Hochschule

Turbokurs für den Berufseinstieg  

VDI nachrichten, Hannover, 20. 6. 08, ws – Mit einem Wettbewerb beweist die TU Clausthal, dass Konstruktionslehre zum Fach mit Motivations-Faktor für Studierende mutieren kann. Zugleich erlebten die Studierenden die Herausforderung, die Kniegelenks-Entwicklung für eine Oberschenkelprothese gemeinsam mit Routiniers gestalten zu können, als „eine unglaubliche Chance“.

Ein bisschen sind die Paralympics wie Formel-1-Rennen, zumindest für die Firma Otto Bock HealthCare, Weltmarktführer im Bereich Prothetik und seit 1988 Ausrüster aller Paralympics.

Denn die Hochleistungswettkämpfe fordern die künstlichen Gelenke der Athleten extrem. Besonders das Kniegelenk. Das wissen mittlerweile auch jene 36 Studierenden der TU Clausthal, die im Rahmen des Fachs Konstruktionslehre an dem gemeinsam von der TU Clausthal und der Firma Bock ersonnenen Wettbewerb teilgenommen haben: In neun vierköpfigen Teams arbeiteten sie an einer Teilaufgabe zur Kniegelenks-Entwicklung einer Oberschenkelprothese. Das Siegerteam darf in einem dreimonatigen bezahlten Praktikum bei Bock sein Lösungsprinzip zum Prototypen entwickeln.

„Das ist eine unglaubliche Chance und richtig aufregend, weil der Prototyp alle Testzyklen durchlaufen muss“, freut sich Felix Hausdorf, 23 Jahre alt, Maschinenbaustudent im fünften Semester, der zum Siegerteam gehört. Die Jury – Produktentwickler von Otto Bock – honorierte nicht nur die Kreativität, sondern auch die Realisierbarkeit der Idee.

Und Armin Lohrengel, Leiter des Instituts Maschinenwesen der TU Clausthal und Initiator des Projekts, benotete die Leistungen seiner Studenten. „Im Gegensatz zu ,normalen“ vorlesungsbegleitenden Übungen, die immer nur einen Teilaspekt behandeln, ist in dieser Projektarbeit fast der gesamte Prozess einer konstruktiven Produktentwicklung zu durchlaufen – wenn auch in abgespeckter Form.“

Lohrengel hat selbst als Konstrukteur gearbeitet und weiß, wie wichtig es ist, unter wirklichen Bedingungen an einer realen Fragestellung mit einem engen Terminplan im Team arbeiten zu können. Daran orientierte sich auch die Aufgabe, wie Lohrengel betont. „Sie erforderte eine systematische Herangehensweise in mehreren Schritten: Prinzipien zur Aufgabenlösung erarbeiten, Stand der Technik überprüfen, Patentrecherche, systematische Suche von Lösungsansätzen mit Hilfe von Kreativitätstechniken und/oder physikalischen Prinzipien, Bewerten der Lösungsansätze nach den eigenen Kriterien, detaillierte Ausarbeitung des gewählten Prinzips sowie Abschlusspräsentation.“ Jeweils ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Clausthal begleitete ein Team, unterstützt von Entwicklern der Firma Bock.

„Wir hatten erst eine Menge Respekt vor dieser komplexen Aufgabe“, erzählt Hausdorf. „Doch als wir merkten, dass wir das Gelernte auch umsetzen können und dass es funktioniert, wurde es richtig interessant.“

Die Teams durften Prothesenträger befragen, wie sich ein Kniegelenk verhalten muss. Denn in der Praxis stellen sich bei der Kinematik ganz neue Probleme. „Das Knie lässt sich nicht einfach nachbilden, da ein natürliches Kniegelenk Muskeln hat, auf die man bei Prothesen nicht bauen kann.“

Eine Kernerfahrung für ihn war auch die Teamarbeit. „Wir mussten uns selbst organisieren, die Aufgaben koordinieren, sie dem jeweils Fähigsten übertragen und alle gemeinsam jeden bei seiner Aufgabe unterstützen.“ Hausdorfs Fazit: „Ein Einzelner hätte die Aufgabe gar nicht leisten können.“ So wird das Projekt zum Turbokurs für persönliche und soziale Kompetenzen.

In den „unglaublich engagierten“ Abschlusspräsentationen offenbarten sich für Lohrengel exemplarisch neu gewonnene Softskills der Studierenden. „Einige Teams stellten ihre Lösung als Modell vor, andere schrieben Flyer, wieder andere unterlegten ihre Präsentation mit Musik und allem Drum und Dran.“

Sven Kaltenborn, Organisator und Betreuer des Wettbewerbs auf Firmenseite, ist ohnehin überzeugt, dass dieses Projekt den Teilnehmern auf dem Arbeitsmarkt Türen öffnen wird. Doch er möchte mehr: einen Freiraum für Studierende schaffen, in dem sie vor der endgültigen Weichenstellung ihr eigenes Feld finden. „Denn es liegen 40 Berufsjahre vor ihnen. Da sollten sie doch den richtigen Weg einschlagen.“ Die Projektarbeit wurde deshalb ins fünfte Semester eingebaut, bevor sich die Studierenden für eine Spezialisierung entscheiden.

Ganz altruistisch allerdings muss der Wettbewerb für den Orthopädie-Konzern nicht bleiben. Die Firma erhält durch die studentischen Arbeiten einen Ideenpool, der außerhalb eingefahrener Wege liegt – systematisch entwickelte Prinziplösungen, die Profis möglicherweise nicht mehr sehen. „Für uns entsteht ein Input, den wir auch teilweise nutzen werden“, stellt Abteilungsleiter Christian Hiemisch fest, der als Juror im Wettbewerb fungierte.

Und auch die TU Clausthal profitiert: Den Erfolg dieses Wettbewerbs kann sie zur Imagepflege nutzen. „An Massenunis wäre eine derart individuelle Betreuung, wie sie dieses Projekt forderte, nicht zu leisten“, erklärt Lohrengel.

Die Studierenden jedenfalls haben die über 50 Arbeitsstunden lieber in den Wettbewerb als in eine der üblichen Klausurvorbereitungen investiert, wie Hausdorf betont.

Und so wird der Erfolg zu weiteren industrienahen Wettbewerben im Fach Konstruktionslehre inspirieren. Zunächst aber werden die diesjährigen Teams mit den Athleten der Paralympics in Peking mitfiebern.

RUTH KUNTZ-BRUNNER

„Unglaublich engagierte“ Präsentationen

Von Ruth Kuntz-Brunner

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