Hochschule

Uni Duisburg soll keine Gesamthochschule mehr sein

Der neue Rektor der Uni Duisburg scheut Konflikte nicht. Professor Ingo Wolff will seine Hochschule fit machen für den Wettbewerb und sich von Idealen der Vergangenheit lösen.

Ingo Wolff scheint kein Fettnäpfchen auszulassen, wenn er auf Bildungspolitik zu sprechen kommt. Der neue Rektor der Mercator-Universität Duisburg stellt Forderungen, mit denen er aneckt – nicht nur im nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium, auch bei Kollegen und in der Industrie.
Einige seiner Forderungen: Abschaffung der Gesamthochschule, Überprüfung der Lehrleistungen von Professoren, Abbau von Ressourcen in Bereichen, in denen sie langfristig nicht mehr gebraucht werden. Auch mit seiner Einschätzung, daß der Ingenieurmangel zum Teil von den Unternehmen selbst verschuldet wurde, dürfte er sich kaum Freunde machen.
Mit 34 war Ingo Wolff Anfang der 70er Jahre einer der jüngsten Professoren Deutschlands, ehe er 1974 an die Gesamthochschule Duisburg berufen wurde. Mit 60 wird er jetzt Rektor der zwischenzeitlich in „Mercator Universität Gesamthochschule Duisburg“ umbenannten Hochschule. Auf Seilschaften muß er nicht Rücksicht nehmen. Seine Amtszeit beginnt am 22. März und endet in vier Jahren. Dann ist er reif für die Pension.
Eines seiner ersten Vorhaben: Der Name Gesamthochschule (GH) soll verschwinden. Rechtliche Probleme beim Abschied vom Modell Gesamthochschule befürchtet Wolff nicht, ideologische auch nicht mehr, obwohl dieses Modell einmal das Lieblingskind der sozialdemokratischen Bildungspolitiker in Nordrhein-Westfalen war..
Für die Abschaffung der GH führt er gute Gründe an: Der Name Gesamthochschule sei international nicht zu vermitteln. Außerdem hätten Absolventen eines Kurzeitstudienganges, typisches Merkmal der Gesamthochschule, offensichtlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als Absolventen einer klassischen Uni. Das gelte zumindest in Mathe, Physik, Chemie oder Wirtschaftswissenschaften.
Den Zugang zur Uni will der neue Rektor keineswegs beschränken. Die Brückenkurse, für Studenten mit Fachabitur vorgeschrieben, will er sogar noch ausbauen, er empfiehlt sie zudem manchen Abiturienten mit Nachholbedarf.
Die derzeitige Finanzsituation des Landes NRW erleichtert Wolffs Pläne. Reformen seien immer willkommen, nur verstehe jeder etwas anderes darunter. Wolff setzt auf Wettbewerb, will die eigene Uni fit machen. Er will Lehrstühle zu Fakultäten zusammenlegen, Vorlesungen im Internet anbieten, Lehr-Leistung bewerten, warum nicht sogar Qualität nach ISO 9000 zertifizieren?

