Technikunterricht

Vom Sinn der Zahlenspiele

Unter Mathematik verstehen deutsche Schüler meist nicht mehr als die pure Aneinanderreihung von Formeln und Zahlen. Die fehlende Motivation der Jugendlichen hat für die Ingenieurwissenschaften schmerzhafte Folgen.

Wenn Monika Hohlmeier etwas von ihrem Vater gelernt hat, dann ist es sicherlich auch das resolute Verfechten der eigenen politischen Ideale und Erfolge. Eingeständnisse kommen hingegen nicht ganz so schnörkellos und so oft über die Lippen der bayerischen Kultusministerin und Tochter von Franz-Josef Strauss. Nach Bekanntwerden der jüngsten Pisa-Ergebnisse durfte sich Hohlmeier auf die eigenen Schultern klopfen, war Bayern doch wieder einmal Klassenprimus.
In einem Punkt weiß die Ministerin aber genauso wenig wie ihre Länderkollegen, wie sie der Schieflage Herr werden soll: „Auch in Bayern klagen die Schüler, dass der Mathematik-Unterricht nicht transparent genug ist.“ Soll heißen: Viele Jugendliche stehen Mathematik ablehnend gegenüber, weil sie nicht wissen, welchen Sinn die „Zahlenspiele“ machen. Ein Zustand, der sich später nicht zuletzt bei den Ingenieurwissenschaften fatal auswirkt. Entweder entscheiden sich viele Schulabgänger gegen ein solches Studium oder ihnen fehlen die mathematischen Voraussetzungen für die anspruchsvolle Ausbildung. Die Folge sind steigende Abbrecherquoten, wie sie jüngst das Hochschulinformationssystem (HIS) vorlegte, oder aber der Wunsch vieler Hochschulen, sich ihre Studenten selbst aussuchen zu dürfen (jüngst umgesetzt bei der Neuregelung der Vergabe von Studienplätzen).
„Nach meiner Einschätzung sind tatsächlich häufig zu geringe Kenntnisse und Fähigkeiten in Mathematik der Grund für die sehr hohen und steigenden Abbrecherquoten in Mathematik, Naturwissenschaften und den Ingenieurstudiengängen“, meint Dr. Karl Reichmann von der Abteilung für Didaktik der Mathematik an der Universität Freiburg. „Sicher gab es auch schon früher Probleme mit der Mathematik, aber das hat sich meiner Meinung nach verschärft und ich vermute, dass es sich noch weiter verschärfen wird. Eine Ursache liegt darin, dass z. B. in Baden-Württemberg die Unterrichtszeit für Mathematik in den letzten 20 Jahren stark reduziert wurde – ein Trend, der leider anhalten dürfte.“
Was im Fach Deutsch niemanden überraschen dürfte, sorgte bei dem vermeintlich „objektiven“ Fach Mathematik für viel Gesprächsstoff: Die so genannte Pisa-3-Studie ergab, dass an deutschen Schulen nicht nur ein erhebliches Leistungsgefälle herrscht, sondern Lehrer auch sehr unterschiedlich benoten. Ein 15-jähriger Gymnasiast könne „für die selbe Leistung in einem Fall mit einer Zwei belohnt, im anderen mit einer Vier oder Fünf bestraft werden“, heißt es in der Studie. Ulrike Flach, Vorsitzende des Bundestags-Bildungsauschusses, spricht von einer „organisierten Beliebigkeit“ an deutschen Schulen. Die Liberale setzt sich dafür ein, die bundeseinheitlichen Bildungsstandards schneller als geplant einzuführen. „Das Zieljahr 2004 ist das typische Produkt von Bürokraten, nicht von engagierten Bildungspolitikern.“
Reichmann indes überrascht die unterschiedliche Notengebung keineswegs, obwohl er die Unterschiede in dem von Pisa aufgezeigten Maße bezweifelt. Nach seiner Einschätzung „sind Differenzen bei Noten zu erwarten“. In der Studie würden teilweise Noten verschiedener Schulformen in einen Topf geworfen. „Außerdem unterscheiden sich selbst einzelne Klassen des gleichen Jahrgangs an der selben Schule in ihrem Leistungsstand oft erheblich. Bei der Übernahme einer leistungsschwachen Klasse wird ein Lehrer versuchen, durch mildere Benotung die Motivation zu steigern. Noten sind eben auch pädagogische Mittel.“
Das ändert für Reichmann aber nichts an der Tatsache, dass der gymnasiale Mathematik-Unterricht lebensnaher zu gestalten sei. Der Haken: „Die Anteile an Fachdidaktik für Lehramtsstudenten sind viel zu gering.“ Mathematik sei didaktisch weitaus anspruchsvoller, als allgemein vermutet. Ausländischen, aber auch deutschen Schülern falle es schwer, die Fragestellungen zu „übersetzen“. „Sprachkompetenz und mathematische Fähigkeiten hängen eng zusammen. Pisa hat diese starke Korrelation zwischen Lesefähigkeit und mathematischer Leistung eindrucksvoll ermittelt.“
An den Noten „sehr gut“ bis „ungenügend“ würde Reichmann festhalten wollen er spricht sich jedoch für weitere Formen der Leistungsbeurteilung aus. Um Stärken und Schwächen von Schülern zu messen, fordern Bildungsexperten schon seit längerem die stärkere Gewichtung sozialer Kompetenzen, um diese Faktoren auch bei der Vergabe von Ausbildungs- und Studienplätzen hinzuziehen zu können. Schließlich macht sich die Einsicht breit, dass Bildung lange genug auf der Partikularisierung allen Wissens beruhte, auf Fragmenten und Modulen, die in Prüfungen abgefragt werden.
Dass sich nicht nur marginal etwas ändern muss, veranschaulicht Prof. Dr. Klaus Klemm, Bildungsforscher an der Universität Duisburg-Essen: „Pisa zeigt, dass etwa 20 % eines Altersjahrgangs in Mathematik, in Naturwissenschaften und im Leseverständnis nicht über die Kompetenz verfügten, um eine auch nur annähernd anspruchsvolle Berufsausbildung zu beginnen.“ WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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