Nachwuchsförderung

Wege ebnen: Vom Facharbeiter zum Ingenieur  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 10. 07, ws – Dem Buhlen um ausländische Ingenieure werden geringe Erfolgsaussichten prognostiziert. Arbeitsmarktexperten favorisieren zur Behebung des Fachkräftemangels die erhöhte Durchlässigkeit zwischen Beruf und Studium. Facharbeiter und Meister sollen ihr Wissen in der akademischen Weiterbildung ausbauen können.

Nach dem jüngsten OECD-Bildungsbericht, der Deutschland erneut schlechte Noten attestierte, verkündete Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) den Beginn des „Bildungs-Herbstes“. Teil des bildungspolitischen Aufbruchs sei, zwischen betrieblicher Ausbildung und Hochschulen „Türen“ zu öffnen sowie Studiengänge zu beschreiben, in denen Durchlässigkeit möglich sei.

Eine Forderung, die in die Initiative „Ankom – Anrechnung beruflicher Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge“ aufgenommen wird und in der Arbeitsmarkt- und Bildungsexperten den Königsweg zur Behebung des Fachkräftemangels sehen. „60 % der jungen Leute, die heute in Deutschland ein Ingenieurstudium aufnehmen, haben vorher eine duale Ausbildung durchlaufen, also eine ideale Voraussetzung, um Technikinteresse zu wecken“, meint etwa NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann.

Die Voraussetzungen einer höheren Durchlässigkeit zwischen Beruf und Studium seien vielfach geschaffen, „nur nutzt sie kaum einer“, mahnt Laumann. „Wer sich hier nicht engagiert, ist genauso abgehängt, wie jemand, der nicht in Maschinen investiert.“ Die „Taktik“, auf Fachkräfte aus dem Ausland zu setzen, werde scheitern. „Das sind Entwicklungen, die letztlich unsere Gesellschaft sprengen werden“, befürchtet der Christdemokrat.

Die Bochumer Wissenschaftler Bernd Kriegesmann und Marcus Kottmann sehen vor allem die Wirtschaft in der Bringschuld. „Strukturelle Lücken im Ausbildungsportfolio der meisten Betriebe“ konterkarierten die Bemühungen um eine Aufstockung der Ingenieurzahlen.

Zu wenige Unternehmen würden sich für eine Verzahnung der Ausbildung, die im Facharbeiterabschluss münde, und dem Studium, das mit einem Bachelortitel ende, stark machen. „Wenn also Politik und Wirtschaft dem Fachkräftemangel entgegentreten wollen, dann gilt es, hier anzusetzen.“

Kritiker höherer Durchlässigkeit, wie der Arbeitswissenschaftler Gerhard Bosch, befürchten bei fortschreitendem Trend zur Akademisierung einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften unterhalb der akademischen Ebene. Seiten 2 und 4 W. SCHMITZ

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