Hochschule

Unis: Die große Erneuerung bleibt aus

Haushaltslöcher bremsen.

Alle warten auf den großen Generationenwechsel an den Hochschulen, junge Wissenschaftler hoffen auf eine Hochschulkarriere, Frauen auf mehr Professorinnen, Studierende wünschen sich jüngere Hochschullehrer.
Die Chancen für diese Veränderungen standen lange Zeit auch ganz gut, werden doch in den kommenden Jahren viele Professoren in den Ruhestand gehen. Bis zum Jahr 2005 wird beispielsweise an den Universitäten die Hälfte der ingenieurwissenschaftlichen Lehrstühle vakant. Und ab 2011 überschreiten auch an den Fachhochschulen überdurchschnittlich viele Professoren die Altersgrenze.
Doch nun könnte sich die Hoffnung, daß die Pensionierungswelle eine frische Intelligenz in die Hochschulen trägt, sich als Illusion erweisen. Denn mittlerweile bremst ein gegenläufiger Trend den Erneuerungsschub – der Sparzwang. 1993 wurden insgesamt noch 273 Stellen für Professoren bundesweit ausgeschrieben, berichtet der Deutsche Hochschullehrerverband. 1997 waren es nur noch 114 Ausschreibungen. Und nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiteten Ende 1998 insgesamt rund 37 500 Professorinnen und Professoren in der Bundesrepublik – 200 weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl unbesetzter Professuren. Der Personal-Rückgang trifft alle Fächer ziemlich gleich.
Die rosa Zeiten, als auf jeden freigewordenen Lehrstuhl ein Nachwuchswissenschaftler berufen wurde, sind offenbar vorbei. Heute ist manche Emeritierung willkommener Anlaß zur Stellenstreichung. Karl-Heinz Minks vom Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover erwartet, daß der Personalbestand künftig noch weiter schrumpft. Angesichts der Haushaltslöcher schrecken Ministerien und auch die mit Globalbudgets autonom wirtschaftenden Hochschulen vor drastischen Eingriffen nicht mehr zurück. Stellensperren auf unbefristete Zeit, manchmal für immer, sind nicht selten.
Auch manches, was den Hochschulen als elegante Reformaktion verkauft wird, entpuppt sich schließlich als unkonventionelle Einsparung. Etwa der Professor auf Zeit. Seit einigen Jahren wird über diesen „amputierten“ Beamten offiziell nachgedacht. Der bayerische Kultusminister Hans Zehetmair verkaufte seinen Vorstoß, Zeit-Professuren anzubieten, euphemistisch: Die auf maximal sechs Jahre berufenen Beamten sollen die Hochschulstrukturen dynamisieren und flexibilisieren. Handfestere Vorteile aber überwiegen. Besonders in den Ingenieurwissenschaften könnten erfahrene Industrieforscher für wenige Jahre einen Spitzenbedarf an Hochschullehrern überbrücken oder Spezialbereiche in Forschung und Lehre abdecken, bis sich zeigt, ob der Bereich tatsächlich Zukunft hat.

Professoren auf Zeit: Ohne Chance auf eine spätere Karriere in der Wirtschaft?

Die Vorteile für den Schnupper-Professor werden sich allerdings noch zeigen. Für den Staat lohnt er sich allemal. Selbst wenn er einen besonderen „Risikozuschlag“ für die Professoren auf Zeit bezahlen muß, wird er von langfristigen finanziellen Verbindlichkeiten entlastet.
Kurzfristig würden diese Professoren das Durchschnittsalter der Lehrenden senken, da Zeitstellen auch für Nicht-Habilitierte – also jüngere Akademiker – offen sein sollen. Bisher drückte die zeitraubende Habilitation das Einstiegsalter in die Hochschulen enorm in die Höhe. Im Durchschnitt habilitierte der deutsche Professorennachwuchs erst mit 40 Jahren.
Daß Professoren auf Zeit jedoch nicht nur eitel Freude bringen, ist an amerikanischen Hochschulen abzulesen. „Publish or perish“ gilt an den US-Hochschulen: publiziere oder verschwinde. So könnte auch hierzulande die neue Überlebensformel bald heißen. Außerdem könnten die auf Zeit Berufenen zu Professoren zweiter Klasse werden oder den Wiedereinstieg in die Industrie nicht mehr schaffen.
Der Druck auf die Hochschulen wird noch viele weitere Ideen hervorbringen. Karl-Heinz Minks vermutet, daß beispielsweise teure Professuren in mehrere billigere Mittelbaustellen, zum Beispiel für Assistenten oder Akademische Räte, umgewidmet werden. Dadurch bleibt das Lehrangebot erhalten, Mittelbauer aber können besser umgesetzt und auf Zeit angestellt werden. Gleichzeitig lassen sich besser Schwerpunkte in der Forschungslandschaft festlegen. In diese Richtung zielt etwa die baden-württembergische „Zukunftsoffensive Junge Generation“.
Wissenschaftsminister Klaus von Trotha stellt 100 Mio. DM zur Verfügung, um Spitzenwissenschaftler für seine Universitäten zu gewinnen. Er nutzt das Ausscheiden jedes zweiten Professors im „Ländle“, um die Forschung neu auszurichten, sprich angesehene Forscher für bestimmte Fachgebiete „einzukaufen“. Damit will er die „Konkurrenzfähigkeit im globalen Wissenschaftswettbewerb“ stärken.
Mehr Stellen aber werden dadurch langfristig nicht geschaffen, Rückstufungen der übrigen Hochschulstellen oder Einsparungen nicht verhindert. Vielmehr verändert sich der Stellenkegel. An der Spitze soll eine Elite für das Renommee sorgen, an der Basis unterrichtet der Mittelbau.
Die wirkungsvollste aller bisher angedachten Aktivitäten zur Reform der Hochschulen wird allerdings die Verkürzung der Regelstudienzeiten sein. Mit den neuen Abschlüssen Bachelor und Master, die bereits nach drei Jahren einen berufsqualifizierenden Abschluß bieten sollen, kann langfristig die Personaldecke dünner werden – selbst wenn die Hochschulen ein umfassendes Weiterbildungsprogramm aufrecht erhalten müssen. Denn in der nächsten Sparrunde wird vielleicht bereits der virtuelle Campus leibhaftige Professoren ersetzen können.
RUTH KUNTZ-BRUNNER
Viele Professorenstellen dürften nach Ausscheiden der jetzigen Lehrstuhlinhaber nicht wieder besetzt werden.

Von Ruth Kuntz-Brunner

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