Hochschule

Wie die Hochschule zum „Darling der Wirtschaft“ wird

Die Technische Universität München wurde unter ihrem Präsidenten Wolfgang A. Herrmann von einem Sanierungsfall zur Reformuniversität schlechthin und im Exzellenz-Wettbewerb zu einer von drei technischen „Elite-Hochschulen“. Herrmann äußert sich im Interview mit den VDI nachrichten über den neuen Stellenwert seiner Universität, aber auch über die Möglichkeiten anderer Hochschulen, vom Elitegedanken zu profitieren.

Herrmann: Einen Zuwachs von jährlich rund 20 Mio. € bis 2011. Ebenso wichtig aber sind die angesprochenen Nebenwirkungen: Wir werden für Wirtschaftspartner noch attraktiver und nicht zuletzt für internationale Studenten und Dozenten. Unser neues „TUM Institute of Advanced Study“ ist auch für Top-Gastwissenschaftler ein Forscherparadies ohne bürokratische Hemmnisse, einschließlich der Forschungsgäste aus der Industrie.

VDI nachrichten: Wie reagieren die Unternehmen auf die Auszeichnung als „Elite-Uni“? Ist das Interesse der Alumni, also der ehemaligen Studierenden, an „Ihrer“ Uni gestiegen?

Herrmann: Die emotionale Bindung der Ehemaligen wird enger. Bei Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, fällt bei Verhandlungen natürlich auch unsere Reputation ins Gewicht. Und über gemeinsame Erfolge mit Exzellenzclustern freuen sich beteiligte Wissenschaftler wie Wirtschaftler gleichermaßen.

VDI nachrichten: Welche neuen Anforderungen stellen sich Ihrer Hochschule, wo liegt die Zukunft von Elite-Universitäten überhaupt?

Herrmann: Für die TUM kann ich sagen: Wir verfolgen eine konsequente Politik der Verschränkung von Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften. Wir müssen die Fakultätsgrenzen in der Forschung überwinden. Und bei uns soll nur studieren, wer zum anspruchsvollen Profil unserer Studienangebote passt. In 60 Studiengängen wählen wir unsere Studenten zu 100 % selbst aus. Das hat eine Experimentierklausel im Bayerischen Hochschulgesetz möglich gemacht. Die Höchstzahl ausländischer Studierender in zulassungsbeschränkten Fächern muss an Universitäten, die sich in der Weltspitze behaupten wollen, fallen. Ebenso die „Curricularnormwerte“ und „Kapazitätsverordnungen“, die uns vorschreiben wollen, wie viele Studenten ein Spitzenprofessor in der Forschung ausbilden soll. Dass das von Rechts wegen nicht möglich sei, halte ich für eine politische Ausrede.

VDI nachrichten: Ein Wettbewerb hat Gewinner und Verlierer. Wird es eine Zweiklassengesellschaft unter den Hochschulen geben?

Herrmann: Die Hochschullandschaft wird vielfältiger. Keiner wird zum Verlierer, wenn er sich eigene Ziele setzt und die erreicht. Wir haben in unserem Land einen großen Nachholbedarf in der Lehre. Wer da Herausragendes leistet, kann dadurch genauso zum Darling der Wirtschaft werden wie durch Forschung für morgen.

VDI nachrichten: Sollte es in der deutschen Hochschulbildung überhaupt um Elite gehen? Kommt es angesichts des Ingenieurmangels nicht eher auf mehr Breitenwirkung an?

Herrmann: Leider hat der Elitebegriff in Deutschland, aus unserer Geschichte resultierend, immer noch einen schlechten Beigeschmack. Aber gerade um in der Breite weiterhin sichere Ingenieurarbeitsplätze bieten zu können, müssen wir in Forschung und Entwicklung in der Spitzenklasse mitspielen, sozusagen mit einer Funktions- und Verantwortungselite in den Hochschulen wie den Unternehmen. Dem Ingenieurmangel können wir nur mit mehr Nachwuchspflege schon an den Schulen begegnen. Die Zusammenarbeit mit Schulen ist ein strategisches Ziel der TUM. Wir haben schon heute rund 150 Partnergymnasien. Und wir planen ein eigenes TUM-Gymnasium.

VDI nachrichten: Welche Neuerung könnte Ihres Erachtens mit der Fortführung der Exzellenzinitiative über 2011 hinaus verbunden werden?

Herrmann: Ich könnte mir neben den drei bisherigen Förderlinien – Graduiertenschulen Exzellenzcluster, Zukunftskonzepte – eine vierte für die Lehre vorstellen. Die Qualität der Lehre muss in Deutschland, im internationalen Wettbewerb, systematisch verbessert werden.

VDI nachrichten: Wird es auch in der Lehre zu mehr Kooperationen zwischen Hochschulen kommen?

Herrmann: Soeben haben Natur- und Ingenieurwissenschaftler sowie Informatiker von Universitäten in Deutschland, der Schweiz und Österreich bei uns an der TUM einen Verein zur Förderung neuer Studiengänge in der Computersimulation gegründet. Das ist ein neues fächerübergreifendes Lernfeld neben Theorie und Experiment, das sich schon wegen seiner Neuheit am besten im intensiven Austausch und der Zusammenarbeit der Schrittmacher entwickelt. Ich würde auch nicht zögern, die besten Experten von anderen Unis etwa per Lehrauftrag an die TUM zu holen.

VDI nachrichten: Kritiker meinen, es mache mehr Sinn, Sachthemen zu stärken und zu finanzieren als ganze Hochschulen. Was sagen Sie als Chef einer Elite-Uni dazu?

Herrmann: Nicht wir, sondern Bund und Länder haben die Exzellenzinitiative als Wettbewerb zwischen Hochschulstandorten definiert. Das geistige Klima auf dem Campus, die so genannte „Corporate Identity“, wirkt sich aber offenbar auf jedes Einzelvorhaben aus. Damit ist überhaupt nichts gegen die fachspezifische Projektförderung gesagt, der sich etwa die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit Jahrzehnten mit großer internationaler Anerkennung annimmt.

VDI nachrichten: Sehen Sie sich, Prof. Herrmann, selbst noch als Wissenschaftler oder schon als Manager?

Herrmann: Als Präsident bin ich seit zwölf Jahren vollberuflich Manager. Aber in diesem Amt ist es natürlich wichtig, aus dem eigenen Lebenslauf zu wissen, wie Wissenschaftler ticken, wie wissenschaftliche Arbeitsprozesse ablaufen und was „Abenteuer Wissenschaft“ bedeutet. Nämlich Faszination. HERMANN HORSTKOTTE

Von Hermann Horstkotte

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