Hochschule

Technische Unis auf Schmusekurs  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 3. 07, ws – Heimatverbundene hatten es früher leichter. Die Hochschulen der Region hielten für jeden Studierwilligen das Passende parat. Im Ruhrgebiet und in Niedersachsen wird künftig größere Reisebereitschaft verlangt. „Universitätsallianz Metropole Ruhr“ und „Niedersächsische Technische Hochschule“ bündeln Kompetenzen, um die Exzellenzinitiative um zwei Bewerber zu bereichern.

Dietmar Petzina nahm kein Blatt vor den Mund. 130 000 Studierende und 14 000 Wissenschaftler im Ruhrgebiet seien imposante Zahlen, bilanzierte der ehemalige Rektor der Ruhr-Universität Bochum vor drei Jahren, aber von Exzellenz könne kaum die Rede sein. An den Masse-Universitäten in Duisburg-Essen, Dortmund und Bochum gäbe es „von vielem etwas“, aber nur wenig Qualitätszentren.

„In der Vergangenheit haben Eifersüchteleien und Subventionskartelle eine effektive Kooperation der Hochschulen vereitelt“, lautete die harsche Kritik Petzinas. Die Vernunft verlange Profilbildung und eine bessere Absprache innerhalb der wissenschaftlichen Einrichtungen.

Die Vernunft hat sich durchgesetzt. Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen verbinden inzwischen zahlreiche Gemeinsamkeiten, so etwa ein gemeinsames Büro in New York. Ein Anfang der Woche geschlossener Vertrag bildet den bisherigen Höhepunkt des Sich-näher-Rückens. Unmissverständlich stellten die drei Uni-Rektoren die Freiwilligkeit des Bündnisses dar: Die Idee der „Universitätsallianz Metropole Ruhr“ sei keinesfalls unter der Knute des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums geboren, sondern entspränge einzig und allein dem Willen der Hochschulleitungen.

Was nicht heißen soll, dass Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) der Kooperation Steine in den Weg legen würde. Im Gegenteil. „Die Landesregierung begleitet die Allianz mit großer Sympathie“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident bei der Vertragsunterzeichnung in der Ruhr-Universität Bochum.

Die Kooperation der Revier-Unis sei nicht als Fusion zu verstehen, so die Uni-Rektoren, und auch Kosteneinsparungen und Angebotsstreichungen seien nicht das Ziel, sondern autonome Standorte, die vielfältigere Studiengänge und modernste Forschung miteinander verbinden.

„Wir wollen eine der leistungsfähigsten Wissenschaftslandschaften Europas schaffen“, erklärte der Bochumer Rektor Elmar Weiler. Sein Kollege Lothar Zechlin von der Universität Duisburg-Essen betonte, dass das Projekt keineswegs mit Sparvorhaben verbunden sei: „Es geht darum, mit den selben Mitteln mehr Leistung zu erreichen.“

Die Exzellenzinitiative habe große Dynamik erzeugt, von der jetzt auch die drei großen Hochschulen mit insgesamt fast 90 000 Studierenden, 1250 Professoren und einem Jahresetat von 840 Mio. € profitieren wollen. Zechlin: „Wären alle drei Universitäten von Beginn an gemeinsam ins Rennen gegangen, hätten wir bei der Exzellenzinitiative vermutlich ähnlich stark abgeschnitten wie München.“

Zweiter sichtbarer Beweis für den Kooperationswillen ist nach Schaffung des Kulturwissenschaftlichen Institutes Anfang des Jahres die „Engineering Unit Ruhr“, die unter der Schirmherrschaft von ThyssenKrupp 20 Mio. € Drittmittel, sechs Sonderforschungsbereiche und 4000 Studierende unter einem Dach zusammenführen soll.

Exzellent solle aber nicht nur die Forschung sein, sondern auch das Lehrangebot. Während Bachelorstudenten weiterhin an allen drei Hochschulen jeweils eine Vielzahl an Bildungsangeboten vorfänden, müssten Master-Studierende bereit sein, die Hochschulen zu wechseln. Jede der drei Universitäten werde sich auch in den Ingenieurwissenschaften auf ausgewählte Felder konzentrieren.

Minister Pinkwart machte kein Hehl daraus, dass es ihm vor allem um die Forschung geht: „Wir in NRW müssen die Spitzentechnologien fördern. Nur so können wir große Unternehmen und Hightech-Gründer für das Ruhrgebiet gewinnen. Schließlich befinden wir uns bundesweit im Wettkampf um Forschungsbudgets.“

Die Konkurrenz aber schläft nicht. In Niedersachsen regen Frühling und Exzellenzgedanke die Hochschulplaner ebenfalls zu mutigen Projekten an. Auch hier suchen Universitäten die Nähe der Nachbar-Hochschule, um sich mit der wissenschaftlichen Technologie-Elite in München und Karlsruhe zu messen.

Die „Niedersächsische Technische Hochschule“ (NTH) soll aus bislang isolierten Forschungsschwerpunkten Exzellenz gestalten. Sie ist neben der intensivierten Kooperation mit außeruniversitären und industriellen Forschungsinstituten der zweite Faden, aus dem die Universitäten in Hannover, Clausthal und Braunschweig ein Elite-Netz stricken wollen.

Die schwache Nachfrage nach natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen – etwa im Bauingenieurwesen mit einer Auslastung unter 50 % – macht der Technischen Universität Braunschweig zu schaffen.

„Wenn wir auf technologischem Feld national und international bestehen und Sichtbarkeit gewinnen wollen, dann geht das nicht, indem wir hier in Niedersachsen konkurrieren: Braunschweig gegen Clausthal – mit solchem Denken haben wir heute keine Chance mehr“, erläutert Jürgen Hesselbach, Präsident der TU Braunschweig.

Um der bundesweiten Konkurrenz zu trotzen, sei eine gemeinsame Dachmarke, die NTH, nötig. Hesselbach: „Was wir nicht wollen, sind Schlagzeilen wie: ,Super-Uni in Niedersachsen macht dem Süden Konkurrenz“. Das ist illusorisch. Vernetzung bedeutet für uns nicht Fusion, sondern Schwerpunktlegung. Das Bauingenieurwesen könnte künftig zum Beispiel in Braunschweig konzentriert werden, die Physik in Hannover.“

Wie im Ruhrgebiet gilt auch in Niedersachsen: Größere Durchlässigkeit statt Angebotsabbau. Beispiel Maschinenbau: Studierende können etwa je nach fachlichem Interesse nach dem ersten Modul in Braunschweig für das zweite Modul nach Hannover wechseln. Voraussetzung: Die Universitäten erkennen die Leistungsnachweise der jeweiligen Hochschule an.

Der Schmusekurs der Universitäten sei ein Trend, der bundesweit zu beobachten sei, blickt Hesselbach sich um. „Bremen und Oldenburg stellen sich gemeinsam auf Freiberg, Chemnitz und Dresden bilden ein TU-Dreieck. Unter den herrschenden finanziellen Bedingungen bleibt den Hochschulen keine andere Wahl.“

Was die Hochschul-Rektoren im Ruhrgebiet freiwilliges Aufeinanderzugehen nennen, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als lebensnotwendige Selbsthilfe. Schließlich hat die Politik nicht ausgeschlossen, dass die ein oder andere Hochschule den Wettbewerb nicht überstehen wird. In Zeiten des kalten Wettbewerbs ist jeder froh um einen Kuschelpartner. W. SCHMITZ

Von W. Schmitz

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