Nachwuchsförderung

Tausendmal berührt – und es hat Zoom gemacht

VDI nachrichten, Essen, 10. 9. 04 -„So, Herr Schulz, jetzt zählen wir beide mal bis drei und dann machen wir das hier gemeinsam.“ NRW- Ministerpräsident Peer Steinbrück ergriff die Initiative, als er mit Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz das Eröffnungsband zum IdeenPark zerschnitt. Nicht zaudern, nicht zögern, das sollen auch die nachkommenden (Ingenieur-)Generationen. Sie sollen erfinden und vor allem produzieren, so die Botschaft im Jahr der Technik. Drei Tage lang hieß es daher „Zukunft Technik entdecken“ auf dem Areal der Gelsenkirchener Arena AufSchalke.

Warum verleiht Stahl aus den Wittener Edelstahlwerken dem Bob von Susi Erdmann weltmeisterliche Schnelligkeit? Und warum sollte ein Wintersportstar wie der Hackel Schorsch nicht nur ein Rennrodler von goldschimmerndem Olympiaformat sein, sondern darüber hinaus auch ein Sportler mit ingenieurwissenschaftlichen Kenntnissen? In Gelsenkirchen erfuhren Kinder und Jugendliche, dass hinter den Erfolgen prominenter Sportler auf Kufen, Rädern oder in Cockpits nicht nur hartes Training und viel Schweiß, sondern auch der kleine technische Unterschied steckt.
Sport war aber nicht das einzige Vehikel, mit dem ThyssenKrupp unter dem Motto „Zukunft Technik entdecken“ vom 2. bis 4. September rund um die Arena AufSchalke beim Nachwuchs für Technik warb. Für eine der acht Zentralveranstaltungen im Rahmen des Jahres der Technik 2004 machte sich der Konzern gemeinsam mit Partnern wie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Initiativkreis Ruhrgebiet, mehreren Technischen Universitäten und dem ZDF-Kinderprogramm stark. Das Ergebnis war eine beeindruckende Ausstellung zum Mitmachen, Mitfiebern und Anpacken.
Raus aus dem Schulmief und Technik hautnah erleben. Diese Chance packten die Kinder und Jugendlichen unter den rund 60 000 Besuchern ausgiebig beim Schopfe. Sie erhielten Antworten auf Fragen, die sie womöglich im Stress des Schulalltages nicht zu stellen wagen, wie: Was ist ein Katalysator? Was ist eine E-Commerce-Lösung? Sie hörten aber auch kindgerechte Vorträge zu wissenschaftlichen Themen und erlebten Versuche und Experimente, ohne sich Sorgen über eine Benotung machen müssen.
Dass sich Menschen mitunter nur schwer für Technik begeistern lassen, war an den drei Tagen nicht zu spüren. In Minutenschnelle füllen Vertreter aller Altersstufen die zahlreichen Hallen und Pavillons. Senioren schieben ihre Lesebrillen auf die Stirn, um am Stand des Deutschen Museums Bonn durchs Mikroskop in die Welt der Mikro- und Nanotechnologien zu tauchen, Erzieherinnen weisen ihre kleinen Schützlinge darauf hin, auf einen Haltbarkeitstest der manchmal anfälligen Exponate zu verzichten, und Familien stärken sich mit Würstchen, Limo und Eis für weitere Erkundungsgänge.
Technik ist nicht männlich. Das wissen inzwischen auch Dana Jarczyk (13) und ihre Freundin Jessica Sanger (12): „Früher hat man gesagt: Mädchen werden wie Mädchen erzogen, und Jungs wie Jungs. Aber das ist doch längst nicht mehr so. Ich finde das toll: Warum sollen Frauen sich denn nicht für Technik begeistern?“
Die weiblichen Besucher sind auf jeden Fall nicht in der Minderheit, auch wenn sie nicht sofort, wie von einer magischen Hand geleitet, ihren Weg zum Lamborghini Gallardo finden. Daniel Preisner (18) lässt sich mit seinen Kollegen Benjamin Schlöpert und Christian Steinbach (beide 19) am Stand von ThyssenKrupp Drauz zeigen, wie ein Roboter die Spitze einer Schraube auf dem Alublech der Lamborghini-Karosserie rotieren lässt, bis dort eine Temperatur von rund 200° C entsteht. Das Aluminium wird weich, die Schraube dringt ein und schneidet sich dabei ihr Gewinde selbst – so was ist hundertprozentig dicht.
