Hochschule

Überfüllt, bürokratisch – und teils exzellent  

überfüllte Hörsäle, marode Bausubstanz, zu wenig Platz und zu wenige Professoren.

Wenn es darum geht, mit Notsituationen fertig zu werden, sind die Präsidenten der bayerischen Hochschulen ganz schön einfallsreich. So geschehen im Wintersemester 2007/2008, als die Zahl der Studienanfänger wieder anstieg. Etwa an der TUM, die einen beispiellosen Andrang beim Fach Maschinenbau erlebte: Von 2700 Abiturienten bekamen 1200 einen Studienplatz. Das waren 25 % mehr als im Vorjahr.

Das wachsende Interesse der jungen Leute ist eigentlich ein Grund zur Freude. Wäre da nicht ein kleines Problem: Bereits jetzt herrscht auf dem nach Garching ausgelagerten, neuen Campus Raumnot. So sah sich die TUM-Hochschulleitung gezwungen, einen benachbarten Bürobau anzumieten. In Würzburg lagerten die Verantwortlichen die Erstsemester der Wirtschaftswissenschaften gleich ins Cinemax aus, das größte Kino der Stadt. Denn im Wintersemester 2007 gab es in der Betriebswirtschaftslehre 700 Anfänger und damit 200 mehr als im Vorjahr. Einen so großen Hörsaal besitzt keine Universität. Man hätte die Studierenden auf zwei Hörsäle verteilen und auf Videoübertragung zurückgreifen müssen.

Auch die anderen bayerischen Universitäten vermeldeten im letzen Wintersemester Steigerungsquoten bis zu 10 %. An den Fachhochschulen meldeten sich sogar 15 % mehr Studienanfänger. Und das ist erst der Beginn des Ansturms: Prognosen gehen davon aus, dass die Anfängerzahlen bis 2012 von zurzeit 260 000 Studierenden auf 340 000 Studierende steigen werden. Um die Studenten adäquat zu betreuen, hat die bayerische Staatsregierung 3000 zusätzliche Stellen versprochen, dafür will sie 1 Mrd. € ausgeben. Ob das hilft, ist fraglich.

Das hat mehrere Gründe: Anstatt ihren Aufgaben in Forschung und Lehre nachzukommen, sehen sich die Professoren von überbordender Bürokratie erstickt und müssen sich auch noch mit der Verwaltung herumplagen. So ärgerte sich ein LMU-Akademiker, der seinen Namen nicht nennen möchte: Der Mann wollte Anfang Dezember für eine Konferenz, die im November 2007 stattgefunden hat, die Reisespesen für ein EU-Projekt an die Beteiligten im Ausland überweisen. Doch die Buchhaltung meinte lapidar: Er hätte doch wissen müssen, dass ab dem 6. Dezember für den Rest des Jahres keine Abrechnungen gemacht werden. „Jede Bank arbeitet bis zum 29. 12. Wie steht denn die Uni jetzt bei der internationalen Forschergemeinde da? Da macht doch keiner mehr eine Konferenz bei uns mit“, klagt der Akademiker.

Doch es gibt noch ein weiteres Argument, das gegen eine Universitätskarriere spricht: das Gehalt. Das Problem haben zwar alle Bundesländer, aber es verschärft sich gerade in der hochpreisigen, bayerischen Landeshauptstadt. Qualifizierte Bewerber gehen lieber in die Industrie, denn dort gibt es einfach mehr Geld. Und selbst wenn sich Idealisten finden, die zum Salär eines Oberstudienrates (eine W2-Professur an der Fachhochschule ist mit einem Grundgehalt von 3900 € dotiert) arbeiten möchten: Die Zahl der Dozenten reicht einfach nicht aus, um die Studenten adäquat zu betreuen. So bezeichnet die Hochschulverwaltung der Universität Würzburg die Überlast ihrer Professoren auf 117 %. Bis 2011 erwarten die Würzburger einen Anstieg der Studentenzahlen um 20 %.

Abgesehen davon gibt es an vielen bayerischen Hochschulen einfach keine Räumlichkeiten, um zusätzliches wissenschaftliches Personal unterzubringen. Hinzu kommt, dass die Hochschulbauten marode sind. Viel zu lange hat die Staatsregierung die notwendigen Instandhaltungen hinausgeschoben.

Zwar sollen für Sanierungen und Neubauten in diesem Jahr 235 Mio. € aus dem Programm „Zukunft Bayern 2020“ fließen. Aber das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Allein der Sanierungsbedarf der Universität Regensburg beläuft sich auf 380 Mio. €. Der rigide Sparkurs Bayerns – eine Hinterlassenschaft der Stoiber-Ära – rächt sich nun: Nach Angaben des bayerischen Wissenschaftsministeriums beträgt der Finanzbedarf inzwischen rund 5 Mrd. €. EVDOXIA TSAKIRIDOU

 

Von Evdoxia Tsakiridou

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