Hochschule

US-Forscher staunen über „größte Bildungsrevolution aller Zeiten“  

„Philosophen haben eine andere Vorstellung davon, was Ingenieure lernen sollten.“ Das sensibilisiere Ingenieure für die Lage anderer Menschen und für ihr künftiges Tun.

Hampe: Zunächst nicht. Es waren die Studierenden selbst, die ein verbindliches Angebot in Philosophie einforderten. Bis dahin konnten sie beliebig Veranstaltungen aus anderen Disziplinen belegen. Das genügte ihnen nicht mehr sie wollten für die Welt des 21. Jahrhunderts, in der Ingenieure weltweit agieren und kommunizieren müssen, besser gerüstet sein.

VDI nachrichten: Und das soll die Philosophie leisten?

Hampe: Sicher, schließlich ist Reflexion ein philosophisches Geschäft, auch die Reflexion der eigenen Position und des eigenen Agierens in der Welt. Entsprechend werden die Studenten erst mit wissenschaftstheoretischen Fragen konfrontiert, mit dem „systemimmanenten“ Denken eigener und anderer Disziplinen. Das sensibilisiert für die Lage und Argumente anderer Menschen und erleichtert die „richtige“ Kommunikation. Und die Verständigung wird für Ingenieure immer wichtiger. Denn mit dem technischen Fortschritt wächst auch der Erklärungsbedarf.

VDI nachrichten: Also geht es auch um ethische Fragen?

Hampe: Ja, denn Ingenieure geraten immer wieder in ethische Konflikte. Wie beispielsweise agiert ein Ingenieur, der eine Anlage zur Herstellung von Abtreibungspillen entwickeln soll, wenn er grundsätzlich gegen Abtreibung ist? Oder ein Kernenergie-Gegner, der an einem Kernkraftwerk arbeiten soll? Solche Dilemmata spielen Studierende durch und lernen dabei Lösungstechniken und ethische Entscheidungsprozesse.

VDI nachrichten: Wie reagieren die Studierenden auf das neue Philosophie-Modul?

Hampe: Sie sind begeistert. Ich hoffe sehr, dass wir damit auch mehr Frauen in die Ingenieurwissenschaften holen. Denn damit beweisen wir, dass unser Studium mehr bietet als reine Technik.

VDI nachrichten: Auch die amerikanischen Kollegen sind von dem Angebot fasziniert, obwohl die „Humanities“ in den USA traditionell ihren Platz im Technikstudium haben. Was ist in Darmstadt anders?

Hampe: Tatsächlich werden in den USA generell 25 % der Lehre den Humanities gewidmet. Doch da sind es vor allem Fächer wie amerikanische Geschichte oder „English Composition“. Wir gehen einen anderen Weg, weil Philosophen eine andere Vorstellung davon haben, was Ingenieure lernen sollten. Das ist mehr als ein unverbindliches Hineinschnuppern. Den Studenten wird vieles abverlangt, inklusive Abschlussarbeit in Form eines Posters.

Diese Rigorosität europäischer, besonders deutscher Philosophen, beeindruckt die US-Kollegen. Sie beobachten unsere Aktivitäten sehr genau und mit sehr viel Interesse. In ihren Augen passt unser richtungsweisendes Studienangebot exakt zur Aufbruchstimmung seit Bologna. Diesen Prozess betrachten sie geradezu enthusiastisch und als größte Bildungsrevolution aller Zeiten.

VDI nachrichten: Dann bewerten amerikanische Professoren den Bologna-Prozess wesentlich positiver als ihre deutschen Kollegen?

Hampe: Tendenziell schon. Allein der Umstand, dass sich 46 Staaten verabredet haben, eine vergleichbare Hochschulbildung in drei Zyklen zu etablieren, Lehrpläne abzugleichen, Mobilität zu schaffen, einen konsequenten Kurs in Richtung Globalisierung einzuschlagen – das alles beeindruckt die Amerikaner. Sie nehmen das Europa des Bologna-Prozesses als einen riesigen Partner wahr, womöglich größer als sie selbst.

