Hochschule

Technik – spannend und kompliziert

Das Interesse an Ingenieurwissenschaften ist bei vielen Schülern vorhanden. Der hohe Anspruch aber schreckt ab. Dies zeigte der Tag der Ingenieurwissenschaften an der Universität Duisburg.

Rektor Ingo Wolff hat gute Laune, denn der erste Tag der Ingenieurwissenschaften an der Gerhard-Mercator Universität ist ein voller Erfolg. „Wir sind positiv überrascht, dass so viele Leute gekommen sind, denn wir müssen kämpfen, um die Studierendenzahlen nach oben zu bringen.“ Nach dem Einbruch bei den Neuimmatrikulationen Mitte der 90er Jahre stagnieren auch an der Uni Duisburg die Einschreibungen in den Ingenieurwissenschaften auf schwachem Niveau. Daher konnten die Organisatoren nicht unbedingt davon ausgehen, dass 200 Schülerinnen und Schüler aus der Umgebung kommen würden, um sich über die Ausbildung zum Ingenieur zu informieren. Angereist sind meist komplette Klassen mit Lehrern, stark vertreten sind die Kollegschulen. Die Frage, ob sie sich bereits für ein Ingenieurstudium entschieden haben, beantworten die meisten Nochschüler mit „ja“, ohne allerdings die genaue Fachrichtung angeben zu können.
Kamenko Gujatovic hat bereits eine Lehre als Gas-, Wasser-, Heizungsinstallateur hinter sich. Jetzt möchte er am liebsten Flugzeugbau studieren. Teamarbeit sei wichtig und die Fähigkeit selbständig zu arbeiten. Das haben ihm Freunde und Lehrer erklärt. Auf die Nachricht, dass das gesamte Mathematikpensum der Schulzeit in einer Vorlesung abgehandelt wird, löst bei einigen Anwesenden Verblüffung aus. Ein junger Mann kratzt sich verlegen am Kopf. „Vielleicht werde ich dann doch besser Erzieher“, sagt er mit skeptischer Miene.
Auch nach den einführenden Referaten der Professoren aus den Fachbereichen der Duisburger Ingenieurwissenschaftler kann sich Anna-Lena Wagner aus Oberhausen noch nicht vorstellen, wie das Studium ablaufen wird. Aber immerhin: Mathematik und alles Technische hat ihr auf der Schule immer Spaß gemacht. „Wirtschaftsingenieur wäre vielleicht nicht schlecht“, überlegt sie. In Duisburg will sie aber auf keinen Fall studieren. Nicht, weil sie etwas gegen die Uni hätte. Aber sie möchte auf jeden Fall von zu Hause weg, dahin, wo echt was los ist, vielleicht nach Berlin. Sie ist eine von wenigen Mädchen unter den Schülern. Anna-Lena Wagner vermutet, dass viele junge Frauen das drohende Minderheitendasein scheuen.
Wer glaube, sich ein lockeres Leben leisten und nebenbei Ingenieurwissenschaften studieren zu können, habe sich in den Finger geschnitten, mahnt Prof. Axel Hunger von den Elektrotechnikern. „Das Grundstudium in den Ingenieurwissenschaften ist hart. Im Hauptstudium wird es dann spannender.“ Er empfiehlt, auch nach Neigung zu studieren, da niemand die Berufsaussichten der Studienanfänger in fünf oder sechs Jahren einschätzen könne. Einige Augen beginnen zu leuchten, als Hunger auf einer Weltkarte die Kooperationen der Universität Duisburg vorstellt. Das hört sich spannend an.
Bis zum möglichen Auslandsaufenthalt ist es aber für die Schüler noch ein weiter Weg. Rudi Bretthauer, Lehrer am Berufskolleg in Krefeld-Uerdingen, meint, das Studium stelle eine größere Hürde dar als in früheren Jahren. Die hohen Anforderungen schreckten doch viele ab. „Bei den Schülern ist es schwer, Interesse für die anspruchsvollen technischen Disziplinen zu wecken.“ Hans Joachim Berndt vom Berufskolleg Düsseldorf glaubt ebenso wenig an die Wende zum Guten. Ein Ende der Nachwuchskrise ist auch für ihn noch nicht in Sicht. „Es war ja mal ,in´, technisch unbedarft zu sein.“ Das sei nicht so schnell wieder wett zu machen.
Für Iris Schopphoven liegt die Krise der Ingenieurwissenschaften am schlechten Image. „Wenn in irgendeiner Soap-Opera im Fernsehen mal ein Ingenieur dabei wäre, würde das helfen, Schüler für das Ingenieurstudium zu interessieren“, meint die Geschäftsführerin von „Akzent“, einer gemeinsamen Einrichtung der Gerhard-Mercartor-Universität und des Arbeitsamtes Duisburg. Ziel von Akzent ist es, den Informationsfluss zwischen Hochschule, Wirtschaft, Behörden, Verbänden, Schulen, Arbeitgebern und ehemaligen Absolventen zu verbessern. Und für solch ein Vorhaben sei ein Tag der Ingenieurwissenschaften sinnvoller als beispielsweise ein Tag der offenen Tür, glaubt Schopphoven. Die Informationen seien viel spezifischer.
Auch der Wirtschaft war sehr an dem Forum gelegen. So beteiligte sich der Duisburger Unternehmerverband an den Kosten der Veranstaltung; nachmittags hatten die Schüler Gelegenheit sich bei Philips (Krefeld), Siemens KWU (Mülheim a.d.Ruhr) und Thyssen Umformtechnik (Duisburg) umzusehen und Eindrücke von der praktischen Seite des Ingenieurberufes zu erhalten. Kontakte zu Firmen knüpften die Besucher während der Bonding-Messe unter dem Motto „Studierende treffen Arbeitgeber“. M. BURAZEROVIC

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