Hochschule

Vorbeugen schützt vor dem Praxisschock  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 28. 11. 08, ws – „Versuch ich es doch einfach mal mit Maschinenbau. Da verdient man später ganz gut.“ Wessen Studienplanung einzig auf Naivität und Verdienstmöglichkeiten beruht, erleidet in der Regel Schiffbruch. Rechtzeitige Aufklärung soll an Bayerns Hochschulen vor dem frühzeitigen Aus bewahren.

Des Morgens Vorlesungen und Seminare, nachmittags im Uni-Labor Versuchsreihen aufbauen, Analysen erstellen. Rund 40 % ihrer Semesterwochenstunden verbringen die Studenten des Bachelorstudiengangs Chemie und Biochemie an der Ludwigs-Maximilians-Universität München mit praktischen Übungen im Labor. Die Belastung ist hoch, für viele zu hoch. Knapp 30 % der Studenten brechen ihr Chemiestudium in den ersten vier Semestern ab. Auch die Einführung eines Eignungsfeststellungsverfahrens vor drei Jahren änderte daran wenig.

Dichte Stundenpläne und lange Labortage im Stehen – mancher Campus-Neuling hat sich das Studentenleben lockerer vorgestellt. Bei den „Schnuppertagen“ war von Lernstress und Labormühle wenig zu spüren. „Hier wird schon eine rosarote Brille aufgesetzt, die der Realität nicht entspricht“, begründet Thomas Engel vom Department für Chemie und Biochemie. „Die Schüler wissen oft nicht, was sie erwartet. Viele haben keinerlei Vorstellung davon, dass das Arbeiten im Labor auch eine sehr hohe physische Beanspruchung darstellt und handwerkliches Geschick erfordert.“

Ein dreiwöchiges „Schnupperstudium“ vor der Immatrikulation, eingeführt zum Wintersemester, soll künftig eine realistischere Selbsteinschätzung ermöglichen. Wer wisse, worauf er sich einlässt, mache auch nicht vorzeitig schlapp, so das Kalkül.

Denn Ziel der Maßnahme ist es, die hohe Abbrecherquote mittel- bis langfristig zu halbieren. Dazu beitragen soll auch die inhaltliche sowie didaktische Überarbeitung des im ersten Semester obligatorischen Grundpraktikums, die derzeit als Pilotprojekt mit 16 Studienanfängern durchgeführt und von Lernpsychologen der Psychologischen Fakultät der LMU begleitet wird.

Statt traditionelle Grundtechniken der quantitativen und qualitativen Analyse via bloßem „Nachkochen“ zu vermitteln, soll das reformierte „Liebig Lab“ die Erstsemester frühzeitig zu selbstständigem Arbeiten und Forschen anleiten und motivieren. Bewährt sich das „Liebig Lab“, wird es im kommenden Wintersemester für alle Studienanfänger eingeführt.

Das zweiteilige LMU-Projekt überzeugte auch die Juroren des Wettbewerbs „Wege zu mehr MINT-Absolventen“, den die Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft (vbw) vor einem Jahr an allen bayerischen Hochschulen startete. Die Initiative soll beitragen, die überproportional hohen Studienabbrecherquoten in den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Technik) dauerhaft zu senken und so die eigenen Nachwuchssorgen zu mindern.

Denn der Schwund trifft die Wirtschaft an einem wunden Punkt. Allein in Bayern konnten 2006 rund 7500 Ingenieurstellen nicht besetzt werden. Gesucht wurde nach „tragfähigen Lösungsansätzen“, so vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. „Unser Ziel ist es, dass diese Modellprojekte Nachahmer finden und so ein Schneeballeffekt entsteht.“ Rund 2,1 Mio. € stellen die Verbände den im Frühsommer ausgewählten zehn Hochschulprojekten in den nächsten drei Jahren zur Verfügung.

Von Hilfestellungen bei der Selbsteinschätzung, optimierten Info-Angeboten für Gymnasiasten bis hin zu einem bayernweiten Mentoren-Netz für Frauen reichen die geförderten Aktivitäten der Hochschulen. Vor allem eine intensivere Betreuung der Erstsemester steht bei vielen im Fokus.

Ein Beispiel dafür ist das Würzburger Projekt „Swing back“, das sich vor allem auf leistungsschwache Studenten konzentriert. Ob es reicht, wie sie lernen, können die Erst- und Zweitsemester im Bereich Elektrotechnik sowie Mathematik künftig in laufend angebotenen kleineren Tests überprüfen, die von vier aus Wettbewerbsmitteln sowie Studienbeiträgen neu eingestellten und jederzeit verfügbaren Tutoren ausgewertet werden.

Festgestellte Lücken können unmittelbar in zusätzlichen Tutorien bearbeitet werden. „Das Angebot kommt sehr gut an“, sagt Projektbetreuer Ansgar Ackva, Professor für Elektrotechnik. „Wir müssen die Studenten auffangen, die Anfangsschwierigkeiten haben. Intensive Betreuung und intensives Lernen sind der Schlüssel zum Erfolg.“

In die Breite wirken soll hingegen das Gemeinschaftsprojekt „webbasierte Studierfähigkeitstests“ der Fachhochschulen Nürnberg, Weihenstephan, München und Regensburg. Studieninteressierte sollen damit nicht nur relevantes Fachwissen überprüfen können, sondern auch kompetente Beratung erhalten, inwieweit sie die für den jeweiligen Studiengang erforderlichen persönlichen Kompetenzen mitbringen und welche Maßnahmen sie gegebenenfalls ergreifen können.

Das ursprüngliche Vorhaben, mit einem Dreierteam aus Testpsychologe, Techniker und Designer diese Beratungstests für sämtliche Fachgebiete zu erarbeiten, musste aus Budgetgründen allerdings ad acta gelegt werden. Geplant ist nun, das sämtlichen bayrischen Fachhochschulen zur Verfügung stehende Testangebot vorerst auf den Bereich Mathematik zu konzentrieren.

Langfristig soll es dabei nicht bleiben. „Wir hoffen, dass sich auch die anderen Fachhochschulen anschließen und das Projekt nach Auslaufen der MINT-Gelder weitertragen. Hier würde mit einem kleinen Betrag viel bewegt“, sagt Hans-Georg Hopf, Projektkoordinator und Leiter des Rechenzentrums an der FH Nürnberg. HERTA PAULUS

Von Herta Paulus

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