Die Drei haben nicht nur ein Faible für schöne Autos, sondern auch berufliches Interesse, denn sie machen gerade eine Ausbildung zum Werkstoffprüfer. Sie sind in Sorge, nach ihrem Abschluss nicht übernommen zu werden. Schon die Suche nach einem Ausbildungsplatz sei nervtötend gewesen. Diese Situation sorge für Frust und Gleichgültigkeit, und das sei wesentlicher als das häufig vernommene Vorurteil fehlenden Technikinteresses. Die jungen Männer haben sich vorgenommen, nach der Lehre ein Ingenieurstudium anzupeilen, denn nur so hätte man realistische Aussichten auf einen Job.
Keine schlechte Idee, wie Ekkehard Schulz findet. Der ThyssenKrupp-Chef weist während der von RTL-Moderator Heiner Bremer geleiteten Podiumsdiskussion auf den Ingenieurmangel hin. Die derzeit knapp 35 000 Absolventen könnten den Bedarf nicht decken. „Das ist nicht gerade ein Klima, das Innovationen fördert“, konstatiert Schulz. Die Bundesrepublik sei dazu verdammt, auf den Faktor Qualität zu setzen. Das bedeute Innovationen, und Innovationen bedeuten Technik. Deshalb müssten auch die Chancen stärker als die Risiken betont werden.
Es gebe keine Technikfeindlichkeit, sondern ein Technikakzeptanzproblem, und das hänge mit fehlendem Wissen zusammen. Es gelte, dieses Defizit bereits im Kindergarten und in der Schule anzugehen. „Bei den Menschen muss sich Vertrauen in die Führungseliten entwickeln, dass die das schon richtig machen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende.
Auch NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück will aus „diesem Jammertal“ heraus. „Wir sollten uns darauf konzentrieren, die Fragen zu beantworten, wie wir etwas hinkriegen, und nicht dauernd nach Gründen suchen, warum wir etwas unterlassen sollten.“
Dass Umweltschutz beträchtliche Möglichkeiten für die deutsche Wirtschaft eröffne, hat Gerhard Wagner, Rektor der Ruhr-Universität Bochum, jüngst bei einem Besuch in Schanghai erfahren, wo der Maschinenbauingenieur auch eine Probefahrt mit dem Transrapid unternahm. „Auch in China wird man in Zukunft Technik und Umweltschutz vereinbaren. Wir müssen jungen Menschen nahe bringen, dass wir die Umwelt nur sauber halten können, wenn wir gute Ingenieure haben.“
Andreas Pelster aus Emsdetten, Teilnehmer am Wettbewerb „Jugend forscht“, muss Wagner nicht mehr überzeugen, denn der 18-jährige Abiturient hat sich gerade im Rahmen des Wettbewerbs mit den Fragen beschäftigt: Was ist in Düngemitteln enthalten? Was ist an den Stoffen gefährlich? Wieso verseuchen sie die Ostsee? „Naturwissenschaften, Technik, Umweltschutz – das gehört zusammen. Und wer gegen Kernenergie ist, ist doch nicht automatisch gegen die Technik eingestellt. Photovoltaik ist doch auch Technik“, erklärt Pelster, der nach dem Abitur entweder Ingenieurwissenschaften oder Physik studieren möchte.
Um Schülern Technik näher zu bringen, darf die Sprache nicht zu wissenschaftlich sein, hat Sven Langbein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Maschinenelemente und Konstruktionslehre der Ruhr-Universität Bochum erfahren. Am regelungstechnischen Beispiel des Inversen Pendels zeigt Langbein die Prinzipien und Möglichkeiten der Mechatronik auf. Hilfreich sind Beispiele und Erfahrungen aus der Umwelt, dem täglichen Leben. Aber auch das hat seine Grenzen. Der im Versuchsaufbau eingesetzte Computer hört nur auf die abstrakte Sprache der Mathematik. Schüler können also nachvollziehen: Wer solch einen Versuch entwickelt, kommt um mathematische Grundlagen nicht herum.
„Bei allem Engagement, Jüngere zu begeistern, muss die Technik das bleiben, was sie ist: kompliziert. Wir sagen den Leuten nicht: So eine Übung aus dem Hauptstudium baut ihr locker zu Hause nach“, so Langbein, der als Doktorand weiß: Vor der Kür kommt die Pflicht, vor Hauptstudium und Examen steht die harte Grundlagenpaukerei im Grundstudium. Und daran kommt auch der Ingenieurnachwuchs nicht vorbei. M. BURAZEROVIC

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