschenk eines chinesischen Geschäftspartners diskret beiseite zu legen oder direkt aufzureißen und staunend auszupacken. Für solche Randfragen ist im normalen Studium natürlich wenig oder keine Zeit. In dem sensiblen Bereich des Fein-Tuning für künftige Manager, die aus dem Maschinenraum in die Vorstandsetage wollen, unterstützt die Uni den Club mit einer halben Stelle für eine Psychologin. Im übrigen stellen Partnerfirmen Experten für soziale Workshops. Nach drei Semestern, meist mit dem Examen, wechseln die „alten“ Club-Mitglieder in den Ehemaligen-Kreis. Daraus ergeben sich oft persönliche Verbindungen zu Unternehmen und weitere Praktikantenstellen.

„Dank der intensiven Firmenkontakte nehmen wir den Wettbewerb mit den Wirtschaftsingenieuren auf“, beschreibt Maschinenbauer Dreißig ein Hauptziel des Dortmunder Exzellenz-Clubs. Starke Konkurrenz gibt es beispielsweise gleich nebenan. So bildet Ferdinand Dudenhöffer, gelernter Volkswirt und heute der Autoprofessor schlechthin, seit vorigem Jahr an der Nachbaruni Duisburg-Essen Wirtschaftsingenieure in „Allgemeiner Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft“ aus. Dabei geht es um Einkauf, Fertigungskosten, Marketing und Vertrieb, Finanzierung, Investitionen, Bilanzen – damit sich technische Produkte letztendlich rechnen.

Auf dem Praktikumsmarkt gibt es in der gegenwärtigen Krise weniger günstige Aussichten für Praktikanten. Auch Firmen in Kurzarbeit nehmen mit Blick auf die Zukunft zwar nach wie vor studentische Talente gern unter ihre Fittiche, aber eher ohne Vergütung.

Für ein Entgelt kann auch der Dortmunder Club of Excellence nicht garantieren. Womit er den Top-Talenten gleich einen üblichen Trost fürs ganze Leben weitergibt: Höchstleistung resultiert doch aus innerer Motivation und ideeller Anerkennung statt einer bloß äußeren Gratifikation.

HERMANN HORSTKOTTE

Von Hermann Horstkotte
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