Nachwuchsförderung

Vielen Firmen fehlt der Draht zur Bildung  

VDI nachrichten, Berlin, 11. 3. 05 – Die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie wollen ihr bildungspolitisches Engagement verstärken und haben daher eine Reformagenda verabschiedet. Das Thema Qualifizierung brenne der Branche auf den Nägeln, begründet Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser die während des Bildungsforums „Erfolgsfaktor Q“ vorgestellte Initiative.

Klaus Semlinger ist Vizepräsident der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin – und mochte kaum glauben, was ihm einer seiner Absolventen jüngst berichtete. Der frisch gebackene Ingenieur hatte seine Bewerbungsunterlagen postwendend zurückbekommen. Begründung: „Der Bachelor entspricht nicht unserem Ausbildungsstandard.“

Unfassbar nicht nur für Semlinger. Auch die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie (M+E) sind in Sorge. Doch fehlendes Wissen über die neuen berufsqualifizierenden Bachelor- und Masterstudiengänge, die den Diplom-Abschluss bis zum Jahr 2010 vollständig ersetzen, ist für sie nur ein Kummerpunkt unter vielen. Globale Vernetzung, der weiterhin steigende Dienstleistungsanteil der Branche und das zunehmende Systemgeschäft verlangen nach den Worten von Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser, dass die Arbeitgeber mehr Bildungsengagement zeigen und sich spürbar in die Gestaltung der Berufsausbildung einmischen. Kannegiesser: „Die M+E-Unternehmen sind wie kaum ein anderer Industriezweig in die Weltmärkte eingebunden und deshalb auf überdurchschnittlich motivierte, qualifizierte und leistungsfähige Menschen angewiesen“.

Für Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Hans Werner Busch besteht dringender Handlungsbedarf, denn die M+E-Unternehmen bekämen schon jetzt „nach Zahl und Qualität längst nicht das Personal, das sie benötigen“. Die Branche mit insgesamt 3,5 Mio. Beschäftigten bilde derzeit rund 187 000 junge Leute aus und stelle dafür ein Budget von rund 3,3 Mrd. Euro zur Verfügung. Doch um für die Zukunft gerüstet zu sein, müssen sowohl die Qualität als auch die Effizienz des Bildungssystems erhöht werden. Neben der Herausforderung, die Qualifizierung auf die Anforderungen einer alternden Gesellschaft einzustellen, sieht Busch ein großes Problem in der Ausbildungsfähigkeit der Jüngeren. Derzeit gilt ein Viertel der Schulabgänger als nicht ausbildungsfähig für die Branche.

Das müsse nicht so sein, sagen die Experten, von denen sich Gesamtmetall für seine sechs „Eckpunkte zur bildungspolitischen Reformagenda“ beraten ließ. Das Papier stellt Forderungen zu den Bereichen „Die Chancengleichheit erhöhen“, „Die Qualität der Bildung verbessern“, „Die Durchlässigkeit des Bildungssystems erhöhen“, „Die Schulstrukturen optimieren“, „Die Qualität des Bildungspersonals stärken“ und „Bildung anders finanzieren“.

Präsident Kannegiesser und Hauptgeschäftsführer Busch stellten das Programm letzte Woche im Rahmen des M+E-Bildungsforums „Erfolgsfaktor Q“ vor. Keiner der 180 Teilnehmer mochte auf die Frage von FHTW-Vizepräsident Klaus Semlinger reagieren: „Gibt es tatsächlich Unternehmen, die nicht wissen, dass sie ab 2011 keine Diplomanden mehr kriegen?“ Christof Prechtl von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und vom Forum „Sicherung des akademischen Nachwuchses“ wundert das nicht: „Die Firmen haben sich in der Breite noch nicht mit dem Bologna-Prozess so auseinander gesetzt, wie es notwendig ist.“

Erfolgreiche Ausbildungsmodelle wie die an der Berliner Fachhochschule für Wirtschaft (FHW) in Kooperation mit der Kaufmännischen Schule der Siemens AG Berlin angebotene Qualifizierung zum Bachelor of Business Administration (MBA) haben in der M+E-Industrie Seltenheitswert. Dabei erfüllt das Modell nicht nur die Wünsche junger Leute: Diese erhalten zwar während der gesamten Ausbildung zum MBA und IHK-geprüften Industrie-Kaufmann eine Vergütung vom Arbeitgeber, das Unternehmen aber profitiert mindestens genauso. Es bekommt nach nur dreieinhalb Jahren eine international einsetzbare Nachwuchsführungskraft der Spitzenklasse.

Die Anstrengungen, den „M+E-Standort Deutschland durch Qualifizierung zu sichern“, dürfen nach Überzeugung von Gesamtmetall aber keinesfalls erst bei Berufsanfängern ansetzen. Chefmanager Busch und Präsident Kannegiesser möchten die M+E-Arbeitgeber dafür gewinnen, ihren Einfluss auf die Qualifizierung schon bei Vorschulkindern wahrzunehmen, „etwa durch familienfreundliche Arbeitszeitregelungen und womöglich in Form von Betriebskindergärten“. Busch hält es für unverzichtbar, „die Chancen bereits beim Start in die Bildungsbiografie und in das Berufsleben gleichmäßiger zu verteilen“ und spricht sich dafür aus, die Finanzierung des Bildungssystems „vom Kopf auf die Füße“ zu stellen. Hauptgeschäftsführer Hans Werner Busch betont: „Wir brauchen eine intensive staatliche Förderung am Anfang, während später, wenn sich der Ausbildungsprozess dem Arbeitsmarkt nähert, eine stärkere finanzielle Eigenbeteiligung der Lernenden selbstverständlich werden muss.“

Unmittelbar im Zusammenhang mit Qualifizierung und Wettbewerbsfähigkeit gesehen werden müssen nach Überzeugung von Kannegiesser auch die Ergebnisse einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), nach der Arbeitsplätze in Deutschland zunehmend dort entstehen oder krisensicher sind, wo Metall-Unternehmen, Bildungsstätten und Zulieferer eng miteinander kooperieren. In 71 von 84 Regionen, in denen Metall-Firmen in Verbünden erfolgreich zusammenarbeiten, nahm die Zahl der Stellen in den Netzwerken von 1998 bis 2003 um 8,5 % zu. REGINA-C. HENKEL

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