Nachwuchsförderung

„Think Ing.“ weckt Lust auf Technik

Die Chancen seien so gut wie lange nicht mehr.

In vielen Unternehmen grassiert die Angst. In den nächsten Jahren könnte es zu einem gravierenden Mangel an Ingenieuren kommen, befürchten die Spitzenvertreter des VDI und der Wirtschaftsverbände. Haben in der ersten Hälfte der 90er Jahre noch viele Firmen Arbeitsplätze für Ingenieure in größerem Umfang abgebaut, darunter Siemens, Daimler-Benz und Bayer, werden jetzt wieder Ingenieure gesucht, doch seien vielfach keine geeigneten Bewerber zu finden, klagen Verbandsvertreter. Gesucht werden vor allem Ingenieure für Aufgaben in der Informations- und Kommunikationstechnik. Ein Blick in die Statistik zeigt, daß im Fach Elektrotechnik die Zahl der Absolventen seit Mitte der 90er Jahre sinkt, gleichzeitig gingen auch die Anfängerzahlen zurück. Bis nach der Jahrtausendwende, so die Prognosen des Verbandes Deutscher Elektrotechniker (VDE), könnte die Zahl der ausgebildeten Diplomingenieure von Universitäten und Fachhochschulen noch weiter abnehmen (siehe Grafiken). Die Gründe für das wachsende Desinteresse von Schulabgängern am Studium der Elektrotechnik sieht Hermann Wolters, Vorstand der Deutschen Bahn und des VDE, in den „ungünstigen Signalen des Arbeitsmarktes Mitte der 90er Jahre“, also im Stellenabbau und in Entlassungen. Zudem fehlten Vorbilder, die mit technischen Entwicklungen in Verbindung gebracht werden können. Pioniere wie Konrad Zuse, Ferdinand Porsche oder Heinz Nixdorf würden in modernen, teamorientierten und vernetzten Unternehmen nicht mehr sichtbar. Solche Leitfiguren, deren Vorbild junge Menschen zur Identifikation reizen könnte, seien heute selbst in Technologieunternehmen nicht mehr zu finden, deren Vorstände „zunehmend von Betriebswirten und Juristen besetzt sind“, stellt Wolters fest. Eine weitere Ursache für die offenbar geringe Anziehungskraft ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge sieht der Vorsitzende des VDE auch in den Schulen. Das Ausbildungsniveau der Abiturienten in den Fächern Mathematik, Physik und in anderen Naturwissenschaften sei gesunken, kritisiert Wolters. An diesem Punkt wollen der VDI und die Verbände ansetzen: Mit der Aktion „Think Ing.“, die diese Woche in Bonn vorgestellt wurde, soll die Attraktivität von technischen Studiengängen erhöht werden. Der VDI und die Wirtschaftsverbände wollen dazu vor allem Schüler für Technik und für die Arbeit von Ingenieuren begeistern, und zwar nicht erst dann, wenn die Studienwahl ansteht, sondern schon in früheren Jahrgangsstufen. Think Ing. soll, so VDMA-Präsident Eberhard Reuther, „Lust auf die Ingenieurausbildung machen.“ Think Ing. begann bereits im Frühjahr in Hamburg. Auf der Industriemesse in Hannover haben 500 Schüler Technik live erlebt. Seither hat Think Ing. auf zahlreichen anderen Messen Schüler und Technik zusammengeführt. Im kommenden Jahr soll eine Hotline und eine national einheitliche Telefonnummer den Kontakt zwischen Schülern und den Verbänden verstärken. Derzeit werden die Chancen für Ingenieure in der Wirtschaft vielfach nicht wahrgenommen. Der Grund: ein gespaltener Arbeitsmarkt. Während Unternehmen in großem Umfang Ingenieure einstellen, waren im vergangenen Jahr (neuere Zahlen gibt es nicht) 65 000 arbeitslos. Eine paradoxe Situation, die zu Irritationen Anlaß geben könne, wie VDI-Präsident Prof.Hubertus Christ einräumt. Die Qualifikationen der meisten arbeitslosen Ingenieure entspreche nicht mehr dem optimalen Profil, meint Christ. Von Ingenieuren verlangt er eine „mentale Globalisierung“: geistige Flexibilität, räumliche Mobilität, unternehmerisches Denken und fachübergreifende Kompetenz. Doch will Christ keinen falschen Zungenschlag aufkommen lassen. Auch in Zukunft, so der VDI-Präsident, würden Spezialisten gebraucht, nicht nur Generalisten. Selbst in den Jahren der Rezession sei die Zahl der Ingenieure im Maschinenbau und in der Elektroindustrie insgesamt nicht gesunken, so der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI). Sowohl der Anteil der Ingenieure an den Beschäftigten in beiden Branchen als auch die absolute Zahl sei in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Die kräftige Nachfrage nach Ingenieuren sei nicht auf einen kurzfristigen Mehrbedarf zurückzuführen, sondern Ausdruck eines länger anhaltenden Trends. „Die deutsche Wirtschaft braucht auf lange Frist mehr Ingenieure und Informatiker, analysiert Dietmar Harting, Vizepräsident des ZVEI und persönlich haftender Gesellschafter der Harting KGaA in Espelkamp. Kürzere Innovationszyklen, die Durchdringung aller Produktionsprozesse mit Software und Mikroelektronik und kundenspezifische Lösungen würden auch in Zukunft für ein großes Angebot an qualifizierten Arbeitsplätzen sorgen. Doch wie viele Stellen entstehen werden, lasse sich nicht exakt vorhersagen, schränkt Harting ein. Trotz der guten Chancen, die der Arbeitsmarkt Ingenieuren derzeit bietet, können die Verbandsvertreter nicht ausschließen, daß es auch in einigen Jahren wieder zu einem „Schweinezyklus“ kommt und dann mehr Absolventen auf den Arbeitsmarkt drängen, als die Unternehmen einstellen können – eine Entwicklung, die auch in den frühen 90er Jahren zu beobachten war. Werner Stumpfe, der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, hält ein solches Überangebot an Ingenieuren jedoch für unwahrscheinlich.
HARTMUT STEIGER

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