Beratung

Vorbereitung auf den Ernstfall

Studenten als preisgünstige Unternehmensberater – vor allem mittelständische Firmen freuen sich über das Angebot und die Studis bereiten sich auf die Marktwirtschaft vor. Die meisten machen sich nach dem Studium selbstständig.

Als Richter oder Verwaltungsangestellter enden? Das kommt für Till Stolzenberg nicht in Frage. „Ich werde auf alle Fälle in die freie Wirtschaft gehen“. Praxiserfahrung dürfte der 24-jährige Jurastudent genug gesammelt haben: Stolzenberg hat fast drei Jahre in der studentischen Unternehmensberatung Junior Comtec e.V. mitgearbeitet, vier Projekte mit betreut und eines davon selbst geleitet.

„Die Idee hat mich von Anfang an begeistert“, erinnert sich der Examensanwärter. Der Darmstädter Verein Junior Comtec ist einer von 18, die bundesweit unter dem Dach des 1992 gegründeten Bundes Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU) organisiert sind. BDSU-Mitglieder sind in der deutschen Wirtschaft gefragt: „Es läuft. Wir bekommen dauernd Projekte rein“, erzählt Michael Garlin, bei der Mannheimer Unternehmensberatung Integra zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Zu den Kunden der Studis gehören vor allem Mittelständler, aber auch große Namen wie die Deutsche Bank, für die ein dreiköpfiges Integra-Team im vergangenen Jahr eine Marktuntersuchung für Praktikantenprogramme in rund 30 Unternehmen durchgeführt hat.

Die Idee studentischer Unternehmensberatungen ist aus Frankreich importiert, wo es Vergleichbares schon in den 60er Jahren gab. Die Strukturen der zum BDSU gehörenden Unternehmensberatungen, die sich rechtlich wie ein Verein organisieren, sind einheitlich. „Faktisch“, betont Stolzenberg, „arbeiten wir wie ein Unternehmen.“ Steht ein Auftrag an, bildet der Verein ein Projektteam aus seinen Mitgliedern – rund 60 bei Integra und Junior Comtec – die wiederum eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gründen. Die GbR wickelt das Geschäft ab, vom Vertrag bis zur Schlussabrechnung. Ein Teil des Honorars fließt als Spende oder Vermittlungsprovision an den Verein zurück, der Rest wird unter den GbR-Mitarbeitern aufgeteilt.

Studentische Unternehmensberatungen sind erheblich preisgünstiger als professionelle, ein Vorteil, der besonders mittelständischen Betrieben zugute kommt. So kostet in Darmstadt ein Berater rund 380 DM pro Tag. Die jungen Unternehmensberater, unter denen die Betriebswirtschaftler mit 53 % den Löwenanteil stellen, gefolgt von Wirtschaftsingenieuren (17 %) und Wirtschaftsinformatikern (5 % ) wollen sich keine goldene Nase mit dem Geschäft verdienen. Es gehe ihm nicht ums Geld, betont auch Bernhard Welzel von der Dortmunder Beratung VIA, sondern vor allem um Praxiserfahrung, projektorientiertes Arbeiten und den Erwerb von im späteren Berufsleben erwarteten „soft skills“: „Man lernt das, was die Uni nicht vermitteln kann“, erklärt der 24-jährige Betriebswirtschaftstudent. VIA – ursprünglich eine Initiative von Maschinenbaustudenten – hat nicht nur einen Aktionsradius bis Düsseldorf, Köln und Duisburg, sondern ist mittlerweile bis zum ZDF in Mainz vorgestoßen. Für die WiSo-Redaktion analysierten die Studis zum Beispiel die Qualitäten verschiedener Unternehmen, die Internet-Shopping anbieten. Der typische „VIAner“, erzählt Welzel, sei zielstrebig und beende sein Studium trotz der zusätzlichen Belastung zügig. 90 % wollten nach ihrem Abschluss möglichst schnell selbst ein Unternehmen gründen.

Auch Till Stolzenberg begreift seinen Nebenjob als große Chance: „Es gibt wenig Möglichkeiten, während des Studiums so viele Erfahrungen zu sammeln.“ Der scheidende BDSU-Vorsitzende räumt jedoch auch „ungeheure Belastungen“ ein. Drei bis vier Tage pro Woche hat der 24-Jährige neben seinem Studium geschuftet, als es darum ging, für 2000 Artikel eines mittelständischen Bauelementebetriebs, der lediglich mit der Information „der Laden läuft nicht“ auf Junior Comtec zugekommen war, den Reingewinn zu ermitteln. „Da lässt man auch schon mal eine Klausur ausfallen.“

„Nebenjob hin, Studium her: Wir haben einen professionellen Anspruch“, versichert Michael Garlin. Ein striktes Qualitätsmanagement innerhalb der Unternehmensberatungen und durch den BDSU sorgt dafür, dass die Leistung stimmt. „Es soll ein Qualitätssiegel sein“, beschreibt Stolzenberg eine der Hauptfunktionen des Dachverbands. „Darauf achten auch die Auftraggeber.“ Voraussetzungen für die Aufnahme in den BDSU, der unter anderem von Thyssen Krupp unterstützt wird, sind vor allem drei abgeschlossene Projekte und Referenzen der jeweiligen Kunden. Die Vereinsmitglieder werden nach einheitlichen Richtlinien geschult, ihre Arbeit wird von den Auftraggebern evaluiert. Derzeit warten vier weitere studentische Unternehmensberatungen auf ihre Aufnahme in den BDSU, eine gute Entwicklung, findet Till Stolzenberg: „Wir sind kein geschlossener Kreis“. JUTTA WITTE

Informationen zum BDSU mit Querverweisen zu seinen 18 Mitgliedern im Internet (www.bdsu.de) oder unter 0172/8430573

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