Hochschule

Vom Elfenbeinturm in den Markt

Deutschland tut sich, wie eine aktuelle Umfrage zeigt, noch immer sehr schwer mit Unternehmen, die von Hochschulen getragen werden. Eine Ausnahme bildet die TU Berlin, die sich allein im Jahr 2000 an sechs Unternehmen beteiligte. Ein Muster für die Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft.

Der Wettbewerb um die klügsten Köpfe und die vollsten Geldtöpfe ruft die staatlichen Hochschulen zur Mobilisierung ihrer Fantasiereserven auf. Einerseits sitzen ihnen die privaten Bildungseinrichtungen im Nacken – über deren Qualität die Meinungen allerdings sehr auseinander gehen –, andererseits setzen ausländische Vorzeige-Universitäten nur schwer erreichbare Maßstäbe. Durch die Bedeutung des Wirtschaftsfaktors „Wissen“ und die modernen Informationstechnologien ist ein weltweiter Bildungsmarkt entstanden, dem sich die Hochschulen stellen müssen. Unternehmerisches Handeln der Hochschulen erfordert in den meisten Fällen jedoch ministerielle Sondergenehmigungen. Keine Frage: Der Staat soll sich nicht gänzlich seiner Verantwortung entziehen, nur mahlen seine Mühlen sehr langsam, so dass der Reformwille nicht gleichzusetzen ist mit der zeitnahen Umsetzung praxisrelevanter Neuerungen.
Mit der Forderung, bessere Rahmenbedingungen zur Erschließung neuer, außerstaatlicher Finanzmittel zu eröffnen, weiß das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zahlreiche Stimmen hinter sich, wirft somit also keine neue Problematik auf, untermauert das Postulat allerdings mit einer Studie zum Thema „Hochschulunternehmen“. „Die Befragung belegt“, so die Mitautorin Christiane Konegen-Grenier, „dass ordnungspolitisch keine Anreize in Form neuer Karriere- und Verdienstmöglichkeiten für Hochschulmitarbeiter vorhanden sind. Da muss sich am Vergütungssystem einiges ändern.“
Es sind jedoch nicht allein staatliche Hürden, die einer reibungslosen Vermarktung von Forschung und Wissen im Wege stehen. „Kennzeichnend für die moderne Form der Alma Mater“, schreibt das IW, „ist eine grundsätzliche Neuorientierung, die das Verhältnis der Hochschule zu ihrer Umwelt aus der heutigen Situation heraus bestimmt.“ Soll heißen: Der wissenschaftliche Elfenbeinturm soll fallen, noch aber steht er felsenfest. Die vielfach erwünschte Praxisnähe und Kooperationsbereitschaft von Hochschulen steckt noch in den Kinderschuhen. „Die Bedeutung der Vernetzung von Bildung und Forschung mit der Wirtschaft haben noch nicht alle Hochschulleitungen verinnerlicht“, meint IW-Mitarbeiterin Konegen-Grenier.
Beispiele, wie schwer sich Deutschland mit von Hochschulen getragenen Unternehmen tut, führt das IW in seiner empirischen Befragung an. Von 219 staatlichen Hochschulen beteiligten sich 59 an einem oder mehreren Unternehmen, 72 sind es insgesamt. „Man sollte allerdings nicht vergessen“, erklärt Konegen-Grenier, „dass es sich um Pinonierleistungen handelt.“
Als besonders unternehmungslustig zeigt sich die Technische Universität Berlin. Allein im Jahr 2000 beteiligte sie sich an sechs Unternehmen. Zugpferd war nach Informationen des IW die Multimedia Hochschulservice Berlin GmbH. „Die grundsätzlich positive Einstellung (der Hochschulgremien, die Red.) zu dieser Unternehmensbeteiligung wurde für die anderen Projekte genutzt“, erforschte das IW. „Zwei weitere Unternehmen wurden an das Genehmigungsverfahren dieser hochschulübergreifenden GmbH gekoppelt. Auch die drei anderen Unternehmen wurden gebündelt und in einem gemeinsamen Vorgang durch die Behörden gebracht. Ausschlaggebend für die Gründung der TU Berlin Servicegesellschaft mbH war der Wunsch, die Grauzonen im teilgewerblichen Bereich zu eliminieren, in denen die Hochschulen heute agieren.“
Laut Studie legen die Hochschulunternehmen meist Schwerpunkt auf die Forschung, Bildung und Weiterbildung hinken hinterher. „Die einzelnen Unternehmenstypen setzen sich unterschiedliche Ziele. So rücken die Forschungs- und Gründerzentren den Aspekt der Regionalförderung in den Vordergrund, während die Forschungstransferunternehmen und die Spin-off-Companies eher Gewinn orientiert arbeiten.“ Allgemein aber stellt das IW fest: Universitäten fällt der Schritt ins Wirtschaftsleben leichter als Fachhochschulen. Das Umsatzvolumen der 32 Unternehmen, die zu ihren Finanzen Angaben machten, lag 2000 bei rund 65 Mio. DM und soll bis Ende 2002 auf 85 Mio. DM steigen. Der Gewinn fällt bei den jungen Gründungen mit 1,2 Mio. DM für 28 Unternehmen im Jahr 2000 vergleichsweise mager aus. Bis die Hochschulen von den Geldern profitieren können, ist es also noch ein weiter Weg.
Auf der Suche nach den Motiven kommt das IW zu dem Schluss, dass die Ressourcenerweiterung nicht im Vordergrund steht. Wichtiger scheint die Förderung des Wissens- und Technologietransfers, die Intensivierung der Kooperation mit Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen sowie die Qualitätssteigerung in Forschung und Lehre. Ein weiterer Grund für die Wahl der privatwirtschaftlichen Rechtsform ist die Loslösung von staatlichen Reglementierungen, der Zugewinn an Handlungsflexibilität.
WOLFGANG SCHMITZ
www.iwkoeln.de

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