Hochschule

Unis im Norden bündeln ihr Wissen  

VDI nachrichten, Hannover, 24. 11. 06, ws – Lutz Stratmann, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, will die Universitäten Braunschweig, Clausthal und Hannover zu einer Niedersächsischen Technischen Hochschule, kurz „NTH“, vernetzen, in Anlehnung an die Schweizer ETH. Die Opposition aus SPD und Grünen befürchtet Zentralismus und eine Abschaffung der Fächer- oder sogar Hochschul-Vielfalt.

Stratmann: Wir haben drei technisch ausgerichtete Hochschulen, die teilweise dasselbe anbieten, auf einem geografisch relativ engen Raum. Deshalb schauen sich nun die drei Hochschulleitungen gemeinsam alle vorhandenen Fächer an, um Doppelungen abzubauen. Gleichzeitig stimmen sie sich über künftige, möglicherweise auch gemeinsame Berufungsverfahren ab. Denn Niedersachsen ist eines der ersten Bundesländer, in dem die Berufungsbefugnis vom Minister auf die Hochschulen übertragen wird.

VDI nachrichten: Wie soll die NTH organisatorisch aussehen?

Stratmann: Ich stelle die Institutionen nicht infrage, damit würde ich die NTH unnötig blockieren. Ich muss zielorientiert arbeiten. Es geht also nicht um Zentralismus, nicht um eine Fusion oder gar die Auflösung eines Standorts, sondern um eine trilokale Zusammenarbeit. Sie soll Ressourcen bündeln, Synergien herstellen und eine wettbewerbsfähige technisch ausgerichtete Hochschullandschaft Braunschweig-Clausthal-Hannover voranbringen. Wenn wir dafür gemeinsame Gremien schaffen müssen, etwa für Berufungen, dann machen wir das.

VDI nachrichten: Sie betonen stets die Bedeutung der TU Braunschweig. Wird sie nicht doch so etwas wie eine Leit-Universität?

Stratmann: Alle drei Hochschulen haben ihre besonderen Stärken. Es geht darum, diese Stärken zu bündeln. Braunschweig ist die größte Technische Universität in Niedersachsen. Die Uni Hannover hat vor 20 Jahren den Weg von der TU zur Voll-Uni angeschoben, der – auch mangels Ressourcen – niemals ganz abgeschlossen worden ist. Nun wollen wir die hannoverschen Kulturwissenschaften nutzen. Denn Technik und Naturwissenschaften sind auf Interdisziplinarität angewiesen, was man übrigens auch an der ETH Zürich weiß und danach handelt. In einer zunehmend komplexeren Welt müssen wir uns um die Menschen kümmern, ihr Orientierungsbedürfnis, ihre Sorgen und Ängste vor dem technisch-wissenschaftlichen Fortschritt. Das gilt nicht nur in Deutschland. Ohne politisches, soziales und kulturelles Hintergrundwissen können wir etwa in einem afrikanischen Staat kein Energieprojekt langfristig erfolgreich implementieren. Da sind die Sozial- und Geisteswissenschaften in Hannover gefragt.

VDI nachrichten: Genau diese Fächer sind aber gerade an der Universität Hannover abgebaut worden.

Stratmann: Das stimmt nur zum Teil, hat aber nichts mit diesen Fächern an sich zu tun. Die Sozialwissenschaften in Hannover haben sich seit ihrer Blütezeit nicht mehr ausreichend bewegt, auch die Romanistik nicht. Es gab keine Strukturveränderungen das zeigten auch die Evaluationen.

VDI nachrichten: Sie beziehen sich explizit auf die ETH Zürich. Die geht, gemeinsam mit der ETH Lausanne, den ETH-Institutionen und der Industrie, einen anderen Weg: Sie baut Kompetenzzentren in Schlüsselbereichen auf, wie Energie und Mobilität, Umwelt, Material- oder Lebenswissenschaften.

Stratmann: Das machen wir auch in Bereichen, in denen wir bereits stark sind; wir nennen sie aber Forschungsverbünde. In der Energieforschung gibt es bereits einen gut funktionierenden Niedersachsen-Verbund, in dem auch die Industrie mitmacht. Außerdem bauen wir weiter am Verbund Ernährungswissenschaften Altersforschung wird folgen. Im Gespräch ist nun auch ein Verbund zum Klimawandel. Damit wollen wir den ganzen Norden stärken und wettbewerbsfähige Hochschullandschaften ausbauen.

VDI nachrichten: Heißt das, die norddeutschen Länder sollen auch Verbünde bilden?

Stratmann: Die Hochschulen in Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg arbeiten zwar bereits zusammen. Sie wollen aber gemeinsame Stärken noch ausbauen, nicht nur im Bereich Energie, sondern auch in den Ernährungswissenschaften, der Klima- und Meeresforschung, in der die norddeutschen Länder ganz vorne sind.

VDI nachrichten: Wollen Sie damit auch die Chancen des Nordens im Exzellenzwettbewerb verbessern?

Stratmann: Sicher. Das Nord-Süd-Gefälle der Hochschulen hat viel mit den finanziellen Ressourcen zu tun. Wer, wie wir im Norden, weniger hat, muss kreativer sein und die Kompetenzen bündeln. Auf jeden Fall könnten wir Geld aus dem Wettbewerb gut brauchen. Schließlich gibt es von Nord nach Süd nicht nur ein Exzellenzgefälle, sondern auch einen wissenschaftlichen Brain-Drain, etwa zu den Max Planck-Instituten in Bayern oder Baden-Württemberg. RUTH KUNTZ-BRUNNER

Von Ruth Kuntz-Brunner

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