Der Mangel an Ingenieuren wird noch größer

Rund 2000 Planstellen möchte die NRW-Bildungsministerin Gabriele Behler (SPD) an den Hochschulen streichen. Weniger Studenten,weniger Geld, so der Kurs des Ministeriums. Doch ein allgemeiner Studentenschwund sei gar nicht auszumachen. Auch nicht in Duisburg. Die Uni ist für 7500 Studenten ausgelegt, rund 15 000 studieren dort derzeit. Lediglich die Ingenieur-Fakultäten melden eine geringere Auslastung.
Wolffs Prognose: „In den Jahren 2002 und 2003 wird es zu einem gravierenden Mangel an Ingenieuren kommen. Bereits heute ist der Markt leer, sie finden keinen Software-Ingenieur oder Informatiker mehr.“
Schuld daran hätte, so Wolff, auch die Industrie: „Die Wirtschaft hat den Ingenieur-Mangel zum Teil selbst verschuldet, einige Manager haben 1992/93 die falschen Signale gesendet“, analysiert der Elektroingenieur. „Es wurde sogar soviel Personal abgebaut, daß einige Abteilungen heute kaum noch wettbewerbsfähig sind.“ Die Studenten haben die Signale empfangen und Konsequenzen gezogen.
Eine Fahrt durch das Ruhr-Revier zeigt, wo die Probleme liegen. Aus Produktionsgebäuden werden Ruinen, aus Mitarbeitern Arbeitslose. Mit Schlagworten wie Globalisierung und Shareholder-Value erklären Vorstände Rationalisierungen und Entlassungen. Beispiel Duisburg: Die Stadt weist nach 40 Jahren Montanwirtschaft eine Arbeitslosenquote von rund 17 % auf – fast so viel wie Ostdeutschland.
Von Konzernen sind steigende Beschäftigungszahlen nicht zu erwarten. Das weiß auch Wolff. Große Unternehmen suchen junge Spezialisten mit internationaler Erfahrung und Kenntnissen im Projektmanagement. Die konnten die Unis bisher kaum liefern.
Warum nicht einen Studiengang Industrie-Management schaffen? Ingo Wolff denkt bereits darüber nach. Vorlesungen in Englisch sollen Standard werden. Sein Kollege Axel Hunger, DV- und Mikroelektroniker, soll als Prorektor die internationalen Kontakte erweitern, die unter anderem unter Ex-Forschungsminister Jürgen Rüttgers angebahnt wurden.
Der angebliche Ingenieur -Mangel, wie er derzeit vielfach beklagt wird, bietet der neuen Uni-Führung auch ein neues Geschäftsfeld. Für arbeitslose Ingenieure wollen die Duisburger zusammen mit dem VDE ein Pilotprojekt zur Weiterbildung aus der Taufe heben. Das könnte Pilotcharakter für die Republik haben.
Dauerte bisher selbst jedes kleine Studienreförmchen vier Jahre bis zur Genehmigung, mancher Antrag schmorte allein 18 Monate im Wissenschaftsministerium, soll die Genehmigung mit dem neuen Hochschulrahmengesetz schneller kommen. Wolff: „Dann können wir mehr auf Hochschulebene gestalten, sogar in Fachbereichen selbst entscheiden und neue Studiengänge schneller anbieten.“
Die internationale Anerkennung für die geplanten neuen Bachelor- und Master -Abschlüsse nach angelsächsischem Muster soll gesichert sein. Zusammen mit dem Rektor der TU Darmstadt arbeitet man bereits an Akkreditierungsverfahren.

Manager: Nicht erst kurz vor der Rente an die Uni

Die neue Art der Kooperation zwischen Hochschule und Industrie heißt Projektarbeit. Entdeckten Manager auf dem Höhepunkt ihrer Industrie-Karriere bisher den Lehrauftrag an einer Hochschule als geruhsamen Weg zur Pensionierung, setzt Rektor Wolff auf eine frühere und intensivere Zusammenarbeit. „Die Innovationszyklen betragen zum Teil nur noch zwei bis drei Jahre. Innerhalb eines solchen Zeitraumes sollte es zum Personaltausch und zu fest umrissenen Projekten zwischen Unternehmen und Unis kommen“.
Der neue Rektor ist nicht nur Professor, sondern auch Unternehmer. 1987 gründete Wolff eine Firma, die sich mit der Anwendung von Mikrowellen beschäftigte. Dann wurde er Mitbegründer eines Fachverlages. 1992 hob er das Forschungsunternehmen IMTS aus der Taufe. Das „Institut für Mobil- und Satellitenfunktechnik“ beschäftigt heute 90 Mitarbeiter. IMTS entwickelte zusammen mit Bosch innerhalb weniger Monate die weltweit erste und bisher einzige Autoradio-Serie mit integriertem Mobiltelefon. Derzeit bauen die IMTS-Mitarbeiter in Kleinserienfertigung Basisstationen für einen neuen Funkdienst.
Wolff über Wolff: „Wir haben gezeigt, wie sich unsere akademischen Theorien in Produkte umsetzen lassen. Zukünftig werden wir das als Uni-Professoren verstärkt machen müssen. Wir werden sogar bis zur Pilot- und Kleinserienfertigung gehen müssen, um zu zeigen, daß eine Erkenntnis in der Praxis funktioniert und Marktchancen hat“.
Der agile Akademiker ist davon überzeugt, daß praxisnahe Industrie-Dienstleistungen exportiert werden können. Durch High-Tech-Dienstleistungen entstehe der Mehrwert, der Arbeitsplätze sichere und schaffe. Die Uni Duisburg will er darauf ausrichten.
RUDOLF SCHULZE
Rektor Ingo Wolff: „Die Universität muß effektiver arbeiten.
Wir bekommen immer weniger Geld, weil die Leistungsparameter nicht stimmen.
Gesamthochschulen wie die in Duisburg waren einst das Lieblingskind sozialdemokratischer Bildungspolitiker. Doch die Abschlüsse sind international kaum bekannt.

Von Rudolf Schulze

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