Hochschule

Wacklige Bildungsbrücke  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 10. 08, ws – Hochschulen kümmerten sich nicht ausreichend um die Karriereentwicklung, die ihre Studierenden nach dem ersten Abschluss nähmen, kritisiert der Stifterverband. Akademische Ausbildung richte sich in Inhalten und Strukturen zu wenig nach dem, was die Unternehmen nachfragen, heißt es in einer aktuellen Studie.

Vor gar nicht langer Zeit war es noch ein Experiment, das von außen kritisch beäugt wurde. Inzwischen gilt das „Alstom Modell“ als Vorzeige-Objekt in Sache Weiterbildung. Vorläufiger Höhepunkt des gestiegenen Renommees: Die Alstom LHB GmbH, Teil des weltweiten Alstom-Konzerns mit 65 000 Beschäftigten in über 70 Ländern, wurde vor wenigen Wochen beim Deutschen Weiterbildungstag als „Vorbild der Weiterbildung 2008“ ausgezeichnet.

Das Energie- und Transport-Unternehmen eröffnet seinen Facharbeitern, in enger Kooperation mit der Fachhochschule Wolfenbüttel, der Technikerschule Braunschweig und der Weiterbildungseinrichtung „Arbeit und Leben Braunschweig“, auch ohne Abitur den Zugang zu einem Studium. Dabei werden junge Fachkräfte in Vorbereitungskursen auf die externe Prüfung an der FH vorbereitet: ein halber Tag Werkbank, ein halber Tag Vorbereitungskurs. Alstom vergibt Verträge mit Wiedereinstellungsgarantie und bei Bedarf Stipendien.

„Damit haben wir es geschafft, eine Höherqualifikation für alle interessierten Mitarbeiter zu erreichen, denn nicht nur bei uns gibt es heute kein besseres Sparbuch als die eigene Qualifikation“, kommentiert Alstom-Personalleiterin Marion Engelhardt.

Es gibt sie also, die Weiterbildungsbrücke zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Von ihnen gebe es jedoch viel zu wenige, und vor allem viel zu wenige gut ausgebaute, meint man beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. An vielen Hochschulen in Deutschland sei Weiterbildung nur als inhaltliches „Abfallprodukt“ bestehender akademischer Lehrangebote organisiert. Um wirklich am Markt bestehen zu können, müssten sich die Hochschulen in Inhalten und Strukturen gezielter auf die Nachfrage der Firmen einstellen, lautet das Fazit der Stifterverbands-Studie „Quartäre Bildung“.

Die Unternehmen wünschen sich in der Befragung vor allem bessere Transparenz über bestehende Hochschulangebote und deren Qualität, mehr Service durch die Hochschulen, etwa durch zentrale Anlaufstellen und feste Ansprechpartner. Vor allem aber kommt es den Arbeitgebern auf die Entwicklung passgenauer Weiterbildungsangebote „mit hoher Problemorientierung“ an. Hochschulen sollen neue Trends und Tendenzen aufgreifen und rasch in Weiterbildungsangebote umsetzen. Gute Beispiele wie die Hochschule Konstanz für Technik, Wirtschaft und Gestaltung, wo man den Weiterbildungsbedarf rasch identifiziere und in enger Beratung mit der Wirtschaft in „kurzen Reaktionszeiten“ schnell umsetze, seien die Ausnahme.

Beate Renne-Allhoff, Rektorin der FH Bielefeld, wünscht angesichts solcher Forderungen „realistische Erwartungen an die Hochschulen. Man sollte ihnen zugestehen, dass sie den Begriff der wissenschaftlichen Weiterbildung nicht auf punktgenaue Angebote für Unternehmen verengen“. Und mit einem Seitenhieb auf die Arbeitgeber, die über das Fordern das Fördern vergessen: „Außerdem wäre es wünschenswert, dass Unternehmen schon bei der Entwicklung der berufsbezogenen Programme aktiv mitarbeiten.“

Geht die Weiterbildung aber vielleicht in eine völlig andere Richtung? Werden Seminare und Abschlusstitel nur noch eine Nebenrolle spielen? Von solchen Entwicklungen gehen die Zukunftsforscherinnen Kirsten Brühl und Imke Keicher aus. „Formalisierte Weiterbildung nach dem Motto ,Hier ist ein Lernziel und nun setzen wir uns zusammen und müssen das erreichen“ nimmt ab“, behauptet Kirsten Brühl. Informelle Weiterbildung, etwa über Netzwerke, gewänne an Bedeutung. Dazu schlössen sich beispielsweise Firmenvertreter an einem neutralen Ort zum Meinungsaustausch zusammen. In Düsseldorf diente etwa der Flughafen als Treffpunkt einer solchen Interessen- und Weiterbildungsgruppe.

Ähnlich wie in Schule und Hochschule verlöre der Frontalunterricht an Bedeutung, der Weiterbildner nehme die Funktion eines Sparringspartners sein. Ziel dieser „sportlichen“ Verbindung sei es, im Partner Kreativitätspotenziale zu wecken, ihm Hilfe zur Selbsthilfe zu liefern.

Sollte sich diese Form des persönlichen Coachings tatsächlich durchsetzen, hieße das nicht nur für die Hochschulen, die eigene Weiterbildungssituation zu überdenken. Auch die Unternehmen müssten umsteuern, schließlich, so Keicher, spiele „das Unternehmensumfeld und die Führungskultur eine entscheidende Rolle“, wenn die neue Schlüsselfigur des „kreativen Mitarbeiters“ sich auch im Sinne des Arbeitgebers entfalten solle.

Zudem stellt sich die Frage, ob Unternehmen künftig angesichts des Fachkräftemangels noch die Strategie weiterhilft, ihre Mitarbeiter für deren Weiterbildung in Eigeninitiative nicht zu entlohnen. Bislang, so Harald Pfeifer vom Bundesinstitut für Berufsbildung, wirkten sich diese beruflichen Weiterqualifikationen nicht auf den Geldbeutel aus. Dabei hätten Studien ergeben, dass „Betriebe deutliche Produktivitätsverbesserungen infolge beruflicher Weiterbildung verbuchen können“.

WOLFGANG SCHMITZ

Unternehmen fordern größere Transparenz der Bildungsangebote

Von Wolfgang Schmitz

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