VDI nachrichten: Und das „German Diplom“ hat seinen Glanz verloren?

Hampe: Nicht der Name hat Glanz, sondern die Ausbildung. Und die ist im Rahmen des Bologna-Prozesses deutlich moderner und noch besser geworden als sie mit den Rahmenprüfungsordnungen und dem Diplom jemals war. Die deutsche Ingenieurausbildung wird wegen Bologna ihre führende Stellung in der Welt behaupten. Heute möchten auch viele andere Länder wie Australien, Japan, China und südamerikanische Staaten in den Bologna-Prozess einsteigen. Denn wir stellen etwas auf die Beine, das weltweit als Bildungsmodell für die Welt des 21. Jahrhunderts gilt.

VDI nachrichten: Warum machen dann die US-Kollegen nicht mit?

Hampe: Unsere amerikanischen Kollegen beobachten den Bologna-Prozess sehr genau. Kürzlich gab es eine Telefonkonferenz der Internet-Zeitschrift „Inside Higher Ed“. Die Quintessenz des amerikanischen Moderators: „The US will either join or be left behind.“

VDI nachrichten: Lässt sich Europa nicht auch vom amerikanischen Bildungssystem anregen?

Hampe: Das sollten wir. Unsere amerikanischen Kollegen haben Wilhelm von Humboldt sehr genau studiert und beispielsweise die Forschung ausschließlich an den Universitäten konzentriert. Die mangelnde Exzellenz deutscher Universitäten rührt sicherlich auch daher, dass in Deutschland erhebliche Teile der Forschung in Akademien – früher die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, heute die Max-Planck-Gesellschaft – ausgelagert wurden. Humboldt war gegen die Einrichtung von reinen Forschungseinrichtungen gewesen: „Sicherlich könnte man daher die Erweiterung der Wissenschaften den blossen Universitäten, wenn diese nur gehörig angeordnet wären, anvertrauen, und zu diesem Endzweck der Akademien entrathen“ ist Originalton 1810. Nicht nur der akademische Lehrer muss forschen, Einheit von Forschung und Lehre bedeutet auch, dass der Forscher lehren muss. Die kürzlich gestartete Initiative einiger prominenter Universitätsprofessoren, die Max-Planck-Gesellschaft wieder in die Universitäten einzugliedern, ist sicherlich der richtige Weg.

VDI nachrichten: Wie steht es denn mit der gegenseitigen Anerkennung von Abschlüssen?

Hampe: Das spielt sich ein. Wenn man etwa das Learning-Outcome von Studiengängen miteinander vergleicht, sieht man, dass unsere dreijährigen Bachelor in den ingenieurwissenschaftlichen Inhalten mit den vierjährigen Bachelor-Abschlüssen der Amerikaner vergleichbar sind. Der Unterschied liegt im bei uns fehlenden Freshman-Year und den 25 % Humanitites, über die jeder amerikanische Ingenieurstudiengang verfügt. Die Outcome-Orientierung unserer Studiengänge und Module bringt viele Vorteile, etwa bei der Evaluation. Während wir hier noch Zustands-Evaluationen durchführen, die über alle Fächer gleich sind und kaum etwas über den Lernfortschritt der Studenten aussagt, führt beispielsweise die Virginia Tech Prozess-Evaluationen durch, die aussagefähig für den Lernfortschritt sind. Nancy Polk von Virginia Tech wird deshalb auch unser Philosophie-Modul evaluieren.

VDI nachrichten: Haben die Philosophen schon einmal bei Ihnen angefragt, ob Sie ein Technik-Modul für Geisteswissenschaftler anbieten würden?

Hampe: Wir warten noch darauf. Die Maschinenbau-Professoren sind dazu bereit – mit viel Engagement. RUTH KUNTZ-BRUNNER

Von Ruth Kuntz-Brunner

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