Hochschule

Universitäten hinken Reformen hinterher

VDI nachrichten, Stuttgart, 7. 1. 05 -Das Debattieren über Bachelor- und Masterstudiengänge muss ein Ende haben, fordern Wolfgang Malchow, Mitglied der Bosch-Geschäftsführung, und Bernhard Diegner vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Die Zeit sei reif für die konsequente Umsetzung der praxisfreundlichen Reformen.

VDI nachrichten: Dr. Malchow, können Sie nachvollziehen, dass die Verunsicherung bei angehenden Studenten seit Einführung von Bachelor und Master gewachsen ist?
Malchow: Ich kann die Skepsis von Abiturienten verstehen, die es schwer haben, angesichts eines komplexen Studienangebots sowie verschiedenster Informationen den Überblick zu behalten. Ich sehe die Entwicklung insgesamt aber überaus positiv. Bosch braucht junge Mitarbeiter mit internationaler Erfahrung. Wenn bereits während des Studiums Auslandserfahrungen gesammelt wurden, ist das sowohl für das Unternehmen als auch für den Absolventen vorteilhaft. Mit dem Bachelor haben wir einen international anerkannten Abschluss, der den Wechsel von Studenten in andere Länder erleichtert. Zudem ist durch diesen neuen Studiengang künftig eine starke Anwendungsorientierung gewährleistet.
VDI nachrichten: Liegt die große Verunsicherung nicht auch an den diffusen Vorstellungen, die Firmen, Verbände und Politik von der Ausgestaltung der neuen Studienangebote haben?
Malchow: Das Problem ist, dass wir in Deutschland unseren Meinungsbildungsprozess zu diesem wichtigen Thema nicht abgeschlossen haben. Viele Gruppen äußern unterschiedliche Meinungen. Alle Argumente sind vorgebracht. Es ist höchste Zeit, jetzt zu eindeutigen Entscheidungen und zur Umsetzung zu kommen.
VDI nachrichten: Gibt es eine Zukunft für das Diplom?
Malchow: Meine Wünsche sehen für die kommenden Jahre so aus: eine einheitliche Regelung, wie sie für 2010 geplant ist, mit Bachelor- und Masterabschluss. Damit gibt es keinen Bedarf für einen zusätzlichen Diplomabschluss. Das heutige System hat Stärken, die erhalten bleiben sollten: An den Fachhochschulen wird in hervorragenden anwendungsorientierten Studiengängen gelehrt, an den Universitäten werden qualitativ hochwertige Diplomstudiengänge mit solider theoretischer Grundlage angeboten. Wir brauchen beide Kompetenzen gleichermaßen. Betrachtet man die Entwicklung, so scheinen die Fachhochschulen bei der Umsetzung der Reformen weiter zu sein. Ihre Diplom-Abschlüsse liegen nahe an dem, was den Bachelor auszeichnet. An den Universitäten ist das Grundstudium theoriezentriert, also nicht berufsbefähigend. Um sich den Erfordernissen anzupassen, müssen die Universitäten ihren Studienaufbau aktualisieren – und das schneller, als es zurzeit geschieht. Ich habe allerdings erhebliche Zweifel, ob eine Masterausbildung an Fachhochschulen zielführend ist. In Anbetracht leerer Haushaltskassen wäre es sinnvoller, die Finanzmittel konzentriert einzusetzen. Die Universitäten würden dann im Grundsatz das Angebot an Masterstudiengängen abdecken.
VDI nachrichten: Sollte das Masterstudium ein Elitestudium sein, über dessen Zugang eine Quote entscheidet?
Malchow: Ich halte nichts von Quoten. Im Gegensatz dazu befürworte ich Eingangsvoraussetzungen, die an den Universitäten die Qualität der Masteraspiranten prüfen.
VDI nachrichten: Befürchten Sie bei einem sechssemestrigen Bachelorstudium keinen „Schmalspuringenieur“?
Malchow: Diese Gefahr sehe ich nicht. Man sollte sich vor Augen halten, dass der Bachelor andere Schwerpunkte setzt als das bisherige Uni-Diplom oder der Master.
VDI nachrichten: Aber es ist doch nicht zu leugnen, dass ein zeitlich gerafftes Studium bei gestiegenen Ansprüchen einen Qualitätsverlust bedeutet.
Malchow: Wir befinden uns in einer Zeit, in der wir die Gesamtstudiendauer nicht erhöhen sollten. An baden-württembergischen Fachhochschulen wird zurzeit noch eine vierjährige Ausbildung angeboten, in deren Verlauf zwei Praxissemester angeboten werden. Auf die erste Praxiseinheit könnte man verzichten, um in der zweiten das dann gewonnene Wissen vor Ort einsetzen zu können. Außerdem sind die Semesterferien sehr lang. Hier gibt es noch Spielraum.
VDI nachrichten: Wo kommt der Bachelor-, wo der Masterabsolvent in Ihrem Unternehmen zum Einsatz?
Malchow: Beide sind beispielsweise in der Entwicklung tätig. Bei der Applikation von Systemen ist der Bachelor sicherlich eher angebracht, bei grundsätzlichen Neuentwicklungen der Master. In den letzten Jahren ist die Zahl der von uns eingestellten Fachhochschul- und Universitätsabsolventen in etwa konstant hoch gewesen.
VDI nachrichten: Dr. Diegner, Studien beweisen, dass es am Informationsfluss zwischen Hochschulen und Unternehmen mangelt. Sind da nicht Verbände wie der ZVEI gefordert?
Diegner: Das ist sicherlich eine wichtige Verbandsaufgabe, der wir uns bereits seit einigen Jahren stellen. Wir sind ständig in der Diskussion mit den Hochschulen und intensivieren gegenwärtig die Informationen für unsere Mitgliedsunternehmen, so etwa auf unserer Website oder über Positionspapiere und Informationsveranstaltungen.
VDI nachrichten: Was halten Sie von dem Gedanken, Leistungspunkte und Bewertungen aus der beruflichen Bildung oder Weiterbildung auf ein Hochschulstudium zu übertragen?
Diegner: Natürlich ist es uns wichtig, bessere Schnittstellen zwischen akademischer und beruflicher Bildung herzustellen. Begabte und engagierte Facharbeiter sollen im Rahmen einer zertifizierten Weiterbildung Karriere machen können. Aus unserer Sicht spricht nichts dagegen, die für ein Hochschulstudium akzeptablen Punkte anzuerkennen. Letztlich muss allerdings die jeweilige Hochschule darüber ein Urteil fällen.
VDI nachrichten: Machen es sich Unternehmen nicht manchmal etwas zu leicht, in dem sie den Traumingenieur ausschreiben anstatt verstärkt in Einarbeitung und Weiterbildung zu investieren?
Diegner: Da tun Sie den Unternehmen Unrecht. Das Thema Weiterbildung nimmt dort einen hohen Stellenwert ein und es werden immense Summen dafür aufgebracht. Ich kann nur betonen: Der Übergang zwischen akademischer und beruflicher Bildung ist für uns ein herausragendes Thema. Die Firmen werden künftig verstärkt ihre Personalentwicklungspolitik auf die neuen Studiengänge ausrichten müssen. So wird sich beispielsweise die Frage stellen: Wie gehen wir mit Bachelorabsolventen um, die sich nach drei Jahren Firmenzughörigkeit für ein Masterstudium entscheiden? Die Unternehmen werden Weiterbildungswilligen Hilfestellungen geben und passende Konzepte entwickeln müssen.
WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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