Hochschule

Vom Debattierclub zum Dienstleister

VDI nachrichten, Hannover, 30. 4. 04 -Mit zunehmender Akademisierung der Gesellschaft verändern sich auch Einfluss und Aufgaben wissenschaftlicher Fachgesellschaften. Nur wenige Vereine, wie etwa der Verein Deutscher Ingenieure, passten sich erfolgreich der Entwicklung an.

Als exklusive Debattierclubs und Foren respektabler Lobby-Arbeit erwarben sich die wissenschaftlichen Fachgesellschaften einst ihren guten Namen. Sie waren das Wurzelwerk, das Karrieren Halt und Perspektive gab. Doch mittlerweile bröckelt die Attraktivität jener Fachvereine, die mit der Akademisierung und Medialisierung der Gesellschaft nicht Schritt halten können. Zu glanzlos, zu wenig publicity-bewusst und zu wenig hilfreich für die eigene Karriere, heißt das Verdikt vieler Jungakademiker, die jenseits traditioneller Fach-Organisationen ihr persönliches Networking betreiben.
„Wir sind ein so großer Haufen, dass längst eine Kernspaltung eingesetzt hat“, erklärt etwa Hans-Uwe Erichsen, Jura-Professor und Präsident des Akkreditierungsrats, oberste Prüfstelle für neue Studiengänge. So haben juristische Subkulturen, wie die Staats- oder die Zivilrechtler, eigene „Homelands“ etabliert. Oder Klassiker wie die „Deutsche Gesellschaft für Soziologie“ splitten sich zunehmend in Vereine mit Partikularinteressen auf. Die Crux: Der gemeinsame Diskurs zwischen den Expertenclans trocknet aus. So fürchtet der Göttinger Soziologe Michael Faust, dass in den ohnehin stark individualistisch ausgerichteten Geistes- und Gesellschaftswissenschaften nur noch Medienstars wie Ulrich Beck oder Jürgen Habermas, nicht aber die Fächer selbst, ihre Reputation mehren.
Noch können Fachgesellschaften die Bedeutungserosion der Disziplinen aufhalten, versichert Wolfram Koch, Geschäftsführer der Gesellschaft Deutscher Chemiker GDCh. Denn Professionalisierungsforscher haben belegt, dass Einfluss und Macht einer Disziplin parallel zum Organisationsgrad wachsen. „Deshalb brauchen Fachgesellschaften starke Geschäftsstellen“, weiß Koch. „Unsere GDCh leistet sich 45 hauptamtliche Leute, die das Fach wirksam vertreten, etwa in der Akkreditierungs-Agentur für Studiengänge der Ingenieurwissenschaft, Informatik, Naturwissenschaften und Mathematik, kurz ASIIN.“
Auch Mediziner – selbst wenn sie sich in über 100 Vereinigungen gliedern – treten nach außen als erratischer Block auf, der von Gesundheitspolitikern kaum zu knacken ist. Ihre Fach- und Standesvertretung begründet ihre eigentliche Macht. Im Gegensatz dazu geraten schlecht organisierte Fächer in eine Abwärtsspirale: Mehr und mehr geistes- und sozialwissenschaftliche Lehrstühle und Institute werden heute dezimiert oder gar geschlossen. Dagegen beweisen die stark organisierten Techniker einen exzellenten Überlebens-Instinkt.
Wie die Chemiker-Gesellschaft verfügt auch der Verein Deutscher Ingenieure über eine effektive Geschäftsstelle und beteiligt sich an der ASIIN. Und stärker als viele andere Fachvereine öffnet er sich nach außen, beteiligt sich in relevanten Gremien, bietet Dienstleistungen und Profilierungs-chancen für den Nachwuchs. Vor allem aber hat auch der 126 000 Mitglieder starke VDI (wie die Chemiker) einen hohen, 15 %igen Organisationsgrad. „Der VDI gehört zu den sehr einflussreichen wissenschaftlichen Fachgesellschaften,“ bestätigt Erichsen, „obwohl er ebenso als berufliche Fachgesellschaft gelten könnte.“ Just diese Souveränität aber hält flexibel.
Praxisnähe und Offenheit ist auch die Stärke des Verbands Deutscher Biologen (vdbiol). Neben den rund 6000 Einzelmitgliedern inklusive Studierender sind unter dem Dach des vdbiol mehrere Fachvereine und knapp 300 Firmen korporativ vertreten, das ganze Spektrum der Biotech-Unternehmen. Das macht den vdbiol für junge Akademiker interessant. Es war der bis 2000 amtierende vdbiol-Präsident Karl Daumer, der die Zeichen der Zeit erkannte, die Geschäftsstelle und die Öffentlichkeitsarbeit professionalisierte, den Verband für Firmen und kleinere Fachgesellschaften öffnete, eine Jobbörse im Internet und eine Verbandszeitschrift etablierte.
Das Erfolgsprinzip des VDI greift allerdings noch weiter, denn anders als der vdbiol wächst der VDI vor allem aus sich selbst heraus. Wenn neue Studien- und Berufsfelder wie die Bio- oder Nanotechnologie, die Optische Technologie, die Informations- oder Medizintechnologie identifiziert werden, bilden sie vorerst ein Kompetenzfeld. Entwickelt sich diese Kompetenz zu einem eigenständigen Bereich, wird unter dem VDI-Dach eine eigene Gesellschaft gegründet, die ihre Mitglieder auf dem „State of the Art“ hält, Nachwuchs und Arrivierten ein Kommunikationsnetz aufbaut.
Gleichzeitig hat es der VDI geschafft, seinen Mitgliedern Heimat und Identifikation zu bieten, bestätigt Erichsen. Das wiederum stärkt die Professionalisierung und erweitert so den Einfluss-Radius der Ingenieure ganz erheblich. Entsprechend trägt kaum eine andere Akademiker-Zunft den eigenen Titel so selbstbewusst wie die deutschen Ingenieure – was übrigens den Abschied vom Dipl.-Ing. zugunsten des Master oder gar Bachelor so dramatisch macht. Und nur wenigen Fachvereinigungen gelingt es so flächendeckend wie dem VDI, die Mitglieder für Profilierungs-Aktionen wie das „Jahr der Technik 2004“ zu mobilisieren.
Doch selbst die stärkste Fachgesellschaft stößt auf Grenzen. Ihr Engagement jedenfalls trifft oft nur auf geteilte Freude. „Während Fachgesellschaften Standards für die neuen Studiengänge setzen möchten, versuchen wir genau das zu verhindern, da es auf einen Closed Shop zulaufen würde“, erklärt Erichsen in seiner Funktion als Präsident des Akkreditierungsrats. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG hat den Einfluss der Verbände beschnitten. Während Fachgesellschaften bis vor Kurzem bei der Benennung von DFG-Gutachtern das alleinige Vorschlagsrecht besaßen, müssen sie sich nun das Privileg mit den Hochschulen, dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und den Leibniz-Preisträgern teilen. Macht erzeugt auch Widerstand.RUTH KUNTZ-BRUNNER

Von Kuntz-Brunner

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