Hochschule

Traum von der europaweiten Mobilität  

Wenn die Besten in die Forschungszentren im Westen ziehen, wird Osteuropa mehr und mehr zur Peripherie.

Grenzen überwindende, internationale Studentenmobilität und gleichwertige Hochschulabschlüsse als Vorbereitung auf den gemeinsamen europäischen Arbeitsmarkt – das ist das unumkehrbare Ziel des Bologna-Prozesses bis 2010, in dem flächendeckend zweistufige Bachelor-Master-Studiengänge eingeführt werden.

Tatsächlich reicht die Attraktivität des „Bologna-Raumes“ heute schon weit über die Außengrenzen der Europäischen Union hinaus bis nach Wladiwostok an der sibirischen Pazifikküste. Das zeigte sich dieser Tage ganz deutlich auf einem Mobilitätskongress des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), wo neben den EU-Partnern auch Vertreter aus Russland, der Ukraine sowie den neuen Staaten auf dem Balkan und im Kaukasus vertreten waren.

Deutschland nimmt auf der Mobilitätsskala den ersten Platz ein: Fast jeder sechste Student zieht mit einem EU- oder DAAD-Stipendium oder Bafög auf Zeit ins Ausland. Nicht mitgerechnet sind „Free-Movers“, die ganz auf Kosten der Eltern oder eigener Ersparnisse unterwegs sind. Frankreich und die Niederlande schicken nach eigenen Angaben nur jeden 100. Studenten auf Reisen. Die internationale Mobilität der Portugiesen liegt bei 0,8 %, die der Albaner bei 0,1 %.

Wenn die Wanderlust in Europa stärker werden soll, sind noch hohe Hürden zu überwinden, erläutert Jochen Hellmann, Auslandsamtsleiter der Universität Hamburg und Protokollführer des DAAD-Kongresses, im Gespräch mit den VDI nachrichten. Vor allem: „Die Lehrveranstaltungen müssen mehr und mehr in der ,Vehikularsprache“ Englisch laufen, jedenfalls in den Natur- und Technikwissenschaften.“

Das ist leicht gesagt, aber bei Lehrenden wie Lernenden mit kaum zu überschätzenden Ansprüchen ans technische Fachübersetzen verbunden. Die Auswahl der ausländischen Gaststudenten, so Hellmann, muss der jeweiligen Hochschule vollständig überlassen bleiben. Wenn jemand mit 16 Jahren in Russland zur Hochschulreife gelangt, kann er mit 17 schwerlich die Herausforderungen von Studium und Leben an einer deutschen TU erfüllen.

Tatsächlich sollen nach dem Willen der Kongressteilnehmer schon die Bachelor-Studenten ins Ausland gehen – weil viele nachher gar nicht mehr zum Masterstudium kommen (sollen). „In einer sechssemestrigen Ausbildung kann es aber für den Ausflug sehr eng werden“, räumt Hellmann ein. Sein Ausweg: „Mini-Mobilität“ über Ferienkurse statt Ferienjobs. Letztlich müsse es aber der Profilbildung der Hochschule überlassen bleiben, ob sie internationale Erfahrung zwingend vorschreibt.

Das schwerwiegendste Mobilitätshindernis im „Bologna-Raum“ ist das Geld. In Anbetracht extrem unterschiedlicher Studiengebühren appellieren die Hochschulvertreter vor allem an die Brüsseler EU-Kommission, mehr Stipendien zu geben. Die Gesamtzahl im Erasmus-Programm liegt derzeit bei gut 120 000. Je ärmer die Länder sind, desto mehr sind ihre Studenten darauf angewiesen.

Zwei Urteile des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) warfen schon 2001/2002 die Frage auf, ob allen Studenten aus dem EU-Raum im Sinne der Chancengleichheit Sozialleistungen des jeweiligen Landes zustehen. Damals bemerkte das Deutsche Studentenwerk (DSW) auf seinen Websites: „Es ist zu klären“, ob etwa auch zugereiste Briten oder Polen Bafög beanspruchen können. Im Herbst 2003 vereinbarten die EU-Bildungsminister in Berlin jedoch, dass jeder Student die heimatlichen Ansprüche ins Ausland mitnehmen soll.

Indes entschied der EuGH Mitte diesen Monats zugunsten eines Franzosen, der nach dem High School-Abschluss in England dort auch als Student mit Einheimischen gleichgestellt werden wollte. Mit dem Schulbesuch, so die Richter, habe er „ein bestimmtes Maß an Integration in die Gesellschaft des Landes nachgewiesen“, das ihn zu den ortsüblichen Darlehen berechtige.

Ähnliches Glück könnte ein Belgier aus dem grenznahen Raum haben, der in Aachen Abitur macht und dann auf die TH geht. Die gegenwärtige Studienfinanzierung nach rein nationalen Regeln kann im gemeinsamen europäischen Hochschulraum freilich keine lange Zukunft mehr haben, meint der DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde. Chancengleichheit könne zwar nicht heißen „Dieselbe Summe für alle“, – aber doch gleiche Leistungen je nach Höhe der Lebenshaltungskosten in diesem oder jenem Land. Da die Belastungen durch internationale Wanderstudenten nach dem jüngsten EuGH-Urteil aber nicht vom jeweiligen Zielland allein geschultert werden müssen, kommen dafür nur die Brüsseler Kassen in Frage.

Dem Traum von der perfekten Mobilität brachte eine Hochschullehrerin aus Estland (fast) zum Platzen: „Wir sind etwa in den technisch-ingenieurwissenschaftlichen Fächern doch jetzt schon Peripherie und werden das noch mehr sein, wenn die besten Studenten mit voller Unterstützung in die Lehr- und Forschungszentren Westeuropas abwandern.“ H. HORSTKOTTE

Eine Alternative zu Ferienjobs sind für Bachelorstudenten Ferienkurse im Ausland

Von H. Horstkotte

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